«Das ist unglaublich», jubelte Teamchef Michael Kroll nachdem er seinen Boliden, einen Mercedes-SLS AMG GT, als Erster über die Ziel-Line gesteuert hatte. «Keiner», so der Aargauer weiter, «hätte zu träumen gewagt, dass wir ganz oben auf dem Podest stehen.» Stattgefunden hat der Exploit des Schweizer Racing-Teams in Barcelona anlässlich der» 24-Stunden-Series» für Profis und Amateure.

Einer der vier Fahrer des Hofor-Racing Teams, die in der katalanischen Metropole ihren Stern am Kühlergrill zum Strahlen brachten, ist der Solothurner Roland Eggimann. «Es war einfach ein unbeschreiblich schönes Gefühl», erinnert sich der 41-jährige gelernte Automechaniker. Natürlich wäre der heute im Verkauf einer Zuchwiler Pneufirma tätige Recherswiler auch gerne am Steuer gesessen als die schwarz-weiss karierte Zielflagge für den Siegerwagen geschwenkt wurde. «Wer würde das nicht gerne», so Eggimann. Diese Ehre freilich gebührte dem Chef «himself».

Solothurner machen Flitzer flott

Als die Startnummer 4 des Hofor-Mercedes, die «nur» als Sechste ins Rennen gegangen war, auf dem Ranking-Board plötzlich auf Position 2 aufleuchtete, «habe ich schon ein spezielles Kribbeln gefühlt», gibt Eggimann zu. Wirklich geschlafen habe er folglich während seiner Erholungszeit dann nicht mehr. Erst recht nicht, als seine Truppe das Rennen plötzlich anführte. «Als ich da lag habe ich alle zwei Minuten das Geräusch des Wagens gehört.» Kunststück – er hat förmlich darauf gewartet. Noch waren da ja zehn Stunden zu fahren. Plötzlich wurden die Sekunden für die Schweizer Aussenseiter zu Stunden. «Da kann noch so viel passieren», hält Eggimann fest. Und prompt gab es plötzlich Probleme mit dem Getriebe.

Der wichtige 2. Gang des Flügeltürers spukte. Die strategische Führung des Teams, die ebenfalls in Solothurner Köpfen denkt, entschied eine defensive Taktik zu fahren. «Wir haben beschlossen, den 2. Gang einfach nicht mehr zu brauchen, statt einen zeitaufwendigen Getriebewechsel vorzunehmen», so Bruno Widmer. Zusammen mit Roland Zbinden führt Letzterer in Gerlafingen die Firma Widberg Motorsport. Die Power-Schrauber sorgen für Dampf unter der Haube. Das Duo ist mit seiner 10-köpfigen Belegschaft vor, während und nach den Rennen für alle technischen und taktischen Belange zuständig. Dies im Auftrag der jeweiligen Besitzer der kostspieligen Flitzer. Der Entscheid der Gerlafinger erwies sich als goldrichtig – die Hofor-Sternschnuppe kreuzte die Ziel-Linie letztlich mit zehn Runden Vorsprung.

Den Platz im Cockpit verdient

«Wenn es um die letzten Minuten geht und man in Führung liegt, steht man als Fahrer schon speziell unter Strom», sagt Roland Eggimann. Schliesslich will so kurz vor dem Triumph keiner mehr die Botanik oder Leitplanke küssen. Und doch kommt just dieses nicht selten vor. Nicht im Fall von Eggimann und seinen Kolleginnen und Kollegen. «Der Sieg ist ein wunderbarer Lohn für all den Aufwand und die Entbehrungen, die man für dieses Hobby während den Jahren auf sich nimmt.» Für gelebte Leidenschaft mit 550 PS also quasi. Und dies gelte nicht nur für ihn selber, sondern für die gesamte Crew.

Im Fall vom Rennen in Barcelona waren dies 35 Leute. «Ohne ein Topteam ist so ein Sieg an einem derart stark besetzten 24-Stunden-Rennen unmöglich», sagt Eggimann. Das fängt bei den «al dente» gekochten Vollkorn-Nudeln an und hört irgendwo beim Setting des 6,3-Liter-V8-Frontmittelmotors und sequenziellen Sechsgang-Renngetriebes mit integriertem Lamellen-Sperrdifferenzial auf.

Eggimann hat vor zehn Jahren als Mechaniker bei der Familie Kroll begonnen. «Damals habe ich vor allem den Wagen von Chantal Kroll gewartet», erinnert er sich. So sei er immer wieder auch zum Fahren der faszinierenden Boliden gekommen. Schliesslich bot ihm der Patron ein Cockpit an. Notabene – solche Plätze werden in Langstrecken-Rennen von Besitzern oft an Private oder Profis verkauft. Wer Lust hat, es selbst einmal zu versuchen und die nötige Lizenz besitzt, ist mit 25'000 Franken dabei – pro Rennen versteht sich.

Eggimann hat sich seinen Platz im Mercedes-Cockpit, das an jenes in einem Airbus erinnert, in dem Sinn verdient. Und – er verdient ihn sich noch heute. «Indem ich mich auch um administrative Angelegenheiten in Verbindung mit den Rennen kümmere und in gewisser Weise auch als Verbindungsglied zum Technischen Support wirke.» Nun: Beim Hofor-Racing-Team ist die Lust auf weiteren PS-Power-Prunk definitiv geweckt.