Swiss League

Ein Last-Minute-Sieg, aber der Motor stottert: Der EHC Olten schlägt Visp nach dramatischer Schlussphase 4:2

Der EHC Olten schlägt mit grossem Siegeswillen den EHC Visp 4:2 – Matchwinner war Verteidiger Dan Weisskopf, der 16,5 Sekunden vor Schluss zum Sieg traf. Trainer Söderström hatte vor dem Spiel denkwürdige Massnahmen vollzogen, so entzog er Philipp Rytz kurzerhand das Captainamt.

«Wer findet aus dem Tief?», fragte sich der EHC Olten in der klubeigenen Vorschau vor dem Spiel gegen das nicht weniger taumelnde EHC Visp. Nun, die Antwort ist zumindest ansatzweise gefunden: Die Powermäuse. Und zwar auf äusserst spektakuläre Art und Weise: 16,5 Sekunden vor Schluss hatte Verteidiger Dan Weisskopf den siegbringenden 3:2-Treffer erzielen können, worauf Dion Knelsen mit der Schlusssirene noch zum 4:2 erhöhte.

Das Siegtor des EHC Olten im Video

Für das von Kampf und Krampf geprägte Spiel liess sich Trainer Fredrik Söderström einige denkwürdige und einschneidende Massnahmen überlegen: So entzog er etwa Philipp Rytz nach dessen Disziplinlosigkeiten der letzten Spiele kurzerhand das Captainamt, welches Assistent Dion Knelsen übernahm. Zusätzlich versetzte er den Verteidigungsminister in die vierte Verteidigerlinie.

Die Hintergründe dazu? Fredrik Söderström sagte nach dem Spiel: «Dieser Entscheid war vorerst mal für dieses Spiel. Ich schätze Phippu Rytz sehr, er ist ein grossartiger Mensch, der aber inakzeptable Fehler gemacht hat. Er weiss das und er entschuldigte sich. Ich wollte damit ein Statement setzen an die Jungs, dass solche Sachen nicht toleriert werden können. Ich denke, es ist angekommen.» Ob nun Philipp Rytz wieder das Captainamt übernimmt, ist noch unklar. Söderström: «Wir werden das diskutieren.»

Initialzündung dank Knelsens Powerplaytor

Angekommen bei den Spielern erscheint auch, dass es keine individuellen Fehler dulden mag, die auf simplen Unkonzentriertheiten basieren. Eine der umgesetzten Massnahmen Söderströms war die Umstellung in der ersten Powerplaylinie auf fünf Stürmer, sowohl Rytz wie auch Weisskopf flogen aus der Powerplaylinie. Wir erinnern uns: Dan Weisskopf stand mit seinem kapitalen Fehler gegen Sierre am Ursprung der 1:5-Niederlage.

Es vermag etwas Ironie des Schicksals sein, dass ausgerechnet er nun den Siegtreffer erzielte. Nach dem Spiel zeigte sich Weisskopf überglücklich: «Es tut gut. Ich habe mich nach dem Sierre-Match sehr schlecht gefühlt und sah mir zu Hause die Szene mehrmals an, aber solche Sachen gehören dazu.Ich freue mich auch fürs Team. Wir hatten uns gesagt: Jetzt ist fertig mit Ausreden suchen, wir müssen unser Eishockey spielen. Und ich denke, die Zuschauer haben den wahren EHC Olten gesehen.»

Doch um diesen wahren, kämpferischen EHC Olten zu sehen, brauchten die 1567 Zuschauer im Kleinholz viel Geduld. So zogen die Powermäuse einen denkbar schlechten Start ein: Visp-Ausländer Troy Josephs nutzte nach nur 71 Sekunden ein Missverständnis zwischen Torhüter Matthys und Verteidiger Nater mit der ersten Chance resolut aus.

Dem EHC Olten war in der Folge mangelnde Einsatzbereitschaft nicht zu unterstellen, doch trotzdem stotterte der Motor lange Zeit, weit über Spielhälfte hinaus, arg und heftig vor sich hin.

Es brauchte schliesslich ein Glückstor von Dion Knelsen, damit der EHCO so etwas wie eine Portion Selbstvertrauen wiederfand. Und: Dieses fiel im bislang miserablen Oltner Powerplay, ein Flatterschuss des Kanadiers rutschte Torhüter Rochow über den Fanghandschuh.

Der Ausgleichstreffer erwies sich als die viel gesuchte Initialzündung. Und mit dieser kam aufseiten der Oltner endlich auch das Überraschende, die für den Gegner nicht zu durchschauenden Spielzüge. Wie etwa beim 2:1-Führungstor, das wiederum im Powerplay fiel. Garry Nunn hatte den cleveren, überraschenden Pass auf Leonardo Fuhrer zentral vor dem Tor stehend gespielt, worauf dieser herrlich ins hohe Toreck traf.

Der EHC Olten liess mit der Führung im Rücken im Schlussabschnitt gefährlich nach und konzentrierte sich auf das Behaupten des Resultats. Fünf Minuten vor Schluss nutzte Troy Josephs einen Oltner Wechselfehler wiederum äusserst kaltblütig aus. Es ist dem EHC Olten mit stotterndem Motor zugutezuhalten, dass sie trotz dem 2:2-Ausgleich den Siegeswillen aufrecht hielten.

Silvan Wyss, der abermals für seine kämpferische Leistung Szenenapplaus einheimste, meinte nach dem Spiel: "Das war eine gute Leistung - vor allem in kämpferischer Hinsicht. Aber vor dem Tor müssen wir uns noch verbessern." Viele Abschlüsse hatte der EHC Olten nicht auf das Gehäuse gebracht.

So oder so: Der Ansatz zur Besserung ist da. Doch mit dem Knorzsieg gegen ein Krisen-Visp hat sich der EHC Olten noch nicht aus dem Tief gespielt. Da kommt der Test am Freitag auswärts im Derby in Langenthal doch gerade recht.

Lesen Sie den Spielverlauf hier im Liveticker nach:

Liveticker: Eishockey, Swiss League: EHC Olten - EHC Visp (20.10.20)

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