Die Beine ein bisschen schwer, der Kopf noch etwas müde: Mit Sack und Pack auf den Schultern und einem halben Dutzend Stöcken in der Hand stürzt sich Martin Ulmer am Montagmorgen, 8.30 Uhr zurück ins Vereinsleben.

Während sich die EHCO-Spieler in der Nati-Pause zwei Tage Auszeit gönnten und danach mit Trainings vorliebnehmen mussten, erlebte der 29-jährige Stürmer eine aufregende, intensive Woche im Kreise der österreichischen Nationalmannschaft.

Am Österreich-Cup resultierte nebst den zwei täglichen Trainingseinheiten aus einer 2:3-Niederlage nach Verlängerung gegen Norwegen, einem 8:3-Sieg über Südkorea und einer 1:2-Niederlage gegen Dänemark Platz 3 am Vierländer-Heimturnier von Innsbruck, nachdem man bis zum Schluss sogar noch intakte Chancen auf den Turniersieg hatte.

Martin Ulmer im EHCO-Auswärtsdress.

Martin Ulmer im EHCO-Auswärtsdress.

«Ich bin zufrieden, es lief mir sehr gut. Vor allem gegen Norwegen konnten wir immer wieder für Gefahr sorgen», sagt Martin Ulmer, der in der dritten Sturmlinie zum Einsatz kam und einen Assist verbuchen konnte. Weil Österreichs Headcoach Roger Bader stets fünf Sturmlinien aufbietet und jeweils eine aussetzen muss, kam Ulmer gegen Dänemark nicht mehr zum Einsatz.

Trotzdem verliess er das Nationalteam mit positiven Gefühlen. «Ich fühle mich wohl. Trainer Roger Bader hat einen Umbruch eingeleitet, viele junge Spieler eingebaut und damit für frischen Wind gesorgt. Er hat mir mitgeteilt, dass ich gut gespielt habe», so Ulmer, der hofft, auch beim nächsten Zusammenzug im Februar wieder zum Nationalteam zu gehören.

Schliesslich strebt Österreich an der WM 2018 – in derselben Gruppe wie die Schweiz – ein grosses Ziel an: «Es ist an der Zeit, dass sich der Aufsteiger nach neun Jahren endlich wieder in der Top-Division hält», so Ulmer.

Positive Testwerte

Auch sonst zeigt die Leistungskurve von Martin Ulmer in seiner mittlerweile vierten EHCO-Saison steil nach oben. In den bislang 17 Meisterschaftsspielen sammelte der Österreicher mit Schweizer Lizenz 16 Skorerpunkte (7 Tore, 9 Assists), weshalb der Mann mit feinen Händen und ausgeprägtem Spielwitz derzeit den gelben Topskorerhelm trägt.

Er streicht bodenständig heraus, dass er dies den EHCO-Trainern, die ihm viel Vertrauen und Freiheiten schenkten sowie den unzähligen Teamkameraden, mit denen es harmoniere, zu verdanken habe.

Dabei bekundete Ulmer nach den zahlreichen Wechseln ganz offensichtlich noch Mühe, seine Rolle im Team zu finden, obwohl er das ganz anders sieht: «Ich denke, es lief mir immer gut, hatte stets viele Chancen kreiert, nur wollten sie nicht reinfallen. Immerhin ist das positiv für den Kopf, weil man dann weiss, dass man doch nicht ganz alles falsch macht.»

Schon bald öffnete sich der Knoten und Ulmer fand sich wieder in einer Vorreiterrolle vor. «Geht dann mal eine Scheibe rein, kommt man in eine Phase, in der auch solche reinfallen, die man vielleicht sonst neben das Tor setzt. Ich hoffe, ich kann an den positiven Leistungen anknüpfen.»

Das würde nicht zuletzt auch mit Ulmers persönlich hochgesteckten Zielen korrelieren: «Ich will unbedingt noch einmal in der National League (NLA) spielen. An der letzten WM habe ich einen Schritt vorwärtsgemacht und gemerkt, dass noch viel mehr drinliegt. Das hat mich gepusht, weshalb ich hart an mir arbeite und das Ziel mit Nachdruck verfolge», sagt der ehemalige Bieler NLA-Spieler. Dass es Ulmer ernst meint, zeigen die neusten positiven Werte der Ausdauer-Sporttests der österreichischen Nationalmannschaft der vergangenen Woche. «Natürlich geht immer mehr, aber ich hatte gute Werte. Das ist erfreulich.»

Martin Ulmer (vorne) und Anthony Rouiller Qualifikation 16/17 EHC Olten

Martin Ulmer (vorne) und Anthony Rouiller Qualifikation 16/17 EHC Olten

Erfreulich findet er auch die Entwicklungen des Teams. «Wir haben sowohl gute Ausländer als auch gute Schweizer Spieler und unsere Torhüter sind ausgezeichnet. Wichtig ist, dass wir weiter an uns arbeiten, um dann auch das nötige Quäntchen Glück erzwingen zu können, wenn es gefragt ist», so der EHCO-Stürmer.

Man liest aus Ulmers Worten heraus, dass er seine persönlichen Ziele gerne mit dem EHCO erreichen würde. «Natürlich hat Olten Priorität. In den letzten dreieinhalb Jahren hat es mir hier sehr gut gefallen, es hat immer alles gepasst – ein fantastisches Umfeld, eine super Wohnung, ganz allgemein gute Bedingungen, Olten ist eine Topadresse», sagt Ulmer, um sogleich warnend anzumerken: «Aber es ist noch ein langer Weg. Man steigt nicht im November und auch nicht im Dezember auf.»