Fussball

Eine emotionale Lehrstunde für den FC Solothurn

Nach kuriosem Doppel-Gelb innert weniger Sekunden gegen Waylon Grosjean musste der FC Solothurn fast eine Stunde zu zehnt gegen Zug ran. Trotzdem wäre am Schluss mehr als eine 1:2-Niederlage verdient gewesen.

Emotion ist ein psychophysiologisches Phänomen – oder einfach gesagt: Wenn etwas geschieht, dass mich im Innersten trifft, dann können Dinge geschehen, die im Normalfall nie und nimmer möglich wären. Gutes und Schlechtes notabene. Man kennt Fälle von Müttern, die plötzlich alleine Autos anheben, um ihr darunterliegendes Kind zu retten. Andererseits kennen viele die Angst vor der Prüfung, wenn man vor Herjesses auf der ID nachschauen muss, wie man eigentlich heisst.

Insofern hat der FC Solothurn gegen Zug 94 emotional verloren. Beiden Gegentreffern der Gastgeber zum 1:2 ging ein bewegender Augenblick voraus, von dem man sich nicht rechtzeitig eingekriegt hat. In der 37. Minute musste Verteidiger Grosjean vom Platz. Dies nach zwei vermeintlichen Hands innerhalb von knapp zwei Minuten. «Eines hätte man noch geben können, aber das andere…», hielt FCS-Coach Aziz Sayilir später fest. Fünf Minuten nach dieser umstrittenen Szene lag der Ball im Tor der Gastgeber.

FC Solothurn wehrt sich gegen die Niederlage

Vorausgegangen war dem 0:1 ein stinknormaler Eckball. «Wir waren mental noch nicht parat und haben einen Moment lang die Konzentration verloren», beschrieb Sayilir die Szene. Innerlich waren die Rotweissen der Aktion 300 Sekunden zuvor wegen noch mit dem Schiri am Hadern,

Nur noch zu zehnt liessen sich die jungen FCS-ler in Umgang zwei indes keine Sekunde an die Wand spielen. «In der Pause hat man Zeit, die Gedanken zu sortieren und den Jungs aufzeigen, was immer noch möglich ist. Auch zu neunt kann man schliesslich sehr gut verteidigen», so Sayilir. Derlei nahm der «Film» auf dem Grün eine unerwartete Richtungsänderung. Hatten die Gäste im Verlauf der ersten 45 Minuten noch mehr Spielanteile, waren es jetzt die Solothurner, die viel mehr liefen, kämpften und wollten und so trotz numerischer Unterlegenheit Regie führten.

«Man hat gar nicht gemerkt, dass wir in Unterzahl sind», konstatierte Sayilir zu Recht. Und auch an Chancen zum Ausgleich fehlte es dem Heimteam nicht. Captain DuBuisson etwa tauchte in der 66. Minute plötzlich solo in der Zuger Strafraum-Ecke auf. Der Zug-Goalie indes blieb Sieger dieses Tête-é-têtes. Knapp zehn Minuten später klappte es dann aber: Nach einem scharfen, und in diesem Sinn nicht ganz gewöhnlichen, Eckballs landete die Kugel praktisch im Direktflug auf dem Fuss von Loris Lüthi. Dieser hatte so null Problem, in der 75., Minute das 1:1 zu buchen. Wieder ein emotionaler Moment – diesmal freilich vis-à-vis dem Ersten ein positiver.

Starke Leistung schlecht belohnt

Waren die Solothurner bei Gegentor 1 innerlich noch mit dem Schiedsrichter am Bellen, so waren sie diesmal noch am Feiern, als es einschlug. Es dauerte keine drei Minuten, ehe die Gäste nach einem Ballverlust des jungen Veronica 25 m vor dem eigenen Tor erneut in Führung gingen. Sulejmani liess sich nicht zweimal bitten und pflanzte den Ball zum 1:2. Dabei blieb es. Ein summa summarum mieser Lohn für eine stark und beherzt kämpfende Heim-Elf. «Ich habe immer daran geglaubt, dass wir noch einen Punkt holen. Sogar an den Sieg habe ich geglaubt, noch ehe der Ausgleich fiel. Leider hat es nicht geklappt», sagte einsichtlich enttäuschter Aziz Sayilir. Verdient wären Punkte gewesen.

So aber bleibt die vierte Saisonniederlage für den FC Solothurn – die Vierte mit einem Tor unterschied. «Keine dieser Pleiten war zwingend», so Sayilir. Einmal aber werde sich das Blatt wenden, davon sei er überzeugt. Spätestens dann, wenn man nach emotionalen Abflügen wie im Spiel gegen Zug und wie sie in jedem Match vorkommen können und sollen, blitzschnell wieder zur Landung auf dem Boden des Alltags aufsetzen kann.

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