Fussball
Ein Derendinger ist der Berichterstatter aus dem Wembley

Claudio Taddei spielte einst beim FC St. Gallen. Heute ist der Derendinger Technischer Leiter des Solothurner Fussballverbandes und Scout von Nati-Trainer Vladimir Petkovic.

Daniel Weissenbrunner
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Coach Claudio Taddei beim Länderspiel der U19 Frauen-Fussball-Nationalmannschaften der Schweiz und Russlands im Stade de la Blancherie in Delemont.
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Claudio Taddei im Dress des FC St. Gallen beim Europacup Spiel im Espenmoos gegen Inter Mailand (0:0).
Claudio Taddei - Der Berichterstatter aus dem Wembley
Engagiert und motiviert - Claudio Taddei.

Coach Claudio Taddei beim Länderspiel der U19 Frauen-Fussball-Nationalmannschaften der Schweiz und Russlands im Stade de la Blancherie in Delemont.

Keystone

Wenn die Schweiz morgen zum WM-Qualifikationsspiel Estland in Luzern empfängt, sitzt Claudio Taddei in London. Nicht in einem Pub, sondern an bevorzugter Lage mit bester Aussicht – im Wembley-Stadion. Taddei beobachtet für Nati-Trainer Vladimir Petkovic die Partie zwischen den Engländern und Litauen, im Hinblick auf das Spiel im Juni in Riga.

Kommenden Dienstag wird der 49-Jährige im Mannschaftshotel in Feusisberg seinen Rapport abgeben. Er erwähnt es nicht ohne Stolz. Taddei würde man Neudeutsch als «Fussball-Junkie», als Fussball-Verrückten bezeichnen. Bereits als junger Spieler betrat der heutige Technische Leiter des Solothurner Fussballverbandes die grosse Bühne, nur erinnert sich kaum mehr jemand an den Spieler Claudio Taddei.

Der Sohn eines trentinischen Gastarbeiters hinterliess durchaus seinen Fussabdruck auf dem helvetischen Fussball-Laufsteg. Er tauschte mit Paolo Maldini und Karl-Heinz Rummenigge das Leibchen, seine Gegenspieler hiessen Rudi Völler, Felix Magath oder Liam Brady. Wenn Taddei in Fahrt kommt, kann er seine Herkunft nicht verbergen.

Dann plaudert er aus seinem fussballerischen Nähkästchen mit einer Portion Italianita. Taddei spielte in der Nationalliga A, mit dem FC St. Gallen trotzte er 1985 im Uefa-Cup Inter Mailand im Espenmoos ein 0:0 ab. Er stand mit Christian Gross und Armin Veh im selben Team, er erlebte den Aufstieg des unvergessenen Manfred Braschler und er schaffte es selber bis in die U21-Nationalmannschaft.

Der Vorgänger von Alain Sutter

Taddei absolvierte auf dem Sekretariat der St. Galler die KV-Lehre. Unter dem damaligen Trainer Helmut Johannsen gelang ihm der Sprung in die erste Mannschaft. Taddei war quasi der Vorgänger eines Alain Sutters, der als Profi-Lehrling bei den Grasshoppers seine Karriere lancierte. Im Unterschied zu Sutter war Taddeis Flirt im bezahlten Fussball von kurzer Dauer.

Mit dem Wechsel von Johanssen zu Werner Olk lief Taddeis Zeit auf dem Espenmoos schneller als erwartet ab. «Er hat mir nie erklärt, warum er nicht mehr auf mich zählte», erinnert er sich. Er bestreitet nicht, dass ihm vermutlich die Geduld fehlte. Nach einem halben Jahr der Ungewissheit zog er die Reissleine und unterschrieb beim Nationalliga-B-Klub FC Biel.

Taddei war kein Kostverächter

Claudio Taddei war kein Filigrantechniker, er war mehr der Mann fürs Rustikale. Der klassische Vorstopper, der sich um den Mittelstürmer der gegnerischen Mannschaft kümmerte. Unschöner Höhepunkt war seine letzte Partie mit dem St. Gallen, als er seinem Gegenspieler aus La Chaux-de-Fonds das Wadenbein brach. Dass Taddei der nächste Schritt verwehrt blieb, hatte nicht nur mit der Sturheit des Trainers zu tun.

Er, der mit Sechzehn von seiner Familie in Derendingen wegzog und in St. Gallen auf sich alleine gestellt war, war kein Kostverächter. Er nahm die Gelegenheiten wahr, die ihm das Leben offerierte. Folgerichtig hiessen die nächsten Stationen nicht Grasshoppers oder FC Basel, sondern der Reihe nach Biel, Grenchen, Solothurn, Italgrenchen, Derendingen, Subingen.

Wiedersehen mit Petkovic

Auf Umwegen über den Frauenfussball, Taddei betreute die Nachwuchsauswahlen, gab er unter Ottmar Hitzfeld in der WM-Qualifikation für Brasilien seinen Einstand als Nati-Scout. Gemessen an den Resultaten hat der Derendinger einen hervorragenden Job verrichtet. Die Schweizer schafften den Sprung an die WM ohne eine Niederlage. Unter Petkovic verlief der Start harziger. Taddei stempelt die Niederlagen gegen England und Slowenien als Betriebsunfälle ab.

«Vlado musste die Mannschaft zuerst kennenlernen.» Apropos: Die erste Begegnung mit dem heutigen Nationaltrainer hatte Taddei vor bald einmal 30 Jahren. Mit dem FC Biel spielte er 1987 in den NLB-Auf-/Abstiegsspielen gegen Chur. In den Reihen der Bündner stand ein gewisser Vladimir Petkovic.

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