Hornussen
Eine Zweiklassengesellschaft im Stil der Formel 1: Beim NLA-Hornussen sind die Favoritenrollen klar

Die Solothurner zählen in der bevorstehenden NLA-Saison zu den Favoriten auf den «goldenen» dritten Rang.

Michael Schenk
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Die Hornusser der HG Recherswil-Kriegstetten wollen in der neuen NLA-Saison den dritten Platz aus dem Vorjahr verteidigen.

Die Hornusser der HG Recherswil-Kriegstetten wollen in der neuen NLA-Saison den dritten Platz aus dem Vorjahr verteidigen.

zvg

Bei den weltbesten Hornussern geht es zu und her wie in der Formel 1. Vorne weg zwei Silberpfeile; der Rest jagt in einer eigenen Liga hinterher. «Da müssen wir nichts beschönigen», bestätigt Roland Wyss, einer der Spielführer der HG Gerlafingen-Zielebach, «wenn alles normal läuft, werden Höchstetten und Wäseli auch in dieser Saison die ersten beiden Plätze unter sich ausmachen.» Allein wenn die beiden Topfavoriten beim Abtun die Nousse rudelweise ins Ries fallen lassen und so strafende Nummern à gogo schreiben sollten, hätte die Konkurrenz eine Chance auf Gold und Silber.

2016 ging der Titel an Wäseli vor Höchstetten. Den dritten Podestrang und damit quasi den Meistertitel der zweiten Garde erreichte mit respektablem Abstand die HG Recherswil-Kriegstetten. «Das war das Maximum, das für uns möglich war», bestätigt Bernhard Salzmann aus dem A-Team des Schweizer Meisters von 2012. Auch ohne die beiden während der Saison eingefangenen Nummern wäre für die Wasserämter nicht mehr dringelegen. Derlei peilen die Recherswiler in der neuen Saison, die für sie am Sonntag auswärts in Lyss beginnt, «die Verteidigung des Podestranges» an. Allein das wird schwer genug. Insgesamt fünf Abgänge hat das A-Team zu verkraften. «Alles bestandene und zuverlässige NLA-Spieler», sagt Salzmann. Ersetzt wird das Quintett vorwiegend mit Spielern aus der eigenen B-Truppe. «Unter dem Strich sind wir ähnlich stark wie letztes Jahr», hält Salzmann fest. Vielleicht habe der «Wundertüten-Faktor» etwas zugenommen. Will heissen: «Kann sein, dass hie und da auch Mal einer hintenraus geht; aber wir werden sehen.»

Star-Schläger zu Höchstetten

Die HG Gerlafingen-Zielebach ihrerseits trägt Ende August/Anfang September das Emmentalische und das Interkantonale aus. Zuvor wollen die Gerlafinger die Meisterschaft wenn möglich im ersten Drittel der 16 NLA-Teams beenden. Nicht einfach. Mit Marco Beer haben die Gerlafinger nämlich ihren Topskorer, sprich Topschläger und Spielführer an Liga-Krösus Höchstetten verloren. Beer holte sich unter anderem 2009 am Eidgenössischen den Silberkranz und gewann 2014 das Emmentalische. Zudem belegte der 34-jährige Alchenstorfer in der Einzelschläger-Rangliste der letzten Saison den 6. Rang. «Ein Abgang, den wir zweifellos spüren werden», sagt Spielführer Roland Wyss. Der Transfer sei nachvollziehbar, meint dieser. «Mit Höchstetten hat er eine echte Chance, Schweizer Meister zu werden; was bei uns derzeit eher unwahrscheinlich ist.» Zudem spielt Beers bester Kollege in Höchstetten. Trotzdem: Der Transfer von Beer unterstreicht die Entwicklung hin zur Zweiklassengesellschaft in der NLA. Die beiden Stärksten werden immer noch stärker, der Abstand zum Rest zusehends noch grösser. Insofern gibt es zweifellos auch die, die weniger «Verständnis» für solche Wechsel aufbringen. Hat was vom Grande Lugano Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre im Eishockey diese Entwicklung. Die Tessiner bündelten damals die besten Kräfte des Landes und holten so Titel um Titel.

Zurück an die Spitze

Auch bei der HG Zuchwil ist man davon überzeugt, dass Wäseli und Höchstetten den Titel unter sich ausmachen. Langfristig plant man indes in der Hochburg des eidgenössischen Hornusser-Sports zu Zeiten des Grande Lugano, wieder an die Spitze zurückzukehren. 2018 am Eidgenössichen in Walkringen will man auf jeden Fall wieder zu den Horngewinnern, den Allerbesten also, zählen. Vorerst jedoch gehört Zuchwil noch zum breiten Mittelfeld, das sich um die Plätze hinter dem Spitzen-Duo streitet. «Wir haben letzte Saison im Ries etwas unglücklich gekämpft und Spiele trotz besserer Schlagleistung aufgrund von unnötigen Nummern verloren», sagt Spielführer Marc Liechti. Wenn man dies korrigiere, «liegt durchaus auch eine Verbesserung des neunten Ranges aus dem Vorjahr drin.» Auf gehts am Samstag daheim gegen Urtenen. Man darf gespannt sein, wer sich heuer die Krone hinter den Kaisern holt.