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Ein Mann hat sein Glück gefunden

Réne Erlacher hat wieder allen Grund zum Lächeln.

Réne Erlacher hat wieder allen Grund zum Lächeln.

René Erlachner ht mit dem Erstligisten Breitenrain den Turnarround geschafft und grüsst inzwischen von der Tabellenspitze.

René Erlachner war am Tiefpunkt seiner Trainerkarriere angelangt. Bei seinem Stammverein FC Olten erlebte er in der vergangenen Spielzeit eine Horrorsaison, die im Abstieg in die regionale 2. Liga gipfelte.

Gründe dafür gab es viele, die grössten Probleme bereiteten aber sicher das Finanzchaos und die damit verbundenen zahlreichen Spielerabgänge während der Winterpause. Erlachner trat als Trainer zurück und wurde umgehend von Erst- und Challenge-Ligisten umworben.

Nachfolger gefunden

Es fanden auch Gespräche statt, überzeugt hat ihn aber keines der Angebote. Bis plötzlich ein E-Mail des FC Breitenrain auf Erlachners Computer landete.

Der Berner Quartierverein suchte nach dem Abgang von Adrian Kunz einen Nachfolger. «Sportchef Christoph Schöbi hatte das Gefühl, ich passe wegen meiner Vergangenheit beim Dorfklub Wangen bei Olten zu ihnen, und lud mich zu einem Treffen ein.» Als der 50-Jährige zum ersten Mal das uralte und unter Bauschutz stehende Klubhaus am Spitalacker besuchte, war er hin und weg. «Ich stand in der winzigen Spielerkabine und dachte einfach nur: geil!», sagt Erlachner.

Verein an Tabellenspitze

Er, der die Nestwärme laut eige-ner Aussage braucht, spürte sofort die familiäre Atmosphäre, die beim FC Breitenrain herrscht. Keine 15 Minuten später war das Engagement perfekt.

Zusätzlich überzeugt zum Schritt raus aus der Region Olten hat ihn seine Frau Margrith, mit der er vor 30 Jahren in seiner Zeit als Spieler von YB drei Jahre in Breitenrain lebte. Stand heute ist es eine Win-win-Situation. Der Klub steht punktgleich mit Schötz an der Tabellenspitze der 1.Liga Gruppe2, für René Erlachner ist Breitenrain «ein persönliches Highlight». Im Winter wird der bis Saisonende laufende Vertrag verlängert.

Die Voraussetzungen bei Breitenrain sind speziell. Das Kader weist im Vergleich mit den vorherigen Vereinen, die René Erlachner trainierte, ein überdurchschnittlich hohes geistiges Niveau auf. «Dort spielen Anwälte, Lehrer, Bankfachmänner, Studenten.

Alles gestandene Mannsbilder», sagt der Oltner. Das 17-köpfige Kader bildet eine verschworene Einheit. «Die Jungs kommen in der Kabine auf gut 10 Quadratmeter aneinander vorbei, trotz des Platzmangels entsteht nie Streit.» Er kam ins gemachte Nest.

Vor diesem Hintergrund ist Erlachner in Breitenrain mehr als Psychologe denn als Trainer gefragt. «Meine Aufgabe ist es, das gesamte Kader bei Laune zu halten. Das heisst, auch die Ersatzspieler zufriedenzustellen.» Ebenso wichtig sei es, die Hierarchie innerhalb des Teams zu mauern. «Wenn ein Junger einen Älteren ersetzt und wir gewinnen, spielt im nächsten Match trotzdem wieder
der Ältere.»

Spieler trainieren jetzt viermal die Woche

Als Neuer und Fremder brauchte es laut Erlachner eine gewisse Anlaufzeit, um sich die nötige Autorität zu sichern. «Gebrochen ist das Eis bei einem Mannschaftsabend in Magglingen, als wir um Mitternacht alle auf den Bänken standen und johlten.» Ab dann konnte er seine Ideen einbringen, zum Beispiel, dass vor den Spielen in der Kabine Rockmusik läuft und beim Einmarsch auf den Platz Polo Hofers Hit «Giggerig» aus den Lautsprechern dröhnt.

Auch konnte er die Spieler überzeugen, vier- statt nur dreimal wöchentlich zu trainieren. Einzig für ein Trainingslager in Winterpause hat er kein Gehör gefunden. Keiner wollte seine Ferien darangeben. «Dafür fliegen wir für
ein Wochenende nach Berlin. Unser Hauptsponsor hat wird die Kosten übernehmen.» Es ist offensichtlich: Ein Mann hat sein Glück gefunden.

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