Eishockey
Ein alter, weiser und erfahrener Hase im renovierten Bau

Köbi Kölliker kennt die Schweizer Eishockey-Szene, in allen Facetten, wie kein Zweiter – der EHC Olten soll von diesem Wissen profitieren

Marcel Kuchta
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Köbi Kölliker im renovierten Kleinholz-Stadion: «Ich habe hier eine sehr solide Basis vorgefunden.»

Köbi Kölliker im renovierten Kleinholz-Stadion: «Ich habe hier eine sehr solide Basis vorgefunden.»

Die Meldung ging fast ein wenig unter. Irgendwann im September, der Startschuss zur neuen Eishockey-Saison stand unmittelbar bevor, gab der EHC Olten zwei personelle Verstärkungen bekannt. Dino Stecher, durch den Konkurs der Basel Sharks plötzlich arbeitslos, wurde als Assistenztrainer verpflichtet. Köbi Kölliker, 213-facher Nationalspieler und profunder Kenner des Schweizer Eishockeys, übernahm den vakanten Posten des Sportchefs.

Während Stechers Rückkehr zu seinen Wurzeln wenig überraschend und logisch war, so sorgte die Einstellung Köllikers in der Szene schon eher für Aufmerksamkeit.

Neuer Anlauf

Der 61-Jährige hatte nach einem durchwachsenen Gastspiel als Sportchef und Nottrainer der SCL Tigers, welches nach dem Abstieg der Emmentaler zu Ende ging, eine einjährige Schaffenspause eingelegt. «Ich konnte mich regenerieren und neu orientieren, habe Spieler gescoutet, übernahm beratende Funktionen und gab Seminare», erzählt Kölliker. Dass ein Mann mit seinem «Rucksack» immer noch gefragt ist, zeigte sich, als der EHC Olten im Sommer anklopfte. «Wir hatten schon im Juni Kontakt, doch der Klub brauchte noch Bedenkzeit, ob man diesen Schritt nach vorne machen will», beschreibt der Seeländer den Findungsprozess. Er habe auch Angebote aus dem Ausland gehabt. «Aber für mich und meine Familie hatte ein Job in der Schweiz Vorrang.» Kölliker wohnt 40 Autominuten entfernt bei Bern. «Das Gute ist, dass ich nicht gerade morgens um sieben mitten im grössten Verkehrsaufkommen auf der A1 unterwegs sein muss.»

Kölliker ist zufrieden und zuversichtlich

Dass sich ein Mann in seinem Alter und mit seiner Erfahrung nicht mehr jeden x-beliebigen Job antut, sondern nur solche, die auch eine gewisse Nachhaltigkeit versprechen, liegt auf der Hand. In Olten stimmen für die Verteidigerlegende des EHC Biel die Voraussetzungen, auch wenn er vorerst nur einen Einjahresvertrag unterschrieben hat: «Ich habe hier eine sehr solide Basis vorgefunden mit einer guten Mannschaft, dem neuen Stadion und einer Führung, die hinter dem Klub steht und seriöse Arbeit leistet», schwärmt Kölliker, der in Olten vor allem helfen will, mittelfristig sportlich solide Strukturen aufzubauen. Sowohl in der ersten Mannschaft als auch im Nachwuchsbereich. «Es braucht 5 bis 10 Jahre, um eine Nachwuchsorganisation seriös aufzubauen», unterstreicht er.

Olten ist attraktiver geworden

Als Köbi Kölliker Anfangs September seinen Job antrat, da fand er primär «eine grosse Baustelle» vor. Die Renovation des Kleinholz-Stadions befand sich im Endspurt. Überall wurde gebohrt und gehämmert. An einen geordneten Trainingsbetrieb war kaum zu denken. Da war in vielen Belangen Flexibilität gefragt. «Es war ein sehr schwieriger Start», erzählt Kölliker. «Das hat aus der Bahn geworfen», sagt er mit Blick auf den durchwachsenen Saisonauftakt des letztjährigen NLB-Qualifikationssiegers. Der alte Hase im renovierten Bau lässt sich durch temporäre Tiefdruckgebiete jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Er weiss, dass das Eishockey-Geschäft letztlich ein «daily business» ist. Ein Umfeld, das täglichen Stimmungsschwankungen unterworfen ist. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, in solchen Situationen Ruhe zu bewahren und Ruhe zu vermitteln. «Das Ziel muss es sein, in den nächsten drei Jahren eine Grundlage zu schaffen, damit wir mal an der NLA-Tür anklopfen können», umschreibt Kölliker die Perspektive. Auch er weiss, dass ein Aufstieg nicht planbar ist. «Aber man kann den Kader so zusammenstellen, dass es langfristig funktioniert.» Der Sportchef hat auf der Suche nach neuen Spielern jedenfalls keine schlechten Karten: «Olten ist eine gute Adresse geworden.»

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