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Ein Sieg, der keiner sein dürfte: Der EHC Olten bezwingt La Chaux-de-Fonds im Penaltyschiessen 3:2

Der EHC Olten kommt auch gegen La Chaux-de-Fonds zu keinem Dreipunkte-Heimsieg, sichert sich aber im Penaltyschiessen zwei äusserst schmeichelhafte Punkte – Haas: «Die Feineinstellungen sind noch nicht da.»

Silvan Hartmann
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Der EHC Olten punktet gegen La Chaux-de-Fonds.

Der EHC Olten punktet gegen La Chaux-de-Fonds.

Zur Verfügung gestellt

Hätte der Drei-Punkte-Heimsieg vor zweieinhalb Wochen gegen Winterthur (5:2) nicht stattgefunden, man müsste im EHCO-Tagebuch prompt 53 Tage (!) zurückblättern, um jenen letzten Heimsieg aufzufinden, der die vollen drei Punkte einbrachte (4:3 gegen EVZ Academy). Würde man noch weiter gehen und sogar nach dem letzten souveränen Heimsieg mit mehr als einem Tor Unterschied suchen, würde man am 1. Dezember fündig werden – in einer Eishockey-Saison nicht weniger als vier Wochen vor Playoffbeginn eine halbe Ewigkeit.

Nun, angesichts solcher Statistiken möge man vorschnell behaupten, der EHCO wäre auf das nicht zuletzt auch wirtschaftlich äusserst wichtige Playoff-Heimrecht gar nicht angewiesen. Diesen Eindruck erweckte der EHCO nämlich auch wieder vor den heimischen 3011 Zuschauern gegen das aufstrebende La Chaux-de-Fonds.

Denn es fehlte auch gegen die Neuenburger wiederum an so vielem, nicht aber am kämpferischen Einsatz bis zur letzten Sekunde, weshalb Olten in der Endabrechnung nach dem Penaltyschiessen doch noch als äusserst schmeichelhafter Sieger hervorging.

Ein Sieg, der eigentlich gar keiner sein dürfte. So mancher EHCO-Fan dürfte sich nämlich auf der Heimreise vor allem eine Frage gestellt haben: Wie um Gottes Willen lässt sich ein solches Spiel doch noch gewinnen?

EHCO-Stürmer Lukas Haas muss auf die entsprechende Frage schmunzeln und meint schulterzuckend: «Simon Rytz hat uns die Chance gegeben, überhaupt im Spiel zu bleiben. Es hat dann jedem ’Klick’ gemacht, dass wir mehr machen müssen. Aber die Feineinstellungen sind einfach noch nicht da. Wir waren plötzlich in ein Riesenloch gefallen und haben einander nicht mehr geholfen. Das müssen wir verbessern.»

Gütige Mithilfe der Neuenburger

Verbessern lässt sich indes im Oltner Spiel – vier Wochen vor Playoffbeginn – noch viel mehr. Das Spiel wurde auf einem technisch sowie taktisch denkbar bescheidenen Niveau ausgetragen, geprägt von vielen Scheibenverlusten und ungenauen Pässen.

Dabei startete der EHCO noch solide: Lukas Haas trocknete hinter dem Tor den baldigen EHCO-Verteidiger Daniel Eigenmann ab, spielte die Scheibe aus der Drehung vors Tor, vor welchem Brian Ihnacak nur noch zur Führung einzuschieben brauchte (4.; 1:0).

Es war nur eine kurze freudige Oltner Vorstellung, bauten die Dreitannenstädter doch stark ab. Auch der Ansatz, dass die Oltner grossen Wert auf gepflegte Defensivarbeit legen würden, war plötzlich wie weggeblasen.

Der EHCO zog ein Mitteldrittel ein, das einem kompletten Desaster glich. Man tat sich derart schwer mit dem intensivierten Pressingspiel der Neuenburger, dass man die eigenen grundlegenden Sachen vergessen liess. Es herrschte eine derart desolate Zuordnung in der Oltner Hintermannschaft, dass sich La Chaux-de-Fonds abermals genüsslich die Zeit nehmen konnte, um sich trotz numerischer Ausgeglichenheit festzusetzen.

Sinnbildlich dafür stand denn auch der 1:1-Ausgleichstreffer: Nach einem missratenen Befreiungsschlag von Chris Bagnoud war es Dan Weisskopf, der nur noch zu vollenden brauchte (26). Immerhin sprach für die Dreitannenstädter, dass man die schwachen 20 Minuten noch mit einem 0:2-Drittelsresultat relativ ansprechend über die Runde brachte (Topskorer Forget hatte das Spiel gewendet).

Im Schlussabschnitt hatte der EHCO wieder vermehrt hart erarbeitete Offensivaktionen zu verzeichnen. Fand man sich vor dem gegnerischen Tor wieder vor, suchte man aber den einen Pass zu viel und vertändelte abermals die Scheibe.

Es brauchte schliesslich die gütige Mithilfe der Neuenburger: Gleich zwei Mal spedierten sie die Scheibe unbedrängt aus dem Spielfeld, worauf Jay McClement im ersten der beiden Powerplays das Spiel ausglich (57.). Der EHCO hätte im darauffolgenden Überzahlspiel sogar noch die Chance gehabt, das Spiel nach 60 Minuten zu entscheiden.

Mäder verletzt

Dass dies aber zu viel des Guten gewesen wäre, wussten selbst auch die EHCO-Spieler, die sich nach dem Sieg im Penaltyschiessen (auf Ulmer, Schirjajew und McClement war Verlass) sitzend vor der EHCO-Kurve für die Unterstützung der Oltner Fans bedankten und sich feiern liessen.

Weniger dem Feiern zumute dürfte es Stefan Mäder sein. Der EHCO-Stürmer musste nach zwei Dritteln das Spiel vorzeitig beenden und wegen einer Oberkörperverletzung für weitere Abklärungen ins Spital. Ob und wie lange er ausfällt, ist noch unklar.

Immerhin wird bei Stürmer Stan Horansky mit einem Comeback in den nächsten fünf bis zehn Tagen gerechnet.

Der EHCO kam im Mitteldrittel permanent einen Schritt zu spät und war nach dem Ausgleich der Neuenburger komplett von der Rolle.
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Dominic Forget hätte nach einem Breakaway in Unterzahl beinahe den Ausgleich erzielt. Simon Rytz entschärft jedoch bravourös.
Da zappelt der Puck ein erstes Mal im Kasten von Tim Wolf: Nachdem Haas seinen Sturmpartner Ihnacak ideal bedient, netzt der Neo-Oltner zum Führungstreffer ein.

Der EHCO kam im Mitteldrittel permanent einen Schritt zu spät und war nach dem Ausgleich der Neuenburger komplett von der Rolle.

Joerg Oegerli

Lesen Sie das Spiel hier im Liveticker nach:

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