Von einer Neuentdeckung sprach der Präsident von Swiss Athletics, Hansruedi Müller, auf dem Grenchenberg und meinte weder das Lauf-Bijou über die 12 km, garniert mit 800 Höhenmetern, noch die Leistung seines Schwiegersohns, den er mit seiner Tochter und der Enkelin betreute. Müller staunte über Jérémy Hunt. Er war nicht allein.

Nach 55 Minuten im Ziel

Leichtfüssig meisterte der erst 21-jährige Jurassier aus Porrentruy den anspruchsvollen Parcours. Nach 55:41 Minuten hatte er das Ziel auf dem Untergrenchenberg auf knapp 1300 m Höhe erreicht – unangefochten, alleine auf weiter Flur. Nur um sechs Sekunden blieb er damit über dem Streckenrekord. Hunt strahlte: «Die Topografie dieses Rennens ist zwar sehr anspruchsvoll, aber ich startete nicht zu forsch und konnte deshalb meinen Rhythmus wunschgemäss durchziehen.» Der Newcomer nutzte das Rennen als letzten Test auf die Schweizer Berglauf-Meisterschaft vom kommenden Wochenende im Tessin. «Ich bin bereit», freute er sich.

Strähls Bestätigung

Dasselbe Fazit ziehen konnte Martina Strähl. Die 26-jährige Berglauf-Spezialistin mit EM-Titeln und WM-Medaillen im Palmares, errang bereits ihren fünften Sieg am Grenchenberglauf. Und obwohl die Solothurnerin ihre eigene Bestmarke um 1:11 Minuten verfehlte, hatte sie nichts zu bemängeln: «Die anfängliche Skepsis wegen des schnellen Starts war rasch verflogen und ich freute mich über Superbeine.» Ohne Krise kam sie über die Distanz. Das Ziel erreichte sie nach nur neun schnelleren Männern nach 1:01:01 Stunden.

«Es geht aufwärts»

Zu sehen ist Strähls Leistung vor dem Hintergrund ihrer Verletzung. Von Januar bis Ende März musste sie wegen eines Ermüdungsbruches im Oberschenkel aussetzen oder sich mit alternativen Trainingsformen fordern. Jetzt sagt sie: «Es geht aufwärts.» Bereits wieder erfreut sie sich einer erstaunlichen Verfassung, obwohl sie nur drei Mal die Woche läuft und für die restlichen Einheiten aufs Velo steigt oder sich mit Cross Walking im Fitnessstudio fordert. Das Rennen lieferte ihr die gewünschte Bestätigung: «Ich konnte mit Läufern mitlaufen, die mir normalerweise enteilen», sagte sie. Dabei dachte sie etwa an den Innerschweizer Berglauf-Routinier Erwin Müller (8.).

Herzigs Verabschiedung

«Fürs erste letzte Wettkampf-Freuden» genoss Andreas Herzig mit seinem dritten Rang hinter Jérémy Hunt und Samir Baala (Fr). Der Baselbieter aus Liestal hatte sich erst am Renntagmorgen kurzfristig für die Teilnahme am Lauf entschieden. Wegen einer Knorpelabspaltung am Knie wird er zurückgebunden. «Ich bin immer mit einem komischen Gefühl unterwegs», sagt der OL- und Langstreckenspezialist. Das drückt auf die Moral. Das Streckenprofil des Grenchenberglaufs ermöglichte ihm aber ohne Lauftraining ein ansprechendes Resultat: «Jetzt können der Operationstermin und die lange Rehabilitation kommen», sagt er.