Kickboxen
Ein Oltner Goldjunge will in die höchsten Sphären

Kickboxer Jihed Hamami, The Golden Boy, kämpft am Samstag in der Oltner Stadthalle um den Weltmeistertitel.

Rebekka Balzarini
Merken
Drucken
Teilen
Jihed Hamami aus Olten.

Jihed Hamami aus Olten.

Rebekka Balzarini

Jihed Hamami ist auf dem Weg nach oben. In einer Sportart, in der gebrochenen Nase zum Alltag gehören. Kickboxen ist ein ehrlicher Sport. Wer zu wenig trainiert hat, bekommt das zu spüren. Mit 13 Jahren stand Hamami zum ersten Mal im Ring. Sein Gegner war doppelt so alt. Hamami gewann nach Punkten, und seither weiss er: Kämpfen, das kann ich. «Ich will von meinem Sport leben können», sagt er selbstbewusst. Dafür will der 20-Jährige in die höchste Liga seines Sportes aufsteigen: in die Glory World Series. Am Samstagqabend kann er seinem Ziel einen Schritt näher kommen. In der Stadthalle Olten verteidigt «The Golden Boy», der Goldjunge, seinen Weltmeistertitel.

Am Donnerstag in der Sports Bar in Olten: Noch zwei Tage bis zum Kampf. Jihed Hamami ist entspannt, nimmt einen Schluck Wasser. Auf den ersten Blick sieht man ihm den Kampfsportler nicht an. Er ist gross, schlank, freundlich. Und das Klischee des gewalttätigen Kickboxers nervt ihn. «Ich habe mich noch nie ausserhalb des Rings geprügelt», sagt er. «Wer das tut, der hat die Philosophie von Kampfsport nicht verstanden.»

Im Gegenteil: Echte Kampfsportler seien im Alltag ruhiger. Er selber kam durch seine beiden älteren Brüder zum Kickboxen. Zuvor machte er Kung-Fu und spielte Fussball, mit zehn Jahren ging er ab und zu auch ins Kickboxtraining. Das Fussballspielen liess er bald bleiben. «Ich trainiere lieber allein», sagt er.

Mit 15 an grossen Galas

Bald wurde klar: Jihed Hamami hat Talent. Schon mit 15 kämpfte er an grossen Galas. Es folgten Schweizer-Meister-, dann Europameistertitel. Und im letzten Jahr wurde er Weltmeister. Haben seine Eltern die Karriere in der harten Sportart unterstützt? Hamami zuckt die Schultern, lacht. «Also meine Mutter wusste gar nicht so, was ich mache. Sie dachte wohl, das ist so ein Light-Contact-Sport.»

Sein Vater habe ihn eher aktiv gefördert, ihn für das Training und gesunde Ernährung motiviert, sich mit ihm Boxkämpfe angeschaut. Bis heute hat er sich aber noch keinen Kampf von seinem Sohn live angesehen. «Ich glaube, er wäre viel zu nervös», sagt Hamami. Seine Mutter dagegen kam im letzten Jahr an einen seiner Wettkämpfe. Und als er vor wenigen Wochen in der Türkei kämpfte, sass sie daheim vor dem Bildschirm. «Da war sie schon stolz. Und seither schickt sie mich vor Wettkämpfen immer ins Bett, damit ich fit bin.»

Noch nicht zufrieden

Jihed Hamami ist trotz seiner Erfolge noch nicht zufrieden. Er will sich ganz nach oben arbeiten. Auf die Stufe der wenigen Schweizer Kickboxer, die von ihrem Sport leben können. Momentan arbeitet er noch Vollzeit als Magaziner. Für sein Ziel muss er viel investieren, er trainiert fast jeden Tag im Brothers Gym in Olten. Auch sein Talent reicht nämlich nicht aus, um ohne hartes Training zu gewinnen.

Das musste er schmerzhaft erfahren, als er vor zwei Jahren seinen Europameistertitel an einen Gegner aus Deutschland verlor. «Ich war dumm, ich hab gedacht, ich schaffe das locker», erinnert sich Hamami. Vor dem Wettkampf trainierte er nicht so fleissig wie sonst, ging kurz davor sogar in den Ausgang. «Das war übel. In er dritten Runde sah ich richtig blöd aus im Ring.» Er musste den Kampf abbrechen, verlor seinen Gürtel. Dafür lernte er eine wichtige Lektion: Ohne Disziplin in allen Lebensbereichen reicht es definitiv nicht bis an die Spitze.

Nach diesem Schlüsselerlebnis legte sich bei ihm ein Schalter um. Nach fünf Monaten holte er sich seinen Europameistertitel zurück, wenige Monate später wurde er Weltmeister. Den Gürtel gewann er in Olten, seiner Heimatstadt. Und hier muss er ihn auch verteidigen. Das sei schon etwas Besonderes. «In Olten bin ich daheim, da sind meine Freunde, meine Familie.» Den Heimvorteil hat er also auf seiner Seite, wenn er am Samstagabend gegen den Griechen Valentinos Kiriakidis kämpft.

Neben seinen vielen Kickbox-Trainings bleibt ihm nicht viel Zeit für anderes. Ab und zu spielt er noch Fussball. Und er reist gerne. «Ich würde am liebsten die ganze Welt sehen», sagt Jihed Hamami. Mit Trainingsdisziplin und Glück könnte er seine Hobbys bald verbinden: Kämpfe der Glory World Series werden weltweit ausgetragen.

Olten, Stadthalle Kleinholz, Samstag, 27. Mai 2017; Beginn der Kämpfe: 17 Uhr