Giovanni Gerardi ist ein Ur-Oltner. Der 27-Jährige startete seine Karriere bei den F-Junioren des FC Olten, ab 2010 figurierte er im Kader der ersten Mannschaft, für die er bis im Juni des laufenden Kalenderjahres acht Saisons bestritt. Im Oktober 2016 sagte er gegenüber dieser Zeitung: «Ich fühle mich sehr wohl beim FC Olten. Hier habe ich meine Kollegen und es ist bequem für mich, weil ich ja selber in Olten wohne. Das zählt am meisten. An einen Klubwechsel habe ich nie gedacht.»

Zum Auftakt der vergangenen Saison schoss Gerardi den FC Olten noch zum Derbysieg gegen den FC Dulliken. Dank eines Tores in der 92. Minute. «Ich werde nicht nur gut schlafen, sondern am Montag auch einen schönen Arbeitstag haben», kommentierte er damals den Game-Winner. Und weiter: «Ein Tor in einem Derby ist besonders schön.» Zum Abschluss der Vorrunde in der 2. Liga inter empfängt Olten heute um 15 Uhr den FC Dulliken. Gerardi läuft mittlerweile aber nicht mehr in Blau-Weiss auf, sondern trägt Gelb-Schwarz.

Trainerwechsel und Unruhe

Was ist passiert, dass er seine Meinung im Sommer geändert und den Stammklub in Richtung FC Dulliken verlassen hat? «Es begann mit der Entlassung von Trainer Flavio Catricalà. Diese führte zu Unruhe im Verein, und es war nicht klar, wie es weitergeht», begründet er.

Gleichzeitig kam die Anfrage von Alessandro Rizzo, dem neuen Dulliken-Trainer, den Gerardi schon länger kannte. «Er war auf der Suche nach Spielern und hat mir das Projekt vorgestellt, wie er beim FCD etwas Neues aufbauen will. Der Entscheid fiel mir nicht leicht. Aber ich wollte diese neue Herausforderung anpacken.» Dass mit Mario Panzeri ein weiterer langjähriger Oltner den gleichen Weg einschlug, habe ihm den Wechsel erleichtert.

Dass ihm mit dem komplett neu zusammengewürfelten Team eine schwierige Saison bevorstehen würde, wusste Gerardi. Mit dieser Mannschaft gehört Dulliken nicht in die 2. Liga inter, war der Tenor bei den Konkurrenten vor der Saison. Das Gegenteil zu beweisen, hat Gerardi zusätzlich motiviert. Am vergangenen Wochenende feierte der FCD im zwölften Spiel den dritten Saisonsieg und rückte bis auf einen Punkt an den ersten Nicht-Abstiegsplatz heran. «Ich wäre natürlich gerne noch etwas weiter vorne in der Tabelle. Aber es war klar, dass wir Zeit brauchen. Die letzten Auftritte haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Schiesst er seinen Ex-Klub heute unter den Strich?

Der Wechsel zum FC Dulliken hat ihn offenbar beflügelt. Ein Drittel der insgesamt 15 Dulliker Tore in dieser Saison gehen auf sein Konto. In der vergangenen Spielzeit buchte er für den FC Olten in 26 Spielen 5 Tore. Schiesst er seinen Ex-Klub heute unter den Strich? «Mein primäres Ziel lautet, Dulliken über den Strich zu schiessen. Es wäre toll, wenn wir nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern müssten. Das würde der Mannschaft guttun.»

Er hofft indes, dass sich Ende Saison nicht nur der FCD, sondern auch Olten und Wangen b. Olten in der 2. Liga inter halten können. «Solche Derbys motivieren uns Amateurfussballer besonders», begründet er.

Olten auf dem Papier Favorit

Auf die heutige Rückkehr aufs Kleinholz freut sich Gerardi. «Für mich wird es wie ein Heimspiel im anderen Dress. Es werden sicher einige Sprüche kommen, aber das gehört dazu.» Auf dem Papier sei der FC Olten heute der Favorit. Die Oltner, die ihre letzten drei Heimspiele gewinnen konnten, haben mehr Tore geschossen, weniger Gegentore kassiert und einen Punkt Vorsprung auf den FC Dulliken. «Die Tabelle spricht für sie. Für uns spricht der Sieg vom letzten Wochenende, aber auch die guten Leistungen davor. Wenn wir daran anknüpfen können, wird es ein cooles Derby.»

Ob er jubelt, wenn ihm gegen den Ex-Klub ein Tor gelingt, sei schwierig abzuschätzen: «Ich weiss gar nicht, wie ich normalerweise juble, wenn ich treffe. Aber ich werde mich auf jeden Fall freuen, wenn mir ein Tor oder auch ein wichtiger Pass gelingt.»