Sein Bizeps hat den Umfang eines Oberschenkels, und nach einer Anstrengung drücken die Venen noch minutenlang unter der Haut hervor: Urs Auf der Maur sieht genau so aus, wie man sich einen Kraftsportler vorstellt. Er ist ein beeindruckender «Kasten». Die 99.8 Kilogramm Körpergewicht, die er sich während 25 Jahren intensivstem Training aufgebaut hat, scheinen zu 99.8 Prozent aus Muskeln zu bestehen.

Auf der Mauer setzt Tradition fort

Ohne einen Mucks zu machen, legt sich Auf der Maur im Wangener Salzhaus auf die Bank, führt die Stange auf seinen Brustkasten und drückt die aufgelegten 210 Kilogramm in die Höhe, bis die Arme durchgestreckt sind und die drei weissen Lampen leuchten, mit denen die Schiedsrichter anzeigen, dass es ein gültiger Versuch ist.

Es ist eine schöne Tradition geworden: Zum vierten Mal führte das «abc Fitness» die Schweizer Meisterschaften in Wangen an der Aare durch und zum vierten Mal darf sich Urs Auf der Maur aus Trachslau bei Einsiedeln als Schweizer Meister im Bankdrücken feiern lassen. Er tut das eher zurückhaltend, ohne grosse Jubelszenen, aber mit einem breiten Lachen auf den Lippen. Nach 6 Weltmeister- und 13 Europa-Meister-Titeln bringt ihn nichts mehr so schnell aus der Fassung. Selbst nach einem Bizepsabriss hat er sich wieder an die Spitze zurückgekämpft. «Nächstes Jahr will ich wieder an den Weltmeisterschaften mitmachen», sagt Urs Auf der Maur, und er darf sich erneut gute Chancen auf eine Medaille ausrechnen.

Bart statt Muskeln

«Der Altmeister ist dagegen kein Kleiderschrank». Hinter dem imposanten Bart, der noch mehr Aufmerksamkeit als seine stahlblauen Augen auf sich zieht, würde man keinen Kraftsportler vermuten. Der Bettlacher Marcel Ingold hat zwar für seine 66 Jahre einen beeindruckend durchtrainierten Körper, aber die Muskelpakete sind diskret. «Ich habe kürzlich alle Medaillen und Pokale auf einen Haufen gelegt und gezählt», erzählt Ingold, «in 42 Jahren sind es 348 Auszeichnungen geworden.» Jetzt sind es 350, denn in Wangen an der Aare wurde er noch einmal Schweizer Meister im Bankdrücken und im Kreuzheben seiner Gewichtsklasse.

Einer der ganz Grossen

«Es kommt nicht auf die Dicke der Muskeln an, sondern auf die Anzahl der Muskelfasern, die gleichzeitig aktiviert werden» erklärt Daniel Nutt das Geheimnis des Altmeisters, «ausserdem hat Marcel Ingold die beste Technik aller Teilnehmer. So wie er die Gewichte stemmt, das ist wie aus einem Lehrfilm fürs Bankdrücken.» Und Nutt, der zu den Organisatoren der Schweizer Meisterschaften gehört, weiss, wovon er spricht. Er war selber jahrelang einer der Besten der Welt, war dreifacher Weltmeister und stellte 2003 einen Weltrekord auf, der bis heute gilt.