Am Ende des Spiels standen sie alle da, auf der blauen Linie, gegenüberstehend die geschlagenen Spieler des SC Langenthal. An der Best-Player-Ehrung darf, ja kann, nur ein Name fallen: Torhüter Simon Rytz wird zum Oltner Mann des Spiels erkoren. Seine Mitspieler gratulieren ihm noch ausgelassener, als dies sonst bei nüchternen Best-Player-Ehrungen der Fall ist.

Kein Wunder: Der Oltner Schlussmann legte noch einmal eine Schippe auf seine gewohnt starke Leistung drauf und war beim 2:1-Auswärtssieg gegen den Erzrivalen Langenthal überragend. Simon Rytz stach zweifellos aus dem Kollektiv der Oltner Truppe hervor.

42:27 lautete auf der Endabrechnung das Schussverhältnis zugunsten der Langenthaler. Interessant: Die SC-Langenthal-Statistiker hatten insgesamt nicht weniger als 80 grundsätzliche Schussabgaben ihrer Spieler erfasst.  Nur rund die Hälfte davon kam also auf das Oltner Tor geflogen.

Es ist auch eine beeindruckende Zahl, die für die Oltner Defensive spricht. Man war sich für nichts zu schade, in jene rund 40 Schüsse zu liegen, diese zu blockieren, die nie den Weg bis zu Simon Rytz fanden.

Die Wunderparaden

Der EHCO-Torhüter muss nach Spielschluss schmunzeln, als er die Statistik zu hören bekommt und meint ziemlich trocken: «Ja, ich hatte sicher genug zu tun», sagt Rytz und analysiert: «Manchmal ist es besser, viel Arbeit zu haben, um so richtig ins Spiel zu finden. Es war ein gutes Spiel, aber wir brauchten mit den Latten- und Pfostenschüssen auch etwas Glück. Doch das gehört zu einem solchen Spiel dazu.»

Glück beanspruchte der EHCO – vor allem im Schlussabschnitt – gleich im Minutentakt. Zu erwähnen gilt es insbesondere zwei Szenen, in welchen Simon Rytz mit Wunderparaden mirakulös sein Team im Spiel hielt: Erst kratzte er die Scheibe nach einem Hechtsprung mit dem Fanghandschuh von der Linie (31.), später brachte er SCL-Topskorer Brent Kelly mit einem ausgefahrenen Beinschoner zur Verzweiflung (52.). Die Schiedsrichter brauchten in beiden Situationen die Bilder der Hintertorkamera, um die Gewissheit zu haben, dass der Puck tatsächlich nicht hinter der Linie war.

Fünfeinhalb Minuten vor Spielende war es dann doch geschehen: SCL-Ausländer Kim Karlsson, Ersatz für den verletzten Jeff Campbell, hatte nach einem Gewühl vor dem Oltner Tor die Scheibe hineingestochert und mit seinem 1:2-Anschlusstreffer für nervenaufreibende Schlussminuten gesorgt. In diesen verlor dann auch der sonst fokussierte, ruhig wirkende Simon Rytz die Nerven und wies seine Vorderleute auf die grundlegenden Sachen hin. «Wir hatten zu viele Scheibenverluste und gaben zu viel her. Ich wollte damit das Team aufrütteln. Ein Weckruf, der gut gemeint war», begründete Rytz. Und vor allem zu nützen schien: Der EHCO brachte die Führung über die Zeit und siegte schlussendlich glücklich, aber dennoch nicht unverdient.

Nicht unverdient, weil die Oltner zuvor ein abgeklärtes Spiel zeigten und mit Erfolg darauf bedacht waren, einfaches, fehlerloses Aufbauspiel auf das Eis zu bringen und gleichzeitig in der Offensive die erspielten Chancen effizient auszunutzen. «Wir wollten uns nicht auf Kunststücke einlassen und hatten unser Positionsspiel sehr gut im Griff. Das ist uns geglückt. Wir spielten gradlinig und simpel», bilanzierte Verteidiger Simon Barbero, der neben Rouiller einmal mehr zu den Besten gehörte.

Effizient zeigten sich die Oltner bereits früh. Jewgeni Schirjajews Führungstreffer war besonders sehenswert, weil gleich alle fünf EHCO-Spieler ihren Stock im Spiel hatten. Rouiller hatte auf Pass von McClement den freistehenden Torschützen im Slot gesehen, der SCL-Torhüter Mathis über der Fanghand erwischte (7.).

Und auch das Tor von Marco Truttmann war sehenswert, das nach einem überzeugenden Überzahlspiel der Oltner zustande kam. Just als die Strafe abgesessen war, staubte der aufstrebende Oltner Stürmer seinen eigenen Schuss nach einem Abpraller volley ab. Es war das gewinnbringende zweite EHCO-Tor (24.).

Selbstvertrauen: 9-Punkte-Woche

Wer am vergangenen Montag behauptet hätte, der EHCO weise heute neun Zähler mehr auf dem Konto auf, wäre wohl eher kritisch angesehen worden. Doch Olten hatte in der vergangenen Woche in sämtlichen Spielen – Ajoie, Visp und Langenthal – die Oberhand behalten und damit die Verfolger auf Abstand gehalten. Mit dem 2:1-Sieg gegen Langenthal nimmt der EHCO wieder Platz zwei inne, auf den fünften Platz weist man bereits 13 Punkte Vorsprung aus. Doch die nächsten Stolpersteine mit Thurgau (Mi.) und EVZ Academy (Fr.) stehen bereits an. Simon Barbero: «Das war eine sehr gute Woche, die uns Selbstvertrauen gibt. Aber wir dürfen nicht nachlassen.»