Zitternd vor Kälte, aber mit einem Strahlen auf den Gesichtern, standen die Frauen des SC Derendingen noch lange nach dem Schlusspfiff vor der Tribüne. Umringt von Familie, Freundinnen und Fans erzählten sie, wie sich das nun angefühlt hatte, gegen das von der Nationalspielerin Fabienne Humm angeführte, derzeit beste Team der Schweiz, spielen zu dürfen.

Spass hat es gemacht, und ein wenig Stolz war bei all den kleinen Heldentaten der vergangenen 90 Minuten auch erlaubt. Denn die Derendingerinnen hatten gegen den übermächtigen Gegner wirklich gut ausgesehen.

Strittige Szene zu Beginn

Am Ende gewannen zwar die Favoritinnen vom FC Zürich 3:0, aber es hätte auch anders herauskommen können. In der 18. Minute knöpfte Manuela Marra auf dem linken Flügel Marina Keller den Ball ab und wollte sich alleine auf den Weg Richtung FCZ-Tor machen. Keller, die zum Stamm des Nationalteams gehört, riss Marra hart an der Strafraumgrenze um, sonst wäre wohl das 1:0 für Derendingen gefallen.

"Eigentlich hätte sie für dieses Foul die rote Karte sehen müssen", kommentierte SCD-Trainer Urs Bachmann diese Szene. Wer weiss, ob den Zürcherinnen, die erst am Mittwoch in Glasgow in der Champions League in einem kräfteraubenden Einsatz gestanden waren, mit einer Frau weniger im strömenden Regen auf dem sumpfigen Rasen der Heidenegg nicht irgendwann die Luft ausgegangen wäre.

Doch es kam anders. Wenig später schoss Julia Stierli aus einer unübersichtlichen Situation heraus das erste Tor für die Zürcherinnen. Zum vorentscheidenden 0:2 war Humm hart am Offside gestartet. Dann glänzte nochmals Marra. Aber FCZ-Goalie Seraine Friedlie streckte sich mächtig und holte den Schuss noch aus dem Dreieck.

Tolles Erlebnis fürs ganze Team

Die Derendingerinnen mussten zwar kurz nach der Pause auch noch das 0:3 hinnehmen, sie steckten jedoch nicht auf und gewannen viele Zweikämpfe. Sie liessen die Zürcherinnen nicht ihr gewohntes Spiel aufziehen, Spannung kam aber keine mehr auf. Kurz vor Schluss konnte Miriam Stampfli auf der Linie die letzte Chance der Zürcherinnen vereiteln und so blieb es bei der ehrenhaften 0:3-Niederlage.

"Zürich gewinnt normalerweise gegen die hinteren Teams in der Nationalliga A sogar höher", analysierte Bachmann nach dem Schlusspfiff. "Es war ein super Erlebnis für das ganze Team. Schade war das Wetter so schlecht, sonst hätten wir statt 400 vielleicht sogar 800 Zuschauer gehabt."

Vor der Winterpause steht nun noch ein Testspiel gegen den FC Basel auf dem Programm. In einem Trainingslager in Belek werden sich die Derendingerinnen auf die Frühlingsrunde vorbereiten. Nach nur fünf Runden wird dann die Nationalliga B aufgeteilt. "Bei dieser tollen Ausgangslage ist unser Ziel ganz klar die Aufstiegsrunde", sagt Trainer Urs Bachmann. Und mit Leistungen wie am Samstagabend im Cup ist den Derendingerinnen sogar der Aufstieg in die Nationalliga A zuzutrauen.

Derendingen – Zürich 0:3 (0:2) 

Heidenegg. – 400 Zuschauer. – SR Voirol. – Tore: 25. Stierli 0:1. 34. Humm 0:2. 49. Mauron 0:3.
Derendingen: Scherrer; Hawker, Vögeli, Stampfli, Bünger (78. Bachmann); Alvarez (80. Das Chagas), Trutmann, Marti, Zahno; Sieben (60 Schneider), Marra.
Zürich: Friedli; Stapelfeldt, Keller (62. Hashani), Fischer, Stierli; Gensetter, Mauron, Zehnder (62. Aloi); Humm, Müller, Selimi (46. Deplazes).
Verwarnungen: 19. Keller, 72. Gensetter (beide Foul).