Olten erarbeitete sich mehr viel versprechende Spielzüge und auch mehr Chancen; doch weil in den entscheidenden Sequenzen oft die letzte Präzision fehlte, schien Langenthal das bessere Ende für sich zu behalten. Dank ihrer Powerlinie mit Kelly und Campbell legten die Oberaargauer im ersten Drittel zwei Tore vor. Erst das 2:2 Cormiers in der 49. Minute brachte das Spiel zum Kippen und leitete die Wiederauferstehung der gebeutelten Oltner und deren 4:2-Sieg ein.

Tausende von Wunderkerzen

Zum Nena-Song «Wunder geschehen» leuchteten vor dem vierten Spiel Tausende von Wunderkerzen für Ronny Keller, der beim ersten Playoff- Halbfinal im Kleinholz so tragisch verunglückt war. Oltens Geschäftsführer Peter Rötheli versprach dem querschnittgelähmten Verteidiger und seiner Familie unterstützende Begleitung über Jahre. «Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.» EHCO-Verwaltungsratspräsident Benvenuto Savoldelli dankte den eigenen Fans für deren Verhalten am Freitag in Langenthal.

«Ich habe grossen Respekt dafür, dass ihr auch den Namen von Stefan Schnyder skandiert habt.» Aber kann Olten überhaupt die Kraft und Entschlossenheit aufbringen, um den amtierenden NLB- Meister nochmals ernsthaft zu fordern? Die Gastgeber beantworteten die bange Frage vieler einheimischer Zuschauer schon bald mit einem klar sichtbaren Willen. Doch wie die Fans (das erste «Hopp Oute» ertönte nach 4:30 Minuten) brauchten auch die Spieler eine Anlaufzeit, um zur bestmöglichen Normalität zu finden. Die beidseits ersten Powerplays zeigten an, dass sich die Akteure noch schwer taten, den Kopf bei der Sache zu halten.

Im Mitteldrittel bestimmend

Dann leistete sich Olten drei schwache Minuten in der Defensive, die Langenthal zur 2:0-Führung verhalfen. Tobler stoppte zwar zuerst noch einen Durchbruch Lemms und einen Abschluss von Tschannen. Doch danach war er gegen das 1:0 von SCL-Topscorer Kelly (18. Minute) machtlos und musste auch noch eine von Campbell (20.) über die Linie gedrückte Scheibe zulassen. So unbefriedigend das erste Drittel für Olten endete, so klar drückte es dem Mittelteil den Stempel auf. Wüst, Tschuor, Cormier und Marcon ernteten bis Halbzeit für ihre valablen Gelegenheiten noch keine Früchte. Als aber Di Pietro in Überzahl von der blauen Linie abdrückte, war Eichmann, dem wahrscheinlich die Sicht verdeckt war, das erste Mal geschlagen. Trotz des Anschlusstreffers konnte der EHCO bis ins Schlussdrittel hinein die Zweifel nicht zerstreuen, dass ihm die Spielwende noch gelingen könnte.

Das Tor, das alles änderte

Wie heikel die Serie im Zeichen von Kellers Unglück psychologisch zu handhaben ist, zeigte der letzte Abschnitt, in dem sich anfänglich nur der SCL gefährliche Schüsse notieren liess. Doch als Cormier, der den EHCO in Spiel 2 in der zweitletzten Sekunde in die Verlängerung gerettet hatte, aus dem Oltner Chancen-Nichts plötzlich mit dem 2:2 aufwartete, geriet die Partie aus den Fugen. Der Ausgleich war auch der Lohn für eine Umstellung von Oltens Chefcoach Beattie, der ab dem zweiten Drittel Wüst, den Passgeber zum 2:2, anstelle von Arnold in der Paradelinie laufen liess.

Nachdem Olten am Freitag einen 5:2-Vorsprung preisgegeben hatte, mussten diesmal die Berner Federn lassen. Sertich, der bisher nicht mit Durchschlagskraft glänzen konnte, erzielte im Powerplay aus rechter Position in der 55. Minute das herrlich herausgespielte 3:2. 93 Sekunden vor der letzten Sirene schlenzte Di Pietro den Puck sogar noch zum 4:2 unter das Gestänge von Eichmanns Tor.