Eigentlich muss man es als medizinisches Wunder bezeichnen: Am 8. Mai dieses Jahres lässt Cédric Schneuwly seine Hüfte operieren, erhält Schrauben in die kaputte, abgenützte linke Hüftseite. Die Ärzte reden nicht um den heissen Brei: Monatelang soll der EHCO-Stürmer ausfallen – auch ein Totalausfall einer kompletten Saison steht kurzzeitig im Raum.

Aber Schneuwly ist Spitzensportler, ein Kämpfer mit klaren Zielen vor Augen. Und so kommt es, dass Schneuwly selbst die Ärzte verblüfft, rasante Fortschritte erzielt und bereits 152 Tage nach seiner Hüftoperation wieder auf dem Eis steht. Notabene auf höchstem Swiss-League-Niveau – und erst noch erfolgreich: Mit dem ersten Puckkontakt in seinem Comeback-Spiel erzielt Cédric Schneuwly sein erstes Saisontor. Gervais hatte hinter dem gegnerischen Tor einen Check fertiggemacht, wodurch Rexha die Scheibe eroberte und Schneuwly vor dem Slot ideal einsetzte. «Ein schönes Gefühl, zurück zu sein», beschrieb Schneuwly diesen Gänsehaut-Moment.

Vor zwei Wochen fiel Schneuwly unter höchsten Belastungen im Eistraining auf die Hüfte und verspürte dabei überhaupt keine Schmerzen mehr. «Ich hatte da gemerkt, dass es vorwärtsgeht und ich nahe dran bin, wieder spielen zu können. Danach stand das Büffeln der Kondition auf dem Programm», erzählt er.

Als absehbar wurde, dass Schneuwly früher als terminiert zurückkehren würde, wurde geplant, dass er beim Partnerteam EHC Basel Spielpraxis sammeln würde. Weil aber beim EHCO mit Huber und Muller zwei weitere Stürmer verletzt ausschieden und Roland Gerber von seinem Stammverein Langnau zurückbeordert wurde, warf man Schneuwly nun umgehend ins kalte Wasser der Swiss League. «Er hat es sehr gut gemacht. Es ist nicht einfach, nach einer solch langen Zeit zurückzukommen und seine Leistungen abzurufen. Er hat gezeigt, dass er sehr wichtig für das Team ist», lobte EHCO-Trainer Chris Bartolone.

Im vergangenen September verspürte Schneuwly plötzlich starke Leistenschmerzen. Eine MRI- und Ultraschall-Untersuchung ergaben vorerst keine Diagnose. Dann, in den Playoffs in einem Spiel gegen den HC Thurgau, fängt Schneuwly einen harten Check ein, worauf in einer weiteren Untersuchung neben einem Bluterguss im Knochen auch eine vererbte, starke Abnützung des Hüftknochens zum Vorschein kommt.

Ganz so unverhofft kam Schneuwly nun nach seiner langen Verletzungszeit gewiss nicht zum Comeback-Spiel. Nach seiner Operation konnte der 26-Jährige acht Wochen lang nicht gehen, durfte überhaupt keine Belastungen ausüben. «Das war eine schwierige Zeit. Aber danach ging es stetig vorwärts. Ich glaube, ich war noch nie so viel auf dem Velo wie in diesem Sommer. Denn das war das lange Zeit das Einzige, was ich regelmässig machen durfte», blickt Schneuwly zurück und fügt hinzu: «Mit den Physiotherapeuten und unserem Athletikcoach Thaddäus Schnider hatte ich ein eingespieltes Team zur Seite. Sie haben mich jeden Tag gepusht und gefordert. Aber andererseits haben sie auch herausgespürt, wenn ich mal eine Pause brauchte. Und so hatten wir einen sehr guten, geregelten Aufbau bis zum heutigen Tag absolviert.»

Eine verschworene Einheit

Aber auch sonst gab es, nebst Schneuwlys aussergewöhnlicher Geschichte, viele Gänsehaut-Momente im Spiel gegen La Chaux-de-Fonds. Für den Auftakt war Joachim Vodoz zuständig. Der Stürmer verwertete einen Abpraller eiskalt. Sein erstes Saisontor im Dress der Oltner dürfte im Flügel verleihen, kämpft er doch um einen Stammplatz und wird zwischen dem EHCO und Partnerteam EHC Basel hin und her geschoben.

Mit einem speziellen Gefühl gingen auch Diego Schwarzenbach und Daniel Eigenmann, der nach einer Verletzung wieder zurückkehrte, ins Spiel gegen den HCC. Sie trugen in der vergangenen Saison noch das Dress des Gegners.

Aber etwas spielbestimmender waren vor allem noch zwei andere EHCO-Spieler: Einerseits stand mit Matthias Mischler der gewohnt sichere Wert im Tor. Dank ihm wurde es in der Schlussphase, in welcher der EHCO beim Stand von 5:1 nicht mehr ganz so diszipliniert auftrat, nicht doch noch zu einem nervösen Eintore-Spiel.

Und andererseits zeichnete sich Verteidiger Tim Bucher gleich mehrmals aus, der in insgesamt fast vier Minuten doppelter Unterzahl abermals seine Knochen hinhielt und sein Team vor Gegentreffern bewahrte.

Und dann war da auch noch Anthony Rouiller, der sein erstes Saisontor erzielte. Der EHCO-Verteidigerstratege hatte die Scheibe mit einem sehenswerten Handgelenkschuss, über der Schulter des Torhüters vorbei, im Torhimmel untergebracht. Die Freude über seinen ersten Saisontreffer war Rouiller ins Gesicht geschrieben. Er rannte zur Spielerbank, auf der sich alle erhoben hatten. Das gesamte Team bildete sich zu einer Traube und feierte den Treffer als verschworene Einheit.

«Ich bin sehr zufrieden», bilanzierte Trainer Bartolone, «das Team hat hart gearbeitet. Wir halten uns an unseren Plänen fest und spielen unser System. Wir sind auf dem richtigen Weg.»