Kunstturnen
Ein doppelter Rücktritt und Nils Hallers WM-Verzicht

Nils Haller vom KV Solothurn muss auf die WM in Antwerpen verzichten. Danilo Corti (Günsberg) und Philipp Friedli (Kappel) treten ganz zurück. Am Wochenende bestreiten sie in Lugano ihren letzten Wettkampf.

Andreas Fretz
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Danilo Corti (23): Mit 1,76 m ein Grosser im Kunstturnen. Mäder

Danilo Corti (23): Mit 1,76 m ein Grosser im Kunstturnen. Mäder

Rund 14 Jahre trainierten sie Seite an Seite, tauchten ihre Hände im Magnesium und schwitzten für die grosse Karriere. Nun ist Schluss. Am Wochenende bestreiten Danilo Corti und Philipp Friedli an den Schweizer Mannschaftsmeisterschaften in Lugano ihren letzten Wettkampf. Seite an Seite – für den Kanton Solothurn. «Dass wir gleichzeitig vom Spitzensport zurücktreten ist purer Zufall», sagt Corti. Mit 23 respektive bald 22 Jahren sind sie noch im besten Alter. Doch das Kunstturnen rückt in den Hintergrund, die Ausbildung geniesst fortan Priorität.

Ausbildung und USA-Reise

Der Günsberger Danilo Corti studiert in Basel Physiotherapie. Schon jetzt sei die Belastung mit Spitzensport und Ausbildung enorm, sagt er. Im November beginnt er in der Romandie ein Praktikum. Auch die Pläne des Kappelers Philipp Friedli lassen sich nicht mit dem Kunstturnen vereinbaren. Er geht für ein halbes Jahr in die USA, besucht in New York während zehn Wochen eine Sprachschule, bereist die Westküste und will danach ein Studium in Angriff nehmen. «Physik oder Elektrotechnik an der ETH Zürich», sagt Friedli.

Im erweiterten Nationalkader

Beide waren während ihrer Karriere im erweiterten Nationalkader. Ganz an die Spitze hat es aber nicht gereicht. «Natürlich träumt man in jungen Jahren davon, die Schweiz an einer EM oder WM zu vertreten. Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich trotz meiner körperlichen Masse erreicht habe», sagt der 1,76-m-Kunstturnhüne Corti. Beide haben die Schweiz an der Universiade, der Olympiade der Studenten, vertreten. Friedli war an der Junioren-EM 2008 in Lausanne erster Ersatz. «Es ist ein bisschen schade, dass ich an der Heim-EM nicht auftreten konnte», sagt er heute.

Spezieller Doppelrücktritt

Dass die Form trotz des bevorstehenden Rücktritts stimmt, bewiesen die beiden an den Schweizer Einzelmeisterschaften am letzten Wochenende. Corti wurde 7. im Mehrkampf, holte Silber am Pauschenpferd und Bronze am Barren. Friedli belegte im Mehrkampf Rang 8, gewann Silber am Barren und Bronze am Reck. In Lugano wollen sie noch mal zuschlagen. «Das Podest müssen wir schaffen», sagt Friedli, «Silber liegt drin, vielleicht sogar Gold.» Im Vorjahr holte Solothurn hinter Seriensieger Aargau und Zürich den dritten Rang. «Wir werden noch einmal alles aus uns herausholen», verspricht Corti, «wegen des Doppelrücktritts wird es ein ganz spezieller Wettkampf.»

Pläne für eine Showgruppe

Sorgen um die Zukunft der Solothurner Kunstturner müsse man sich keine machen, glauben die beiden. Mit David Fürst und Benjamin Gischard sei für Nachwuchs gesorgt. Und auch Friedli und Corti wollen sich nicht für immer verabschieden. Friedli will Kampfrichter werden und turnt weiter beim TV Oberbuchsiten, Corti will im Regionalen Leistungszentrum die Physiotherapeuten und Turner mit seinem Wissen unterstützen. Zudem bestehen Pläne für eine Showgruppe. «Mal schauen, was daraus wird», sagt Corti.

Nils Haller beendet Saison

Die Schweizer Mannschaftsmeisterschaften in Lugano finden ohne Nils Haller statt. Der 23-Jährige vom KV Solothurn hat seine Saison frühzeitig beendet. Im Frühjahr hat sich der EM-Finalist von 2012 (Barren und Ringe) einer Schulter-Operation unterzogen. Im April 2013 verzichtete Haller noch auf die EM, um an der WM in Antwerpen (ab 30. September) wieder fit zu sein. Doch die Verletzung am rechten Schultergelenk ist komplizierter als zunächst angenommen. Haller muss nun auch auf die WM verzichten. «Es gibt gute und schlechte Zeiten, damit muss ich leben», sagt Haller.

Ziel EM 2014 in Sofia

Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft kann zwar wieder trainieren, muss aber mehrmals pro Woche in die Physiotherapie. Im besten Fall will er im Dezember in Stuttgart einen Wettkampf bestreiten. Spätestens an der EM im Mai 2014 in Sofia will Haller wieder angreifen. Seinen Solothurner Teamkollegen drückt er für die Schweizer Mannschaftsmeisterschaften am Wochenende die Daumen. «Ich hoffe natürlich, dass sie es aufs Podest schaffen», sagt Haller.