Der FC Grenchen war letztmals 1987 NLB-Meister, der FC Solothurn kickte 2001 zum letzten Mal in der zweithöchsten Spielklasse. Seither spielt man zusammen mit Wangen eine mehr oder weniger glanzlose Rolle in der 1. Liga (siehe Box). Viel mehr als Mittelmass lag, von wenigen Ausnahmen abgesehen, im jüngsten Jahrzehnt nicht drin. Warum also, so drängt sich einem die Frage zusehends auf, spannt man nicht zusammen? Warum baut man keine schlagkräftige Solothurner Topmannschaft, führt darunter eine interregionale in der 1. oder 2. Liga und bekennt sich daneben zu lukrativem, regionalem Derby-Fussball? So schiene es doch möglich, dünkt es einen, im Kreis der Grossen wieder einmal eine Rolle zu spielen.

1.Liga Promotion oder mehr möglich

«Vom Potenzial her könnte so eine Topmannschaft sicher in der 1. Liga Promotion mitspielen», sagt der Technische Leiter des FC Solothurn, Ronny Vetter. «Vielleicht sogar höher, weil ja auch Mittel frei würden respektive konzentriert eingesetzt werden könnten.» Derzeit stemmen Grenchen, Solothurn und Wangen zusammen ein Budget von rund einer Million Franken – ziemlich symmetrisch verteilt. Mit einer 1.-Liga-Promotions- oder Challenge-League-Equipe würde man wohl auch den einen oder anderen starken Spieler und Trainer in der Region halten können. Derzeit gibt es nicht weniger als zehn ehemalige FC-Solothurn-Junioren im Alter von 15 bis 17 Jahren, die beim FC Basel spielen. Davon gehören vier zur U16- respektive U17-Nati. Alles Leute, die je nach Karriereverlauf wieder in die Region zurückkämen, wenn sie da auf entsprechendem Niveau eingesetzt werden könnten.

Unerlässlicher Schritt

Heute umgesetzt könnte so eine Zusammenarbeit zum Beispiel so aussehen, dass die Elite in Grenchen – mit der grössten Tradition im Spitzenfussball – ihre Spiele austrägt. Nicht als FC Grenchen sondern als FC Solothurn United vielleicht. Rolf Bieri, Präsident des FC Grenchen, bringt indes die Krux auf den Punkt: «Wollte man so ein Topteam führen, müssten zwei andere die Milch abgeben. Aber wer macht den Anfang? Das Problem ist, dass wir alle auf der gleichen Stufe und in dem Sinn Gegner sind.» Genau – und sich so nebenbei gegenseitig Spieler abjagen und die Löhne nach oben treiben. Nun, Ronny Vetter könnte sich vorstellen, dass Solothurn zugunsten einer «Auswahl» zurück buchstabiert und nebst der top Nachwuchs-Abteilung «nur» noch eine regionale oder allenfalls interregionale 2.-Liga--Mannschaft führt: «Wenn man im Kanton auf dieser Stufe einen Schritt vorwärts kommen will, muss es in diese Richtung gehen», sagt der Profi.

Wer will schon nach Grenchen?

Gedankenspiele dieser Art gibt es immer wieder. So wie es indes heute laufe, meint Bieri, würde das Ganze wohl schon daran scheitern, «dass viel zu viele Leute mitreden wollten.» An Eitelkeiten und Profilierungsbedürfnissen also – wie so oft im Leben. Wangens Präsident René von Euw wird noch deutlicher: «Vergessen sie das», sagt er. «Niemand würde von Wangen nach Grenchen fahren, um dort einen Challenge-League-Match von Solothurn United gegen Wil oder wen auch immer zu schauen.» Ein schöner Traum sei das.

Lieber ein Handy statt ein Fussballspiel

«Traditionen» – wirft der Rohstoffhändler als Knackpunkt und Stichwort ein. «Abgesehen davon, dass die Jungen heute ihr Geld lieber für Kommunikationsmittel und Parties als für Fussballspiele ausgeben, wollen Publikum und Sponsoren einen direkten Bezug.» Von Euw ist selbst Grosssponsor des FC Wangen und gibt zu, dass er sich bei einem kantonalen Spitzenteam nicht mit dem gleichen fünfstelligen Betrag engagieren würde, wie er das beim FC Wangen tut. «Sponsoring auf dieser Stufe hat wenig mit Return on Invest zu tun», sagt der grösste Parafin-Händler Europas. «Dafür viel mit Herzblut und Verbundenheit zur Region und den Menschen, die darin leben.» Trotzdem sagt Von Euw: «Sähe ich nur die kleinste Chance, dass so ein Zusammengehen funktionieren könnte, dann wäre ich sofort dabei.» Schliesslich sei er früher sogar mit dem Velo von Wangen nach Grenchen an die Spiele pedalt.

Es fehlt überall an Geld

Stichwort Geld. Die horizontale Hierarchie im Solothurner Spitzenfussball ist nicht nur für sportliches Mittelmass massgeblich verantwortlich, sondern sorgt auch dafür, dass alle Klubs regelmässig mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen. Der FC Solothurn hat soeben Schulden von rund 160 000 Franken ausgewiesen. Beim FC Grenchen würde ohne privates Geld vom Chef auch nicht mehr viel gehen. Dito in Wangen, wo man sogar sagen kann: Ohne René von Euw würde es die Erstliga-Equipe gar nicht mehr geben. Der Präsident hat sein Amt am 1. Juli angetreten und als erstes eine ausstehende Trainer-Forderung beglichen. «Das war schnell geregelt», sagt er. Inzwischen sei der Verein gut aufgestellt – finanziell, organisatorisch und personell.

Stellt sich bloss die Frage wie lange? Von Euw baut derzeit seinen Nachfolger auf und will Ende Saison sein Interimsmandat wieder abgeben. «Wir stellen uns schon die Frage, ob wir weiter Erstliga-Fussball wollen», so Von Euw. Ohne ihn selbst gingen die Lichter diesbezüglich wohl schnell aus. Die gleiche Frage hat man sich jüngst auch an der GV des FC Grenchen gestellt. «Wer weiss, wie es weitergeht», hält Präsident Bieri dazu nur fest. Ohne zusätzliche Einnahmen – ob nun vom Uhren-Cup oder seitens neuer Sponsoren – kann auch Grenchen künftig nur via Löcher stopfende Mäzene in der 1. Liga überleben. Bei einem Schnitt von rund 300 Fans und einer Stadt, die keinen Kunstrasen will, «frage ich mich schon», so Bieri, «wer will Grenchen überhaupt noch in der 1. Liga sehen?»

Grenchen bald mit Biel?

Überregional steht der FC Solothurn in einer vertikalen Hierarchie als Partnerteam unter dem FC Basel. Ähnliches bahnt sich nun bei Grenchen mit dem Challenge-Ligisten Biel an. Die Seeländer wollen auch Label-Standort im Ausbildungskonzept des Schweizer Verbandes werden. Es geht auch so. «Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif», sagt Rolf Bieri. Vielleicht müsse man mit der Zusammenarbeit auf Solothurner Boden im Aktiv-Bereich einfach noch ein Weilchen zuwarten, bis die «Natur» für eine Hierarchie gesorgt hat. Bis also möglicherweise ein oder zwei der drei aktuellen Erstligisten abgestiegen sind oder absteigen mussten.