Bittere Niederlage

EHCO-Trainer Chris Bartolone: «Jetzt ist nicht die Zeit, um zu weinen»

Unfassbare Schlussphase: Chris Bartolone kann nicht fassen, was er sieht.

Unfassbare Schlussphase: Chris Bartolone kann nicht fassen, was er sieht.

EHCO-Trainer Chris Bartolone nimmt Stellung zur bitteren 5:6-Niederlage nach 5:2-Führung und sagt, weshalb solche Spiele ein Team auch stark machen können.

Trainer Chris Bartolone kommt nach der 5:6-Niederlage kopfschüttelnd aus der EHCO-Garderobe und versteht die Welt nicht mehr, als er zum Interview antritt. «Das ist unfassbar», sagt er, ehe er tief Luft holt und gefasst Red und Antwort steht.

Chris Bartolone, sagt Ihnen die Zahl 85 etwas?

Chris Bartolone: 85? Helfen Sie mir auf die Sprünge.

Innert 85 Sekunden hat ihre Mannschaft das Spiel aus der Hand gegeben und drei Treffer erhalten.

Ja, so schnell kann es gehen. So funktioniert dieser Sport. Solche Sachen gehören nun mal zu den Playoffs dazu. Wenn du etwas nachlässt, merkt dies der Gegner und macht noch mehr Druck, weil er spürt, dass noch etwas drinliegt. Wir wussten, dass die Schlussphase auch bei einer 5:2-Führung hart werden würde. Sie spielten dann immer wieder den Puck tief und gruben ihn aus. Leider sprang dann die Scheibe einige Male für sie. Drei Schüsse, drei Tore.

Umjubelter Treffer des HC Thurgau

Umjubelter Treffer des HC Thurgau

Aber man fragt sich: Wie kann man ein Spiel so leichtfertig noch aus der Hand geben? Wie kann das passieren?

Nun, die Antwort darauf kann nur sein: Es sollte nicht passieren. Aber so ist Eishockey. Man kann auch zurückblicken und den Gegner fragen, warum sie in Spiel zwei eine 3:1-Führung gegen uns noch aus der Hand gegeben haben. Es sind Playoffs - wir spielen nicht um einen zweiten Platz oder um das Heimrecht, wir spielen um Siege.

Umso bitterer dürfte sich die Niederlage anfühlen.

Ja, man muss insbesondere in den Playoffs defensiv 60 Minuten auf der Höhe sein, sonst fasst man eben solche Niederlagen.

Seien Sie ehrlich: Dachten Sie auch bereits an einen Sieg nach dem 5:2-Tor?

Natürlich will man die Luft nicht rauslassen und sich zurücklehnen. Aber vielleicht kommen schon einige Gedanken hoch: ‹5 Minuten vor Ende der Partie führt man 5:2, man spielt auswärts. Jetzt das Ding doch einfach noch nach Hause schaukeln!› Wir sind auch Menschen. Aber man muss sich, egal welcher Spielstand, nach wie vor bewusst sein, dass man auch trotz Führung die kleinen Details richtig macht. Das ist alles, was zählt.

Wurden Sie nervös, als plötzlich der 4:5-Anschlusstreffer fiel?

Nein, nein. Nervös nicht. Ich bin schon lange im Business und habe schon viel erlebt. Ich habe bloss versucht, Ruhe zu bewahren und die Spieler darauf zu fokussieren, was sie zu tun haben.

Leere Blicke nach der unfassbaren 5:6-Niederlage

Leere Blicke nach der unfassbaren 5:6-Niederlage

Was haben Sie dann vor der Verlängerung dem Team gesagt?

Dass wir uns nicht vorwerfen lassen sollten, was gerade passiert ist. Was geschehen ist, ist geschehen. ‹Jetzt ist nicht die Zeit, um zu weinen. Geht raus und holt euch diesen Sieg›. Leider sprang die Scheibe auch dann nicht für uns. Wir hatten gute Minuten in der Verlängerung, hatten die Strafe gut überstanden, gute Chancen kreiert, in denen wir fast getroffen hatten. Und wenn man dann diese auslässt, wird es eng: In neun von zehn Situationen kriegt man dann das Tor – und so war es auch gekommen.

Beschreiben Sie die Stimmung nach dem Spiel in der Garderobe.

Natürlich war niemand glücklich – die Spieler nicht, wir vom Staff nicht. Aber wichtig ist, dass wir nun aus unseren Fehlern lernen. Ich habe mal ein Zitat gelesen, das mich gepackt hat: ‹Du hast nie verloren, wenn du daraus lernst.› Vielleicht war die Niederlage sogar wirksam. Und so müssen wir diese anpacken. Ich wiederhole mich gerne: Man darf nicht zu hoch fliegen und nicht zu tief fallen.

Wie schwierig ist es nun, nach einer solchen Niederlage wieder aufzustehen?

Nun, es steht 2:2. Niemand hat sich irgend einen Vorteil erspielt, vielleicht höchstens, dass das nächste Spiel in unserem Stadion ausgetragen wird. Wir gehen heute mit leeren Händen nach Hause, das ist alles. Wir werden aber alles dafür tun, wieder ein solches Heimspiel zu zeigen, wie wir das am Freitag gezeigt hatten.

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