Swiss League
EHCO-Trainer Fredrik Söderström: «Das bricht mir das Herz»

Gut gespielt und am Ende doch wieder verloren. Beim EHC Olten war die Gemütslage nach der unglücklichen 3:4-Niederlage nach Verlängerung gegen Ajoie zwiespältig. Einerseits war da die Erleichterung über die erhoffte Leistungssteigerung und das Lebenszeichen, das die Mannschaft gab. Andererseits haderte man mit dem fehlenden Wettkampfglück.

Marcel Kuchta
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Heisses Duell im Kleinholz zwischen Olten und Ajoie.
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Philipp Rytz im ersten Drittel gegen Ajoies Arnaud Schnegg.
Oltens Daniel Carbis kämpft um die Scheibe.
Olten-Torhüter Simon Rytz ist sichtlich enttäuscht nach dem 1:1-Ausgleichstreffer.
Intensive erste 20 Minuten im Kleinholz. Anthony Rouiller (l.) und Dion Knelsen im Zweikampf an der Bande.
Daniel Carbis schirmt gegen Anthony Rouiller den Puck ab.
Jubel bei Ajoie über die 2:1-Führung. Ex-Oltner Stefan Mäder verwertete 2 Minuten vor Drittelspause einen Abpraller.
Vereinte Kräfte in der Deffensivarbeit. Evgueni Chiriayev und Simon Lüthi stellen sich Lee Roberts in den Weg.
Ein enttäuschter Diego Schwarzenbach. Trotz ansprechender Leistung gehen die Powermäuse mit einem 1:2-Rückstand in die erste Drittelspause.
Stephane Heughebaert gegen die Ajoie-Spieler Lars Frei und Bastien Pouilly.
Cedric Maurer führt im zweiten Drittel die Scheibe. Die Oltner konnten im Mitteldrittel zum 2:2 ausgleichen.
Oltens Dion Knelsen ist vor Marc Camichel an der Scheibe.
Das entscheidende Tor. Nach 49 Sekunden in der Verlängerung trifft Devos zum Sieg für Ajoie. Simon Rytz kommt nicht mehr an die Scheibe.

Heisses Duell im Kleinholz zwischen Olten und Ajoie.

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Einen Punkt gewonnen? Oder doch zwei verloren? Der derzeit krisengebeutelte EHC Olten musste nach der 3:4-Niederlage nach Verlängerung gegen das Spitzenteam Ajoie eine spezielle Güterabwägung vornehmen. «Wenn mir am Samstagmorgen jemand einen Punktgewinn angeboten hätte, dann hätte ich angesichts unserer Lage wohl dankend zugesagt», sagte EHCO-Headcoach Fredrik Söderström nach der Partie. Um im gleichen Atemzug anzufügen: «Aber dann haben wir vermutlich unser bestes Spiel in der laufenden Saison gezeigt. Und wir haben trotzdem verloren. Das bricht mir das Herz.»

«Wenn’s nicht läuft, dann läuft es einfach nicht»

Ähnlich tönte es bei Oltens Vorzeigekämpfer Silvan Wyss: «Das Resultat ist enttäuschend angesichts der Tatsache, dass wir über weite Strecken gut gespielt haben. Es ist bitter. Wenn’s nicht läuft, dann läuft es einfach nicht. Ich glaube, dass wir die drei Punkte verdient gehabt hätten.» Wyss verwies dabei vor allem auf das starke Unterzahlspiel der Oltner, welches die Grundlage dazu legte, dass man am Ende einen sehr sehenswerten Auftritt hinlegte. Allein im ersten Drittel musste der EHCO viermal gegen das beste Powerplay der Liga (30 Prozent Erfolgsquote) agieren, darunter sogar zwei lange Phasen in doppelter Unterzahl. Doch die Powermäuse kämpften aufopferungsvoll und kamen dadurch automatisch besser ins Spiel.

Erzielte gegen Ajoie sein erstes Tor im Dress des EHC Olten: Brennan Othmann.

Erzielte gegen Ajoie sein erstes Tor im Dress des EHC Olten: Brennan Othmann.

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Brennan Othmanns Premiere

Im zweiten Drittel war so weit. Ein zügig vorgetragener Gegenstoss, Carbis zu Fuhrer, der legt quer zum heranbrausenden Brennan Othmann. Der 17-Jährige nimmt die Scheibe an, wartet einen kurzen Augenblick und bezwingt Ajoie-Goalie Tim Wolf schliesslich mit einem präzisen Handgelenkschuss ins entfernte Toreck.

