Die Mädchen mögen sie ganz offensichtlich. Als Trainerin strahlt sie jetzt auch mehr Herz und Liebreiz aus, als zu ihrer Aktivzeit. Nicht selten beschrieben sie westliche Journalisten damals als den «Block aus dem Osten». «Ich war halt am Wettkampf immer sehr fokussiert und habe weniger gelacht, als andere», sagt sie.

Von da und dort tönt es: «Ist es so gut Maxi?» oder «Maxi, kannst du einmal schauen?» Und Maxi lobt, korrigiert, analysiert und gibt Tipps. Wahrliche Maxi-Tipps; denn Maxi Gnauck ist eine der besten Kunstturnerinnen aller Zeiten. 2000 wurde sie als erste Deutsche in die «International Gymnastics Hall of Fame» aufgenommen – in die Ruhmeshalle also.

Im Moskauer Lushniki-Sportpalast wurde die Tochter einer Diplomsportlehrerin 1980 Olympiasiegerin am Stufenbarren. Dazu gewann sie Silber im Einzelmehrkampf und Bronze am Boden und Mannschaftsmehrkampf. Zwischen 1979 und 1985 wurde die Berlinerin, nach der die Gnauck-Kehre benannt ist und die als Erste Dreifach-Schrauben einführte, sechsmal Weltmeisterin und fünfmal Europameisterin.

Maxi sollte eigentlich Max sein

1986, nach ihrer Laufbahn, begann Maxi, die so heisst, weil ihre Eltern einen Buben erwarteten, den sie Max nennen wollten und dann einfach ein «i» anhängten, als es doch ein Mädchen wurde, ein Sportlehrerstudium. 1990, mitten in der Wendezeit, schloss sie dieses ab. «In dem Moment wurden alle Trainerstellen beim SC Dynamo Berlin gekündigt», sagt Gnauk.

Und: «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass man in der aufgewühlten Stimmung, die da herrschte, und in der viele überfordert und alle sich selbst der Nächste waren, auf mich warten und mir eine Stelle anbieten würde.» Darum sah sich Gnauck nach einem Reisejahr anderweitig um. Im Oktober 2005 kam sie schliesslich via Hamburg als Frauen-Cheftrainerin an der Seite ihres Landsmannes und ex Turn-Kollegen Roland Brückner ans Nordwestschweizerische Kunst- und Geräteturnzentrum Liestal (NKL).

Als Brückner ging, ging kurz darauf auch Gnauck und es folgte der Wechsel nach Utzenstorf ins Gym Center Emme. «Ich war in der DDR zu wenig lange Trainerin, als dass ich Gefahr laufen würde, in Depressionen zu verfallen, wenn sich nicht alles um mich herum auf absoluten Topniveau bewegt», sagt die 50-Jährige. Für sie sei es problemlos mit Sporterlinnen zu trainieren, die nie nur annährend eine Karriere wie sie selbst haben werden. Als Trainerin freut sie sich auch über kleine Erfolge: «Die Arbeit macht Spass und wird anerkannt.»

Kunstturnen nicht auf der Wunschliste

Als Kind, so die Turn-Königin von früher, die inzwischen mit ihrem Lebenspartner, dem Kunstturn-Trainer Gunter Blumentritt in Selzach wohnt, habe sie unbedingt in eine Sportschule gewollt. Und auch ihre Eltern wollten das. Kunstturnen indes stand nie zuoberst auf der Wunschliste. «Nein, meine Eltern hielten es für zu gefährlich», so Gnauck.

Ergo kam es, dass «Mini-Maxi», wie sie genannt wurde, von den Talentspähern zuerst als Wasserspringerin in Betracht gezogen wurde. «Aber ich war so eine Frostbeule und hatte ständig kalt, dass das nicht ging.» In dem Sinn scheiterte auch der Versuch, eiskunstzulaufen.

Darum «kam ich doch noch zum Kunstturnen». Mit Talent und harter, konsequenter und disziplinierter Arbeit – aber «ohne Drill und Peitsche», wie sie betont, – sei sie dann in der DDR zu der Vorzeigeathletin geworden, die sie war. Ein Idol ausgezeichnet mit dem Vaterländischen Verdienstorden und dem Stern der Völkerfreundschaft.

«Ohne Freude geht aber gar nichts», bemerkt Gnauck. Darum ist sie heute bestrebt, diese Freude und Lust am Sport auch ihren Schützlingen zu vermitteln und in ihnen hochzuhalten.

Was die die Schweiz angeht, so kannte Gnauck von dieser bis vor ihrem Job in Liestal wenig. Ein KA- respektive NSW-Einsatz, wie es früher in der DDR hiess – KA für «Kapitalistisches Ausland», NSW für «nicht sozialisitische Wirtschaft» – führte sie an einen Länderkampf nach Domdidier. «Das war mein zweiter Ausland-Aufenthalt», so Gnauck. Der erste ging nach Tokyo.

Nun, im Vergleich zum bunten Lichtermeer der Weltstadt hatte das Freiburger Dorf in der Broyeebene damals wenig Eindruck beim Sportstar hinterlassen. «Das kann man so sagen.» Inzwischen aber fühlt sich Gnauck in der Schweiz heimisch; selbst wenn das mit dem Schwiizerdüütsch noch etwas «murckst».