Swiss League
Ein wilder Achterbahnfahrer: Wie sich Alban Rexha zum Eishockeyprofi zurückkämpfte

NLA-Stammspieler, U20-WM, Abstieg, Aufstieg, Kreuzbandriss: Alban Rexha hat in seiner Karriere schon viel erlebt – jetzt will der 26-Jährige seine Chance beim EHCO packen und legt einen fulminanten Saisonstart hin.

Silvan Hartmann
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Stürmer Alban Rexha. Freshfocus

Stürmer Alban Rexha. Freshfocus

Marc Schumacher/freshfocus

Alban Rexha reagiert im Spiel gegen Winterthur auf einen Abpraller von EHCO-Torhüter Mischler am schnellsten, eröffnet blitzschnell in Unterzahl agierend den Gegenangriff, kombiniert sich mit Bryce Gervais mit Doppelpässen durch die Winterthurer Abwehr hindurch, worauf das Duo den Konter zur Führung verwertet – ganz schön frech, ganz schön spektakulär.

Die Szene widerspiegelt die aktuelle Verfassung des EHCO-Stürmers gut: Zwei Spiele, drei Skorerpunkte – keiner in Grün-Weiss hat derweil mehr Punkte pro Spiel ergattert als Alban Rexha. «Ja, es läuft mir so weit gut. Ich habe einen guten Aufbau hinter mir und fühle mich wohl auf dem Eis», sagt Rexha darauf angesprochen und fügt hinzu: «Ich versuche, ein mannschaftsdienlicher Spieler zu sein, der aber auch defensiv und offensiv etwas bewirken kann. Das ist mir so weit ganz ordentlich gelungen», ist er zufrieden.

Dabei hatte Alban Rexha keine einfache Vorbereitung mit dem EHC Olten. Inmitten der Preseason verletzt er sich, verpasst die beiden Langenthal-Derbys zum Saisonstart sowie das Cupspiel in Thun, ehe er gegen die Ticino Rockets und Winterthur doch noch zum persönlich fulminanten Saisonstart ansetzt.

Alban Rexha als U20-Nationalspieler im Jahr 2011

Alban Rexha als U20-Nationalspieler im Jahr 2011

freshfocus

Der Geschichteschreiber

Auch die neuerliche Verletzung aus der Vorbereitung kann der bald 26-Jährige in sein schon dickes Eishockey-Karrierebuch ablegen. Dieses Buch mit zahlreichen Geschichten ist zweifellos unvergleichlich. Bereits als Junior kommt der talentierte Alban Rexha bei den SCL Tigers im Alter von 18 Jahren zu Einsätzen – und erzielt am 2. Oktober 2010 gegen Ambri seinen ersten NLA-Treffer. Er schreibt damit Eishockeygeschichte: Als erster Spieler mit kosovarischen Wurzeln schiesst er ein Tor in der höchsten Schweizer Eishockeyliga. Auch die Boulevard-Presse springt auf, feiert den Sohn eines Kosovaren als nächstes hoffnungsvolles Nationalteam-Talent ab und lichtet Rexha im Schweizer Eishockeydress und mit einer kosovarischen Fahne ab.

Alban Rexha etabliert sich in der Folge in Langnau, darf mit der Schweizer Nationalmannschaft an die U20-WM, absolviert in Langnau zwei solide Saisons. Es ist der Startschuss einer verrückten, wilden Achterbahnfahrt. Inmitten seiner Blütezeit kämpft Alban Rexha mit seinem Stammverein gegen den Abstieg, den auch er im Jahr 2013 nicht verhindern kann. «Eine schwierige Zeit. Aber ich konnte viel daraus lernen. Im Nachhinein muss ich mir aber wohl eingestehen, dass es damals als Junior etwas zu steil, zu schnell für mich nach oben ging», reflektiert der im Emmental aufgewachsene Rexha heute.

Neustart in der MySports-League

Nach dem Abstieg in die NLB kommt es im Sommertraining zur Saison 13/14 zum Desaster: Wenige Wochen vor Saisonstart reisst sich Alban Rexha das Kreuzband, kommt erst Ende Januar zu Teileinsätzen. Zwar kann er als Viertlinienstürmer den Wiederaufstieg mit den SCL Tigers feiern, so richtig durchsetzen vermag er sich dabei aber nicht mehr. Eine lange Leidenszeit beginnt. Er findet den Anschluss an sein bewährtes Niveau aus NLA-Zeiten nicht mehr. In Martigny erlebt er eine schwierige Zeit rund um einen insolventen Klub. «Das war verrückt. Der Lohn kam nicht mehr, das Team funktionierte nicht mehr. Man ist selber im Ungewissen, wie es weitergeht.»

Er entscheidet sich dazu, noch eine Liga tiefer zu gehen, geht auf ein Engagement bei MySports-League-Vertreter EHC Chur ein. «Es war schwierig, sich quasi einzugestehen, dass man das Profieishockey hinten anstellen muss», sagt Rexha rückblickend. In Chur erlangt er endlich sein längst verloren gegangenes Selbstvertrauen zurück, verbucht in 20 Spielen 36 Punkte (!). Alban Rexha war fortan wieder zu Höherem berufen, schnupperte beim EHC Olten bereits in den vergangenen Playoffs wieder professionell Eishockeyluft und gehört nun fix zum EHCO-Kader. «Ich bin dem Klub unendlich dankbar, dass sie mir die Chance bieten, wieder professionell Eishockey zu spielen. Ich unternehme alles Mögliche, dass ich diesen Traum weiterleben darf», sagt Rexha, der im Sommer mit seiner Freundin ins Bornfeld-Quartier nach Olten zog.

Die wilde Achterbahnfahrt von Alban Rexha, sie kann auch gerne beim EHCO weitergehen, steil nach oben: «Es wird eine grosse Herausforderung, in dieser Liga Meister zu werden. Aber Olten hat das Zeug dazu, dieses Ziel zu erreichen. Deswegen bin ich hierhergekommen. Deswegen kämpfe ich jeden Tag.»

Comeback von Eigenmann und Schneuwly, Huber verletzt, Heughebaert in Basel

Sowohl Verteidiger Daniel Eigenmann wie auch der langzeitverletzte Stürmer Cédric Schneuwly kehren heute Samstag gegen La Chaux-de-Fonds ins Kader zurück. Ursprünglich wäre bei Schneuwly geplant gewesen, dass er nach seiner Genesung der Hüftoperation von Anfang Mai noch einige Spiele beim Partnerteam EHC Basel in der MySports-League absolviert. Weil der EHCO aber nun einige Ausfälle im Sturm zu beklagen hat, gibt Schneuwly sein Comeback sogleich beim EHCO: «Er hat sehr gut trainiert, hat sämtliche Tests auf und neben dem Eis bestanden und hat auch von den Ärzten grünes Licht erhalten», sagt EHCO-Sportchef Marc Grieder. Hingegen fällt Stürmer Ueli Huber bis zu 14 Tage aus. Der Stürmer zog sich im Spiel gegen Winterthur eine leichte Hirnerschütterung zu. Auf gutem Weg der Besserung befindet sich Silvan Wyss, der mit einem Bruch in der Hand ausfiel. Er ist rekonvaleszent, trägt derzeit eine Schiene und dürfte in absehbarer Zeit sein Comeback geben. Heute nicht dabei ist zudem Stéphane Heughebaert. Der zum Verteidiger umfunktionierte Spieler steht mit Basel im Einsatz. (sha)

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