EHC Olten
«Ein Honigtopf mit Löchern» – doch jetzt ist die finanzielle Situation eine andere

Ein Interviewtermin mit Benvenuto Savoldelli, dem neu gewählten Oltner Stadtrat, will gut geplant sein. Die freie Zeit beim umtriebigen Rechtsanwalt und Notar ist knapp, eine Besserung kaum in Sicht. Immerhin: «Im Moment nehme ich praktisch keine Mandate mehr an», sagter.

Michael Forster
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Auf Benvenuto Savoldelli wartet ab dem 1. August ein neues Amt: jenes des Stadtrats. hr. aeschbacher

Auf Benvenuto Savoldelli wartet ab dem 1. August ein neues Amt: jenes des Stadtrats. hr. aeschbacher

Hr. Aeschbacher

Wie verbringen Sie den 1. August, Ihren ersten Tag als Oltner Stadtrat? Halten
Sie eine Rede?

Benvenuto Savoldelli: Nein, ich bin gar nicht angefragt worden.

Noch nicht.

Nun, ich weiss gar nicht, ob ich dannzumal überhaupt hier bin, das weiss nur meine Frau.

Somit erübrigt sich die Frage, ob Sie der Nationalhymne mächtig sind.

Früher, an den Schulfesten, konnte ich sie immer auf dem Saxofon spielen. Aber singen könnte ich wohl nur die ersten zwei Strophen. Dafür könnte ich die italienische Hymne. Die mussten wir damals in der Primarschule jeden Morgen singen.

Mit der neuen Legislatur beginnt auch für Sie eine Phase, in welcher Sie noch mehr in der Öffentlichkeit stehen werden und erreichbar sein sollten. – Sie besitzen kein Natel.

Ich werde mir auch keines zulegen, jetzt erst recht nicht. Ich weiss, es haben viele Leute Mühe damit, dass ich teilweise schwer erreichbar bin. Ich versuche aber, mich nachträglich zu melden. Es müssen nicht immer alle auf Ihre Anliegen sofort eine Antwort haben.

Aber genau das wollen ja gerade alle.

Ich weiss, beim Beantworten der E-Mails bin ich auch nicht der Schnellste. Besonders bei jenen E-Mails, die ich, im ersten Augenblick, falsch oder zu aggressiv beantworten würde, warte ich jeweils lieber ein paar Stunden oder ein paar Tage zu. Es ist mir aufgefallen, dass viele Leute beim E-Mail schreiben einen viel aggressiveren Ton anschlagen als beim persönlichen Kontakt.

Martin Wey meinte, dass mit Ihnen ein bürgerlicher Kandidat für das Departement Finanzen zur Verfügung stehen würde.

Ich würde es gerne machen. Ob ich es am Ende bekomme, ist ein Entscheid der Gesamtregierung. Ich habe das Gefühl, es wäre auch die Chance, mit einem Neuen einen Neuanfang zu machen.

In welcher Beziehung?

Bis jetzt war es so, dass man einen Honigtopf mit Löchern hatte, aber es war noch immer genügend Honig vorhanden. Jetzt sehen die Finanzen nicht mehr so rosig aus, jetzt muss man sich auf die Kernaufgaben konzentrieren.

Und welche wären das?

Das liegt nicht an mir, die alleine zu bestimmen, das müsste zusammen mit dem Stadtrat geschehen. Es gibt sicher viele Sachen, die man hinterfragen müsste.

Ginge es nach einem Teil ihrer Wählerschaft, den Anhängern des EHC Olten, wäre es klar, wo Sie in Zukunft in Ihrem Schaffen die Prioritäten zu setzen hätten. Welche Möglichkeiten haben Sie?

Ich habe das immer betont: Ich kann und will nicht nur die Interessen des EHC Olten vertreten, sondern jene der ganzen Stadt. Dafür bin ich auch gewählt worden. Aber es wäre schon viel, wenn man sehen würde, wie wichtig der EHC Olten für die Stadt und die ganze Region ist, das hat mir in der Vergangenheit immer ein wenig gefehlt. Wie stiefmütterlich wir behandelt werden, sieht man am ganzen Umbau des Stadions. Und dass das auch einmal gesagt ist: Der EHC Olten kam seinen finanziellen Verpflichtungen in den letzten Jahren stets sehr gut nach, in jeder Beziehung.

Wie erlebten Sie die Inszenierung des Spatenstichs zur Stadionsanierung, wenngleich aus der Ferne?

Die Inszenierung erfolgte viel zu spät, da wurde schlecht geplant, man hat zwei Monate einfach so verstreichen lassen.

