Eishockey
Ein Subinger konnte in Kanada vor 12 000 Zuschauern spielen

Der 12-jährige Yanick Stampfli hat die Schweiz an der inoffiziellen U13-Weltmeisterschaft in Québec vertreten. Sein Vorbild ist Alexander Owetschkin.

Michael Schenk
Drucken
Teilen
Vielleicht wird aus Yanick Stampfli dereinst «The great Eighteen».

Vielleicht wird aus Yanick Stampfli dereinst «The great Eighteen».

Michael Schenk

Obwohl sich vis-à-vis seiner Haustür ein Fussballplatz befindet, sorgt der bald 13-jährige Yanick Stampfli im Eishockey für Furore. «Er war immer schon ein Bewegungsmensch», sagt seine Mutter. Der örtliche FC indes befand seinerzeit, dass der Junge, als ihn seine Eltern zum Kicken schicken wollten, mit 5-jährige noch zu jung sei. Ergo trat der Solothurn dem EHC Zuchwil Regio bei. «Eishockey kann man spielen, sobald man nicht mehr in die Hosen macht», hält Vater Thomas fest.

Er muss es wissen – schliesslich war er auch Hockeyler und brachte es als Goalie bis auf NLA-Niveau in Reihen des EHC Olten. Die ersten Gehversuche mit seinem Sohn auf dem glitschigen Untergrund sorgen freilich noch heute für Schweissausbrüche beim Papa. «Yanick wollte nur Schneebälle schmeissen und auf dem Eis ‹rumtrölen› – ich bin fast durchgedreht», erinnert er sich lächelnd. Doch dann, plötzlich, hat der Karriere-Schnellzug des jungen Stürmer Fahrt aufgenommen. Und wie.

In Notizbücher gespielt

Heute spielt Yanick Stampfli beim EHC Biel. Noch im Moskito-Alter trainiert und spielt der schussstarke Nachwuchsakteur bereits eine Stufe höher bei den Mini-Novizen. Vater Thomas ist Trainer in Biel und wird nächste Saison die Mannschaft mitcoachen, in der sein Sohn spielt. Von Privilegien kann indes keine Rede sein. Die hat Yanick auch gar nicht nötig. Am Pee Wee Turnier in Québec, der inoffiziellen U13-WM, hat der Subinger zuletzt mit seiner Spielübersicht und seinem Torriecher auf sich aufmerksam gemacht. Wer weiss, vielleicht steht sein Name schon im Notizbuch seiner NHL-Lieblingsvereine Washington Capitols und Detroit Red Wings. «Die NHL ist mein Traum», sagt Yanick.

Vorher aber, insistiert die Mutter, gelte es nach der Schule noch eine Lehre zu machen. Das KV vielleicht. «Man weiss ja nie, wie sich die Karriere entwickelt», weiss die Mama. Ergo besucht der talentierte Hockeyaner die Sportschule Rittermatte in Biel. So lange die schulischen Leistungen da stimmen, kommt Yanick zu drei zusätzlichen Fördertrainings mit dem Elite-Nachwuchs der Seeländer. Der Aufwand mit rund elf Trainingsstunden und zwei Spielen pro Woche plus Reisezeit und Schule ist sehr gross. «Aber verleidet ist es mir noch nie, gar nicht», sagt Yanick.

Und so lange er Tore am Laufmeter produziert, so wie sein grosses Vorbild Alexander Owetschkin, Superstar der Capitols, kann der Motivation nichts passieren. Ein grosses Engagement, das die ganz Familie mitträgt und involviert – auch Yanicks grosse Schwester Michelle. «Sie muss auf viel verzichten, zeigt aber sehr viel Verständnis. Dafür sind wir ihr sehr dankbar», hält Mutter Sandra fest.

11 Spiele in 13 Tagen

Die 13-tägige Reise nach Québec war für Yanick Stampfli der bisherige Höhepunkt seiner Karriere. Kunststück, wer kann in diesem Alter schon vor 12 000 Menschen in einem hochmodernen Stadion spielen, dem Colisée Pepsi. Elf Spiele haben die jungen Schweizer in den 13 Tagen in Kanada absolviert – wohlverstanden, nicht über die volle Zeit von 60 Minuten. Drei Matches gab es anlässlich des Turniers, wo es dem Team von Yanick Stampfli bis in den Achtelfinal gereicht hat. Indiesem war dann gegen die Connecticut Yankees nach Penaltyschiessen Schluss. Dass er seinen Penalty in diesem Match versemmelt hat, ärgert den ehrgeizigen Subinger.

Zuvor war er es allerdings, der per Weitschuss das 2:2 erzielte und seiner Equipe so überhaupt das Penaltyschiessen erst ermöglicht hatte. Sieben weitere Partien hat die helvetische Auswahl als sogenannte Exhibition Games zwecks Sammlung von Erfahrung gegen Konkurrenz aus der ganzen Eishockeywelt absolviert. Unter anderem gegen die New York Rangers, Detroit Red Wings und New Jersey Devils. Die Bilanz von 5 Siegen, 4 Niederlagen und 2 Unentschieden darf sich letztlich mehr als sehen lassen. «Es war ein super Erlebnis und cool, wenn es immer so wäre», sagt Yanick, der vom Betreuer- und Trainerstaff für seine Leistung in Québec beste Noten erhalten hat.

Der Flut von Impressionen noch randvoll, kann Yanick nicht sagen, was ihm am besten gefallen hat. Es war ein Erlebnis, dass er aber definitiv nicht vergessen wird. Eine prägende Begegnung, die auch dank finanzieller Unterstützung des lokalen Gewerbes, Freunden und Bekannten zustande gekommen ist. Dies, da der Verband auf dieser Stufe noch keine offizielle und entsprechen geförderte Nationalmannschaft führt. Indes eine Investition, die sich vielleicht einst mit Zins und Zinseszinsen refinanzieren wird. Owetschkin – „the great eight" – hat 2008 bei den Capitals einen Rekord-Vertrag über 13 Jahre und 124 Millionen US-Dollar unterschrieben.