Ski nordisch
Eine Zusatzbelastung als Befreiung

Kombinierer Tim Hug startet morgen in die Weltcupsaison – nicht mehr als Profi. Seit September lässt sich der 24-jährige Gerlafinger an der ETH Zürich zum Maschineningenieur ausbilden.

Simon Steiner
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Nach der Teilnahme in Vancouver will Tim Hug auch an den Olympischen Spielen in Sotschi dabei sein. Key

Nach der Teilnahme in Vancouver will Tim Hug auch an den Olympischen Spielen in Sotschi dabei sein. Key

bz Basellandschaftliche Zeitung

Spitzensport ist immer eine Gratwanderung – und die Nordische Kombination erst recht. Im Langlauf ist in erster Linie die Ausdauerfähigkeit gefragt, beim Skispringen die Schnellkraft. Und die Aufgabe der Athleten im Training besteht darin, auf beiden Seiten möglichst viel herauszuholen, ohne dass es auf Kosten der jeweils anderen geht.

Als ob dies noch nicht genug wäre, hat Tim Hug parallel nun dazu einen weiteren Balanceakt in Angriff genommen: jenen zwischen Sport und Studium. Seit September lässt sich der 24-jährige Gerlafinger an der ETH Zürich zum Maschineningenieur ausbilden – und erhofft sich davon auch einen positiven Effekt auf seine sportlichen Leistungen.

«Ich habe im vergangenen Winter gemerkt, dass ich mich zu sehr auf den Sport versteift habe», sagt Hug, der in den letzten drei Jahren als Profisportler gelebt hat. «Ich brauchte deshalb eine Herausforderung, um den Kopf vom Sport freizubekommen.» Vor allem im Skispringen kam der A-Kader-Athlet letzte Saison nicht auf Touren. Nachdem ihm in den Sommerwettkämpfen gute Leistungen gelungen waren, liess er im Winter die nötige Lockerheit auf der Schanze vermissen.

Erlaubnis Vorlesungen zu schwänzen

«Ich muss mich sehr gut organisieren, damit Sport und Studium aneinander vorbeigehen», sagt Hug. «Viel Freizeit bleibt nicht mehr übrig.» Der Olympiateilnehmer in Vancouver profitiert nicht nur vor der geografischen Nähe des Trainingszentrums in Einsiedeln zum Studienort Zürich, sondern auch vom Entgegenkommen der ETH. In den Vorlesungen braucht Hug nicht immer präsent zu sein, sondern kann sich den Stoff individuell erarbeiten. Das erste Studienjahr plant er zudem, auf zwei Jahre zu verteilen.

Cheftrainer Robert Treitinger unterstützt den Weg seines Schützlings. «Das Studium erlaubt es ihm, seine geistigen Fähigkeiten optimal zu nutzen und einen guten Wechsel von physischer zu psychischer Belastung vornehmen zu können», sagt der Österreicher. Kompromisse will Hug, der nach dem Rücktritt von Ronny Heer neben Seppi Hurschler zum Teamleader aufgerückt ist, trotz seiner Studienwahl nicht eingehen. «Der Sport hat ganz klar Priorität», sagt er. Die Olympischen Spiele in Sotschi 2014 locken als Fernziel.

Weltcupauftakt in Kuusamo

Ein solcher Grossanlass fehlt in der bevorstehenden Saison, die morgen mit dem Weltcup im finnischen Kuusamo beginnt. Hugs Fokus liegt deshalb primär auf konstanten Leistungen über den ganzen Winter. Dabei orientiert er sich – mit einem 11. Weltcuprang als bisheriges Bestergebnis im Rücken – durchaus nach oben: «Die Top Ten will ich diese Saison knacken.»

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