FC Grenchen

Ein Deutschkurs hat für den neuen FCG-Trainer oberste Priorität

Najib Melhli unterschreibt an der GV des FC Grenchen quasi seine eigene Zukunft.

Najib Melhli unterschreibt an der GV des FC Grenchen quasi seine eigene Zukunft.

Najib Melhli übernimmt ab dem ersten Juli die Geschicke der 1.-Liga-Mannschaft des FC Grenchen als Trainer. Wer ist dieser 48-jährige Marokkaner mit französischem Pass?

Najib Melhli ist das Gesicht der neuen französischen Investoren im Verein. Gleich drei Funktionen übernimmt der Doktor in Wissenschaft und Sport an der Universität Bordeaux. Er ist Trainer der ersten Mannschaft, Sportchef im Vereinsvorstand und Leiter der Fussball-Akademie «III S – Swiss Sport Strategy», die ebenfalls Anfang Juli ihren Betrieb aufnehmen will. Sie wird sowohl vom Verein wie auch von den Investoren als Hauptmotivation für das Engagement beim FCG genannt.

Alain Marie als Drehscheibe

Den Kontakt zu Melhli knüpfte der in Pieterlen wohnhafte Franzose Alain Marie (58), Marketingverantwortlicher der Bieler Firma Footprod Management, welche Geschäftsführung, Beratung und Vertretung von Sportlern, Unternehmensberatungen, Marketing und Sponsoring von Sportvereinen, Kommunikation, künstlerische Produktion, Promotion und Organisation von «events» übernimmt. Marie war es auch, der den Kontakt mit dem FC Grenchen hergestellt hat. Sein Sohn spielt beim FCG.

Kennen gelernt haben sich Marie und Melhli über die gemeinsame Arbeit für die weltweit tätige Spielergewerkschaft FIFPro. Marie ist für die SAFP (Swiss Association of Football Players) im Einsatz, die sich für die Interessen der Profi-Fussballer in der Schweiz einsetzt und welcher mehr als 570 Spieler der Super und Challenge League angehören. Melhli ist Vize-Präsident der marokkanischen Spieler-Gewerkschaft.

Verstärkungen aus Frankreich?

Najib Melhli war letzte Woche erstmals überhaupt in seinem Leben in der Schweiz. Beim 0:5 in Baden machte er sich ein Bild über die Qualitäten seiner künftigen Spieler. Wie viele Änderungen es im Kader geben wird, kann er noch nicht beantworten. Wie er ohne Kenntnisse der lokalen Fussballszene eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen will, hingegen schon. Auch hier spielt Alain Marie eine wichtige Rolle. «Durch die Arbeit und das Netzwerk von Alain haben wir Kontakt zu vielen Spielern in der Schweiz. Ich habe zudem in Frankreich einige Kontakte. Gut möglich, dass einige Spieler aus Frankreich den FC Grenchen nächste Saison verstärken werden», sagt Melhli. Was sich nicht unbedingt als kompatibel mit der bisherigen Botschaft des Vereins, künftig vor allem auf Spieler aus der Region zählen zu wollen, erweisen würde.

Elf Länderspiele für Marokko

Oberste Priorität für Melhli, der Französisch, Spanisch, Englisch und Arabisch spricht, ist das Lernen der deutschen Sprache. «Das will ich sofort im Juli in Angriff nehmen.» Er will auch in Grenchen oder der unmittelbaren Umgebung wohnen. Melhli ist nach eigenen Aussagen als Dreijähriger mit seiner Familie nach Frankreich gekommen, hat dort für verschiedene Teams insgesamt 190 Partien in der 2. Division bestritten, ein Jahr sogar in den USA für ein kalifornisches Universitätsteam in Santa Rosa Fussball gespielt und elf Länderspiele für Marokko bestritten. Als Trainer war er in der dritthöchsten Liga Frankreichs tätig. Derzeit wohnt er in Angers im Südwesten des Landes.

Najib Melhli macht im Gespräch den Eindruck eines höflichen, gebildeten Mannes. Was er als Trainer draufhat, wird er in der nächsten Saison beweisen müssen. Als «Verkäufer» seines neuen Vereins erweist er sich bereits jetzt als formidabel. Beinahe eine Spur zu gut, denn auf die Frage, ob künftige Transfererlöse von FCG-Spielern in die Taschen der Investoren fliessen werden, sagt er: «Nein, das Geld bleibt beim Verein.» Geschäftsführer Paul Kocher hatte kurz zuvor noch das Gegenteil gesagt. Vielleicht ist Melhlis Antwort auch nur ein sprachliches Missverständnis und er hat die Frage nicht richtig begriffen. Gut, dass er bald Deutsch versteht.

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