Eishockey
Ein Langenthaler kämpft in Übersee um seinen NHL-Traum

Viele träumen von einer Karriere in der NHL. Yannick Rathgeb, ehemaliger Junior von Langenthal und Captain der Schweizer U20-Nationalmannschaft, ist auf dem besten Weg, sein grosses Karriereziel zu erreichen.

Daniel Monnin
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Yannick Rathgeb an einem U20-Länderspiel in Zuchwil.

Yannick Rathgeb an einem U20-Länderspiel in Zuchwil.

Marcel Bieri

Den 3. Juli 2013 wird Yannick Rathgeb wohl kaum einmal vergessen, den 27. Juni 2014 hätte er sich aber auch anders vorstellen können. Im Juli 2013 wurde der Langenthaler im Import Draft der Canadian Hockey League in der 2. Runde an 113. Stelle von den Plymouth Whalers, einem Juniorenteam in der Nähe von Detroit, gezogen. Was von langer Hand vorbereitet wurde, kam gut: «Mein Agent Andy Rufener und ich standen schon vor dem Draft mit Plymouth in Verbindung, Andy kannte die Organisation, hatte er doch schon Dario Truttmann bei den Whalers untergebracht.»

Die Freude war gross, als es dann endlich so weit war und Rathgeb Ende August des letzten Jahres «in eine völlig neue Welt» zog und sich schon bald mit den Höhen und Tiefen seines neuen Lebens konfrontiert sah. So ganz nach Wunsch lief es Rathgeb in seinem ersten Jahr in der kanadischen Junioren-Liga nicht. Verschiedene Verletzungen machten ihm zu schaffen, das Selbstvertrauen fuhr bisweilen Rollercoaster und quasi als Negativhöhepunkt kassierte er auch noch zehn Spielsperren für einen Check gegen den Kopf. Eine Strafe, die er als «viel zu hart» taxiert, «gegen die man aber nichts machen kann».

Optimale Bedingungen

Dabei – so Rathgeb – «hätte ich es nicht besser haben können, meine Gastfamilie kümmert sich rührend um mich, mein Umfeld ist perfekt und nebenan wohnt eine Deutsche, mit der ich ab und zu auch mal Deutsch sprechen kann.» Auch das Team selber blieb nicht von Ups und Downs verschont. «Zehn Spiele ohne Sieg bringen dich dem Verzweifeln nahe, aber wir haben das Tief überwunden und uns – wie die letzten 22 Jahre – für die Playoffs qualifiziert.»

In der CHL ist so einiges anders als in den Schweizer Juniorenligen. «Man ist jeden Tag voll gefordert, egal ob man nun 20 Minuten oder zwei Stunden trainiert, verlangt wird immer Vollgas. Und die Konkurrenz schläft nicht, jeder will spielen, seinen Traum verwirklichen, das gibt dir zusätzliche Motivation in einem höchst professionellen Umfeld.»

Härtere Sitten

Drei bis vier Stunden täglich wird trainiert. Auf und neben dem Eis, Theorie und Praxis. Die Reisen mit dem Bus zu den Spielen in der kanadischen Umgebung dauern schon mal bis zu 13 Stunden. «Wir sind täglich in der Eishalle, bereits am Morgen.» Und am Abend ist es üblich, dass man sich beim Coach telefonisch meldet, sozusagen nach dem Motto: «Ich bin zu Hause.» Harte Sitten. «Ja und nein», sagt der smarte Verteidiger, «der Weg ist für jeden der Gleiche. Da ist es selbstverständlich, dass man dem Leben als Profi alles unterordnet.»

Nach der Saison ist vor der Saison, das weiss auch Rathgeb. Nach seiner Rückkehr im April in die Schweiz, dem Auskurieren einer Verletzung und einer Auszeit hat er das Sommertraining «unter besten Bedingungen» beim SC Langenthal absolviert. Bei jenem Club also, bei dem er eigentlich letzte Saison hätte spielen wollen, wäre da nicht der 3. Juli gewesen. Der 3. Juli, der so vieles verändert hat.

Enttäuschung und Blick nach vorne

Doch der nächste Schritt, der NHL-Draft am 27. Juni diesen Jahres wurde für den 18-Jährigen zur Enttäuschung. Sein Name wurde nicht gezogen, «ich war im ersten Augenblick wirklich enttäuscht, doch heute bin ich überzeugt, dass es für mich besser ist, wenn ich mich eine weitere Saison in der CHL beweisen kann, auf einem konstant hohen Niveau, ohne Verletzungen.»

Und auf dem Weg dorthin freut sich Rathgeb immer wieder, wenn er ein Aufgebot für die U20-Nati erhält, wie letzte Woche für das Vierländer-Turnier in Zuchwil. «Es ist halt immer wieder schön, mit den Jungs zusammen zu sein, die man von früher kennt.» Wenn er Ende August wieder in die USA fliegt, nimmt er ein gutes Gefühl mit und das Wissen, dass «diese Saison einiges auf dem Spiel steht».

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