EHC Zuchwil Regio

Ein Jahr nach Tod ihres Mannes und Ehrenpräsidenten: «Ich werde auf Händen getragen»

Vizepräsidentin Brigitte Ulrich kann auch auf die volle Unterstützung von Sportchef Marc Pfister (links) und Headcoach Bruno Hebeisen zählen.

Vizepräsidentin Brigitte Ulrich kann auch auf die volle Unterstützung von Sportchef Marc Pfister (links) und Headcoach Bruno Hebeisen zählen.

Als Vizepräsidentin trägt Brigitte Ulrich seit einem Jahr und dem Tod ihres Mannes und Ehrenpräsidenten Walter Ulrich die Verantwortung beim EHC Zuchwil Regio. Sportlich läuft es rund, es winkt der zweite Aufstieg in Folge, doch der Vorstand könnte noch Unterstützung gebrauchen.

Zwei Tage nach dem Tod ihres Mannes Walter Ulrich, der rund zwanzig Jahre lang Präsident des EHC Zuchwil Regio war, stellte sich Brigitte Ulrich vor die erste Mannschaft. «Männer, es geht weiter. Wir ziehen das durch. So hätte es auch Walter gewollt», war ihre Ansage Anfang Januar 2019, also vor ziemlich genau einem Jahr. Ein paar Tage später bekam sie Besuch von Bruno Hebeisen, dem Cheftrainer der ersten Mannschaft, und Sportchef Marc Pfister. «Wir ziehen alle mit. Wo muss zuerst angepackt werden?», wollten diese von der Vizepräsidentin wissen.

Der Klub brauchte zu diesem Zeitpunkt dringend einen neuen Nachwuchschef, der in der Person von Stephan Grossenbacher schnell gefunden wurde. «Alle packten mit an, damit es irgendwie ging. Einige wurden ins kalte Wasser geworfen, aber wir haben uns gegenseitig immer unterstützt», blickt Brigitte Ulrich zurück. Am wichtigsten sei für sie gewesen, dass die erste Mannschaft und die Nachwuchsspieler möglichst wenig von den Veränderungen mitbekommen. «Dort muss es automatisch weiterlaufen», sagt sie. «Das hat auch gut geklappt. Wir haben alles unter Dach und Fach gebracht.»

Im Schnellzugtempo in die 2. Liga

Aus sportlicher Sicht hätten die letzten zwölf Monate kaum besser laufen können für «Zuchu». Nach dem freiwilligen Rückzug aus der 1. Liga Ende 2017/18 gewann das Fanionteam in der folgenden Saison sämtliche Spiele in der 4. Liga und schaffte den Aufstieg in die 3. Liga. Dort hat der EHCZR in der laufenden Saison wiederum kein Spiel verloren und die Promotion für die 2. Liga ist nur noch Formsache. «Diese Mannschaft macht mir sehr viel Freude», sagt Brigitte Ulrich.

«Dass es auch in der 3. Liga so eindeutig wird und wir kein Spiel verlieren, haben wir eigentlich nicht erwartet.» In den vergangenen dreissig Jahren hat sie praktisch keinen Match der ersten Mannschaft verpasst. Bei den Heimspielen trägt sie die Verantwortung über den Restaurantbetrieb und erledigt die Platzorganisation, steht während der Partie vorwiegend in der Buvette an der Kasse. «Ich sehe zwar nicht alles, was auf dem Feld passiert, aber ich höre immer alles», sagt sie.

«Bei den Auswärtsspielen dagegen kann ich einfach nur zuschauen.» Es sei denn, es ist zu spannend auf dem Eisfeld. «Noch vor Jahren habe ich mich teilweise so reingesteigert, dass ich fast Magenkrämpfe bekommen habe.» Das war noch zu Zeiten, als der EHC Zuchwil Regio regelmässig um den Amateur-Meistertitel in der 1. Liga mitspielte. «Heute bin ich nicht mehr so nervös, auch weil die Resultate stimmen.»

Vom Hauptsponsor zum Präsidenten

Mit Mitte zwanzig kamen Walter und Brigitte Ulrich am Ende der Siebzigerjahre aus dem Kanton Freiburg nach Lohn-­Ammannsegg, wo sie eine Garage eröffneten. «Obwohl wir niemanden kannten hier, hatten wir nie Probleme, die Kunden kamen sofort. Wir begannen mit einem Mitarbeiter und übergaben die Garage nach genau vierzig Jahren mit 18 Angestellten», sagt Brigitte Ulrich.

Eine der ersten Kundinnen war Verena Letzkus, die bereits damals als Kassierin beim EHC Zuchwil Regio amtete und dies heute immer noch tut. Sie suchte nach Sponsoren für den Klub und fragte bei Ulrichs an, die davor bereits die Fussballklubs von Post Solothurn und Biberist ­finanziell unterstützt hatten. «Wir machen es entweder richtig oder gar nicht, sagte Walter damals», erinnert sich Brigitte Ulrich.