"Das war eine tolle Vorarbeit von Carbis und Fuhrer", schwärmte Brennan Othmann nach dem Spiel, als er sein erstes Tor für den EHC Olten und sein allererstes auf Profilevel beschreiben musste. Trotz der Niederlage freute sich der Schweiz-Kanadier sichtlich über seine Premiere. Leonardo Fuhrer ergatterte den Torpuck und überreichte Othmann dieses spezielle Erinnerungsstück nach dem Spiel.

Othmann krönte mit dem zwischenzeitlich Ausgleich zum 2:2 einen Steigerungslauf vom Ersatzspieler zum festen Bestandteil einer starken Offensivlinie. Seine Rolle wurde innerhalb einer stark verunsicherten Mannschaft, die vor allem in der Offensive verzweifelt auf Impulse hoffte, zuletzt immer prominenter. Gegen Ajoie bildete er zusammen mit Dion Knelsen und Jewgeni Schirjajew eine Sturmlinie. Und sorgt mit seinem Spielverständnis und seinem Zug für Tor auch immer wieder für gefährliche Momente in der gegnerischen Zone.

Noch gibt es aber Situationen, in denen ersichtlich ist, dass Brennan Othmann mit seinen 17 Jahren noch einiges zu lernen hat. Punkto Explosivität und vor allem bei der Arbeit in der Defensive hat der Stürmer, der im kommenden Jahr in der ersten Runde des NHL-Drafts gezogen werden könnte, noch viel Steigerungspotenzial. Aber alles andere wäre angesichts seiner Jugend auch erstaunlich.

Tatsächlich gelang es den Oltnern, bei denen vor allem die aggressive Störarbeit und generell das hartnäckige Auftreten auf dem Feld gefielen, das Geschehen ausgeglichen zu gestalten. Und vor allem, auch in der Offensive immer wieder Akzente zu setzen. Sie mussten sich aber lange gedulden, ehe sie für ihre Bemühungen auch resultatmässig belohnt wurden. Brennan Othmann erzielte mit seinem ersten Tor im Dress des EHC Olten im Mitteldrittel den Ausgleich. Garry Nunn gelang gut zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit nach einem herrlichen Pass von Stephane Heughebaert sogar der Führungstreffer. Die Oltner kamen dem Überraschungssieg tatsächlich sehr nahe. Aber 69 Sekunden vor der Schlusssirene wurden die ungemein offensivstarken Jurassier für ihre Druckwelle belohnt. Reto Schmutz traf zum 3:3. Und in der Verlängerung kam es so, wie es kommen musste: Das Ajoie-Atomduo Devos/Hazen spielte Katz und Maus mit den Oltnern. Nach 49 Sekunden zappelte der Puck hinter dem zuvor stark agierenden EHCO-Goalie Simon Rytz.

Am Ende ging der EHC Olten also zum dritten Mal in Serie als Verlierer vom Eis. «Das ist extrem bitter, aber auch nicht wirklich überraschend. Momentan wird uns nichts geschenkt. Es gibt Phasen, da gelingt dir alles und du weisst nicht einmal warum. Oder dann ist es schlicht und einfach hart, so wie aktuell bei uns», fasste Fredrik Söderström die Gemütslage zusammen und fügte an: «Als ich nach dem Spiel in der Garderobe zu den Spielern sprach, konnte ich erkennen, dass ein paar von ihnen aus Enttäuschung über die Niederlage den Tränen nahe waren. Diese Emotionen machen mich glücklich. Auch wenn solche Niederlagen frustrierend sind, müssen wir in den nächsten Spielen genau gleich weiterarbeiten. Das gibt mir Hoffnung.»

Mit derselben Einstellung in die nächsten Spiele

Auch für Silvan Wyss war klar, dass die Einstellung, die man gegen Ajoie an den Tag gelegt hat, auch in Zukunft entscheidend sein wird: «Ich frage mich auch, weshalb wir diese Energie nicht in jedem Match aufs Eis bringen. Wir sind eine Mannschaft, aber am Ende muss trotzdem jeder einzelne Spieler mental bereit sein, ans Limit zu gehen.»

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