Die Situation scheint ein wenig zerfahren. Die Sportpark AG sagt, der EHCO hätte sich nicht oder nicht rechtzeitig eingebracht, der EHCO wiederum sagt, dass seine Anliegen nicht entsprechend berücksichtigt worden seien.

Wir sind, seit Beginn der Detailplanung, ab Dezember 2011, sicher sieben, acht Mal mit der Sportpark AG zusammengesessen und haben das Projekt immer wieder zusammen diskutiert. Es hat ganz einfach einen Haken: Sie haben jetzt gemerkt, dass das gesprochene Geld hinten und vorne nicht reicht. Deshalb gibt es immer wieder Anpassungen, und wenn man einen Wunsch oder ein Anliegen äussert, so heisst es ganz einfach, dass das nicht geht.

Gibt es am aktuellen Projekt, nicht
zuletzt in Ihrer Funktion als Stadtrat, denn noch etwas zu rütteln oder ist das Ganze in Stein gemeisselt?

Nein, das ist es nicht. Ich finde es ganz einfach sehr stossend, dass man in Kauf nimmt, dass beim Hauptmieter, also dem EHC Olten, die ganze Aufbauarbeit von neun Jahren in die Brüche geht. Wir haben uns zum Beispiel nach Ersatz-Eis umgeschaut (Anm. d. Red.: Den Eissportvereinen steht 2014 erst ab Anfang November Eis zur Verfügung). Der einzig mögliche Ausweichort ist, in einem beschränkten Pensum, Zuchwil. Allerdings kostet uns das viel mehr. Für die 1. Mannschaft ist das nicht so ein Problem, viel mehr für den Nachwuchs. Das sind so viele Mannschaften, wo sollen die alle hin? Es soll mir doch keiner sagen, dass man das Projekt nicht so hätte planen können, dass man mit
minimalen Einschränkungen durch die Saison gekommen wäre.

Wie sieht es eigentlich mit dem Bau des eigenen VIP-Bereichs aus? Wird der EHCO denn nun tätig oder wartet man zu?

Im Moment ist das auf Eis gelegt, es hat keinen Wert, planerisch tätig zu werden. Wir wissen ja bis heute nicht, was wirklich alles realisiert wird, und was nicht. So können wir unseren Bereich unmöglich planen. Sicher ist hingegen, dass Ende März 2014 das Eis abgetaut wird.

Das heisst, dass der EHCO die Saison 2013/14 nicht allzu sehr in die Länge ziehen sollte.

Genau. Spätestens ein zweites oder drittes Heimspiel im Playoff-Final müssten wir dann wohl woanders austragen. Das versteht kein Mensch.

Früher oder später, um darauf zurück zu kommen, wird es aber einen
VIP-Bereich geben müssen.

Es wird wohl schon einen geben, das ist geplant.

Zumal die Fondue-Tribüne entfernt wird.

Wir haben wohl die Möglichkeit, das neue Restaurant zu führen, möchten aber sicher noch eine zusätzliche Option für einen VIP-Bereich.

Was denken Sie, welche Auswirkungen hat Ihre Funktion als Stadtrat auf das Amt als VR-Präsident des EHC Olten?

Ich gehe davon aus, dass da alles beim Alten bleibt, obwohl ich noch nicht genau weiss, welches Departement ich am Ende bekleiden werde und welchen Einfluss das genau haben wird.

Anders hätte es bei der Wahl zum Stadtpräsidenten ausgeschaut.

Natürlich, da hätte ich auf alles verzichten müssen. Das wäre ein 100-Prozent-Job, und das ist im Moment kein Thema.

Der Entscheid, nicht zu kandidieren, ist Ihnen demnach nicht schwergefallen?

Doch, es war gleichwohl ein Kampf, denn ich merkte, dass eine gewisse Erwartungshaltung vorhanden war, es zu probieren. Viele hatten das Gefühl, dass es einmal etwas Neues gebraucht hätte. Ich kann aber noch nicht beurteilen, ob ich mich im politischen Leben überhaupt wohlfühle.

Am besten, Sie warten diese ersten vier Jahre einmal ab.

Ob ich es vier Jahre aushalte, weiss ich noch nicht (lacht) – Spass beiseite, ich kann mich in vier Jahren immer noch entscheiden, wenn ich sehe, dass das genau das Richtige ist.

Wenn Sie es zehn Jahre als Mitglied des EHCO-Verwaltungsrats aushalten, sollten vier Jahre als Stadtrat eigentlich drin liegen.

Beim EHCO ist es einfach, da spuren fast alle (lacht). Ich kann mir nicht vorstellen, dass es als Stadtrat auch so geht.

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