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Eine noch nie erlebte Verletzungsserie beim EHC Olten: «Das ist schlicht eine rabenschwarze Serie»

Schmerzen nach einer rüden Attacke: Diese Aktion gegen Stefan Mäder im in Visp ging für einmal glimpflich aus.Freshfocus

Schmerzen nach einer rüden Attacke: Diese Aktion gegen Stefan Mäder im in Visp ging für einmal glimpflich aus.Freshfocus

Der EHC Olten zählt so viele Verletzte wie noch nie im Verlaufe einer Saison – ist wirklich alles nur Pech? Teamarzt Anselm Eglseder sagt: «Die Spieler sind austrainiert. Keiner hätte jemals etwas gegen seine individuelle Verletzung tun können. Es gibt auch keine Zusammenhänge.»

Plötzlich ist ihm im Spiel gegen Langenthal (2:1) wieder schlecht und schwindlig geworden, sodass er das Comeback-Spiel zu Beginn des zweiten Drittels enttäuscht abbrechen musste. Die Rede ist von Verteidiger Marc Grieder.

Intensive Kopfschmerzen verspürte er zwar keine, doch als Vorsichtsmassnahme beginnt mit den eindeutigen Symptomen das ganze Prozedere einer Gehirnerschütterung-Behandlung wieder von vorne. Spezialisten der Klinik für Gehirnerschütterungen werden sich fortan – genauso wie um Ryan Vesce – um Marc Grieder kümmern.

Bereits im Spiel zuvor schied Luca Zanatta aus, nachdem er von einer Schlittschuhkufe im Gesicht getroffen wurde und nebst einer klaffenden Wunde einen Bruch des Jochbogens davontrug. Damit haben nur acht Spieler (!) des 29 Mann starken Oltner Stammkader sämtliche 24 Qualifikationsspiele ohne Verletzung bestreiten können.

Keine Prophylaxe möglich

Woran liegt es, dass der EHC Olten so viele Verletzte zu beklagen hat? Der Grundtenor im Klub ist eindeutig: Eine solche Häufigkeit von Verletzungen hat der EHC Olten in der 83-jährigen Vereinsgeschichte noch nie erlebt.

Unweigerlich kommt die Frage auf, ob der EHCO sportlich die Professionalität vermissen liesse und sich zu wenig fachkundig auf die intensive Eishockeysaison vorbereitet hätte. Sind die Spieler nicht fit genug? Oder sind die Verletzungen tatsächlich einfach nur dem Pech geschuldet?

Für Anselm Eglseder – Spital-Arzt in Zofingen, unabhängiger EHCO-Teamarzt und selber ehemaliger Eishockeyspieler – ist die Sache klar: «Die Spieler sind austrainiert. Keiner hätte jemals etwas gegen seine individuelle Verletzung tun können», sagt er mit Überzeugung und ergänzt: «Es gibt auch keine Zusammenhänge all dieser Verletzungen. Es ist schlicht eine rabenschwarze Serie, durch welche sich der EHCO kämpfen muss.»

Captain Cédric Schneuwly fügt an: «Wir haben unglaublich grosses Pech. Einen Schlittschuh ins Gesicht zu bekommen und sich dabei einen Knochen zu brechen, ist purer Zufall und erlebt man nicht alle Tage. Wie sollen wir uns bloss gegen solche oder ähnliche Brüche schützen?»

Die Verletzungsserie, die auf vielen Frakturen basiert und weniger muskulären Blessuren obliegt, lässt sich medizinisch nicht erklären: «Es gibt keine Prophylaxe gegen solche Verletzungen. Nach einem Check auf den Boden zu fallen und sich dadurch den Arm zu brechen hat nichts mit der Fitness zu tun», so Eglseder.

Er weist darauf hin, dass das Tempo des Eishockeysports kontinuierlich steige und dadurch auch die Verletzungswahrscheinlichkeit zunehme. Die Spieler selber, Trainer, Schiedsrichter, aber auch der nationale Verband, seien gefordert, die Gesundheit der Athleten zu schützen.

Insbesondere das Problem der Gehirnerschütterungen nehme mit der Temposteigerung des Spiels rasant zu, was ein grundsätzliches Problem der schnellen Sportarten mit abrupten Richtungsänderungen seien.

«Das schweisst uns zusammen»

Für die EHCO-Spieler sind die vielen Verletzungen generell mental und körperlich eine grosse Belastungsprobe. «Man macht sich schon seine Gedanken, ob man vielleicht der Nächste ist. Aber ängstlich geht man deswegen nicht in ein Spiel. Das Risiko gehört zu unserem Job dazu. Mal hat man Glück und bleibt eine Saison verletzungsfrei, mal muss man mehr einstecken. Wir müssen damit umgehen können», sagt Schneuwly, der zu den acht unversehrten Spielern gehört.

Schneuwly kann selbst solchen Situationen als Captain etwas Positives abgewinnen: «Ich merke, dass wir als Team auch für die Verletzten aufs Eis gehen und kämpfen. Sie sind auch während einer Verletzung ein wichtiger Teil des Teams. Die ganze Situation macht uns nur stärker, das schweisst uns zusammen.»

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