Unihockey NLA

Eine Ära geht zu Ende

Unfreiwilliger Abgang: Erfolgstrainer Thomas Berger. Marcel Bieri

Unfreiwilliger Abgang: Erfolgstrainer Thomas Berger. Marcel Bieri

Paukenschlag bei Serien Meister SV Wiler-Ersigen: Die Emmentaler verlängern den Vertrag mit ihrem Erfolgstrainer Thomas Berger nicht. Ob er die Saison beendet, hängt von seiner Reaktion ab.

Der Meistermacher muss Ende Saison gehen. Damit geht eine Ära zu Ende, die ihresgleichen sucht. Auf die Saison 2003/04 übernimmt Thomas Berger (42) aus dem bündnerischen Jenis den SV Wiler-Ersigen. Er führt die Emmentaler in sieben Jahren zu sechs Meistertiteln, einem Cup-Sieg und gewinnt 2005 sogar den Europacup.

Und in der noch laufenden Saison besitzt Wiler gute Chancen auf das Double. Damit löst der Szenendominator den Vertrag mit dem zweifellos besten Trainer des Landes auf. Mit dem Mann, der den SV Wiler-Ersigen zum Überflieger, zur unbestrittenen Nummer 1 gemacht hat.

«Ich habe gespürt, dass der Zeitpunkt dafür gekommen ist», sagt Wiler-Sportchef Marcel Siegenthaler und führt aus: «Die nächste Saison wäre sonst ganz mühsam geworden.» Einige Leistungsträger seien öfter nicht der gleichen Meinung wie der Trainer. Und Perfektionist Berger fordere von seinen Spielern immer noch den gleichen grossen Einsatz wie zu Beginn seiner Amtszeit. «Aber das Team ist verständlicherweise nicht mehr in jedem Training und in jeder Partie gleich motiviert wie noch vor fünf Jahren», sagt Siegenthaler.

«Der grosse Erfolgshunger ist naturgemäss weg, eine gewisse Sättigung innerhalb der Mannschaft aber auch im ganzen Vereinsumfeld ist eingetreten.» Der Serienmeister möchte den Startrainer aber weiterhin in seinen Reihen halten. Er erhielt ein Angebot für eine Führungsfunktion im Nachwuchsbereich. Bis Anfang Februar erwartet Siegenthaler Bergers Entscheidung.

Perfektionist mit Ecken und Kanten

Thomas Berger ist ein Perfektionist, er ordnet dem Erfolg alles unter. Seine Qualitäten sind unbestritten. Er leistet bei Wiler auch im Nachwuchs-Bereich eindrückliche Arbeit. Immer wieder bringt er grosse Talente heraus, die nahtlos in der ersten Mannschaft Fuss fassen. Der Bündner ist aber auch ein kauziger Typ, einer mit Ecken und Kanten. Nicht alle Spieler mögen ihn. Zu den Medien pflegt er ein angespanntes Verhältnis. Nach Niederlagen verweigert er Interviews. Er verweist die Journalisten für Gespräche an seine Spieler. «Die stehen ja auf dem Feld, nicht ich.» Auf den vielen Siegerfotos ist er nie zu sehen. «Das ist der Moment des Teams.»

Und nun wird sein Vertrag nicht verlängert. Für den sensiblen Berger ein harter Schlag. «Seine Motivation ist auf dem Nullpunkt. Wir müssen jetzt schauen, dass er am Samstag gegen Rychenberg wieder an der Bande steht», sagt Siegenthaler. Der Sportchef wird am Samstag nach Winterthur reisen, um seinen Trainer beim Auswärtsspiel genau zu beobachten. «Sollte das nicht zu meiner Zufriedenheit ausfallen, müsste ich reagieren.» Über einen Nachfolger will er erst sprechen, wenn sich Berger betreffend Nachwuchs-Angebot entschieden hat.

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