Hornussen

Ein goldener «Transfer» in letzter Minute

Überschwänglicher Jubel: Die zweite Mannschaft der HG Zuchwil feiert den Sieg beim Eidgenössischen Gruppenmeisterschaftsfinal.  Marcel Bieri

Überschwänglicher Jubel: Die zweite Mannschaft der HG Zuchwil feiert den Sieg beim Eidgenössischen Gruppenmeisterschaftsfinal. Marcel Bieri

Zuchwil II gewinnt die Eidgenössischen Gruppenmeisterschaftsfinal in Lüsslingen. Als bester Einzelschläger zeichnet sich Marco Roos aus.

«Aues geili Sieche, la la la la», schreien die Zuchwiler in den Lüsslinger Nachmittags-Himmel. Sie lachen, sie jubeln und sie tanzen. Zuchwil II gewinnt, etwas überraschend den Eidgenössischen Gruppenmeisterschaftsfinal mit 13 Punkten Vorsprung vor Richigen und 14 Zählern vor Belp-Toffen. Die Solothurner haben am Ende das nötige Glück auf ihrer Seite. Denn Richigens Thomas Bigler verspielt in seinem zweiten Finalstreich den Sieg seines Teams – er muss sich einen Nuller notieren lassen. Aus der Traum und dieser wird für die nominell zweitbeste Zuchwiler Mannschaft wahr. Sie gewinnt den prestigeträchtigen Saisonschluss-Punkt, der mit dem Cupfinal im Fussball zu vergleichen ist. In den letzten vier Jahren haben sich Zuchwil und Wäseli den Sieg beim Saisonfinal brüderlich geteilt. Dieses Mal mussten sich die Vechiger geschlagen geben und kamen nur auf Platz 6.

Das Spezielle beim Gruppenmeisterschaftsfinal: Nur sechs Spieler stehen pro Team auf dem Feld. 36 Gruppen hatten sich für den grossen Showdown in Lüsslingen qualifiziert. Und Zuchwil II war über den ganzen Tag gesehen die stärkste Mannschaft und holte sich verdient den Sieg. Benjamin Lehmann, Dario Hulliger, Urs Bichsel, Roland Eberhart, Thomas und Hanspeter Moser feierten ihren Triumph ausgelassen. Die erste Mannschaft der Solothurner blieb übrigens bereits in der Vorausscheidung hängen.

Lehmann nimmt ein Time-out

Ein spezieller Tag war es für Benjamin Lehmann: Er ist der beste Einzelschläger in den Reihen der HG Zuchwil und kam nur durch Zufall zum Handkuss. Weil sich Jan Schalbetter kurz vor dem Wettkampf verletzt hatte, wurde Lehmann in letzter Minute ins Boot geholt. Ein Spieler im Team darf gewechselt werden – beim Zweiten bräucht es ein Gesuch. Und der Langschläger enttäuschte seine Teamkollegen nicht und war in allen drei Runden der stärkste der Gruppe. Der Weitenrekordhalter (111 Punkte!) mit dem unglaublichen Zug in den Armen strahlt über beide Backen. Nach 2009 ist es bereits sein zweiter «Cupsieg». «Wir wussten, dass wir vorne mitspielen können. Es ist natürlich toll, wenn man in letzter Minute zum Team stösst und dann am Ende als Sieger nach Hause darf», sagt Lehmann.

Es war vorerst der letzte Auftritt des 37-jährigen Bauführers im Dress der HG Zuchwil. Lehmann nimmt im nächsten Jahr ein Time-out vom Hornussen. Er hatte in dieser Saison, vor allem in der zweiten Hälfte, mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Er und seine Frau erhielten Nachwuchs, der Job verlangt ihm alles ab. So hatte der Sport fast keinen Platz mehr. Deshalb hat sich Zuchwils stärkster Einzelschläger zu diesem Schritt entschieden. Ein herber Schlag für die Mannschaft – eine Befreiung für ihn.

Auch Urs Bichsel, Gruppenführer von Zuchwil II, strahlt wie ein Honigkuchenpferd. «Dieser Sieg ist irrsinnig toll. Heute hat bei uns einfach alles gepasst und wir hatten das nötige Glück auf unserer Seite», sagt er. Für alle, ausser Lehmann, war es der erste Triumph bei einem Eidgenössischen Gruppenmeisterschaftsfinal. Bichsel spricht vom «Happy-end zum Abschluss».

Marco Roos schlägt zurück

Der Luzerner Marco Roos, er hat die Einzelschlägerwertung in der NLA in den letzten neun Jahren siebenmal gewonnen, revanchierte sich in Lüsslingen mit dem Einzel-Sieg für die Niederlage in der Meisterschaft. Er überflügelte am Ende mit 93 Punkten den Richiger Martin Stettler (90) und Benjamin Lehmann (88) knapp. «Das ist ein schöner Sieg», sagt Roos. Stettler war es, der ihn in der Meisterschaft noch knapp hinter ihm liess. «Für mich ist dieser Sieg keine Revanche für die Niederlage in der Meisterschaft. Ich habe Martin Stettler den Sieg gegönnt.» Aber die Dominanz des Schötzers ist zu Ende. Denn in der nächsten Saison muss er mit Mättenwil-Zofingen in der NLB ran und wird zum zweiten Mal in Serie nicht NLA-Champion werden.

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