Ehrenpräsident Walter Ulrich, der dem EHC Zuchwil Regio zwei Dekaden lang vorstand, verstarb am 3. Januar 2019.

Ehrenpräsident Walter Ulrich, der dem EHC Zuchwil Regio zwei Dekaden lang vorstand, verstarb am 3. Januar 2019.

So wurde die Garage W. Ulrich AG vor gut dreissig Jahren zum Hauptsponsor. «Obwohl wir beide nicht einmal Schlittschuhlaufen können», wirft sie ein und schildert weiter: «Walter war zuerst Präsident des Fanklubs und hat dann immer mehr Herzblut reingesteckt, bis er schliesslich Präsident des Klubs wurde.» Sie selbst wurde ebenfalls vom Hockey-Virus infiziert und begleitete ihren Mann auf Schritt und Tritt und unterstützte ihn in sämtlichen Bereichen.

Dieses Trikot in der Eishalle des Sportzentrums Zuchwil erinnert an den Ehrenpräsidenten Walter Ulrich.

Dieses Trikot in der Eishalle des Sportzentrums Zuchwil erinnert an den Ehrenpräsidenten Walter Ulrich.

Unter Präsident Walter Ulrich gewann der EHC Zuchwil Regio zweimal den Amateur-Meistertitel und wurde sechsmal Regionalmeister in der 1. Liga Zentralschweiz. «Diese Erfolge gehören sicherlich zu den schönsten Momenten, die ich in all den Jahren erleben durfte», sagt ­Brigitte Ulrich.

Jetzt, da der EHC Zuchwil Regio etwas kleinere Brötchen backt in der Regionalliga, sei es vor allem der familiäre Zusammenhalt im Klub, Brigitte Ulrich ihr viel zurückgebe. «Wir könnten es kaum besser haben, es ist wirklich wie eine Familie», sagt Brigitte Ulrich und meint damit einerseits den Staff der ersten Mannschaft um Trainer Bruno Hebeisen, Sportchef Marc Pfister, Betreuer Hansruedi Siegenthaler, Materialverwalter Peter Neuhaus, Statistiker René Dahinden und Markus Portmann, der für das Sommertraining verantwortlich zeichnet.

Und andererseits auch den Vorstand, der nebst der ­Vizepräsidentin selbst und Sportchef Pfister zusätzlich noch aus Nachwuchschef Stephan Grossenbacher, Kassierin Verena Letzkus sowie Aktuarin Sandra Biggeli besteht.

Der Vorstand sei momentan aber noch zu wenig breit aufgestellt, sagt sie: «Wir brauchen jemanden, der das Sponsoring betreut. Das läuft jetzt noch unter mir, es ist aber nicht mein Lieblingsfach und ich würde es nach so vielen Jahren gerne weitergeben.» Auch der Posten des Präsidenten soll bald neu besetzt werden.

«Es läuft zwar alles gut, aber es kann nicht die Zukunft sein», sagt Ulrich, «es ist viel Arbeit für wenige Personen und es wäre gut, wenn wieder jemand ganz zuoberst stehen würde.» Der neue Präsident oder die neue Präsidentin müsse nicht aus der Zuchwil-Regio-Familie stammen und auch kein Eishockey-Experte sein. «Es müsste jemand sein, der führen und leiten kann. Spezialisten haben wir in allen anderen Funktionen genug, die ihn unterstützen können. Er muss den Klub also nicht in- und auswendig kennen.»

Gesunde Basis und erfolgreiches Fanionteam

Brigitte Ulrich macht sich keine Sorgen, was die Zukunft Zuchwil Regios betrifft. Die Hockeyschule des Klubs stösst mit rund 80 eingeschriebenen Kindern auf grossen Anklang und bei den jüngsten Nachwuchsjahrgängen U9, U11, U13 und U15 können aus eigener Kraft Mannschaften gestellt werden. Auf den höheren Stufen arbeitet der EHC Zuchwil Regio eng mit dem EHC Olten, dem EHC Biel, dem SC Langenthal und dem SC Lyss zusammen. Das nächste Projekt ist ein Hockeycamp, das der Klub schon bald anbieten will.

Die erste Mannschaft absolviert heute Abend auswärts das zweitletzte Qualispiel und wird in der nächsten Saison wieder in der 2. Liga auflaufen. Zur Freude von Brigitte Ulrich. «Es sind alles sehr dankbare, offene und ehrliche Spieler, die ich sehr schätze. Und sie mich auch, das spüre ich. Es fällt mir schon auf, dass ich überall auf Händen getragen werde. Das tut gut und gibt mir Kraft.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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