Gibts News bezüglich Kaderplanung?

Köbi Kölliker: Nun, es gibt schon News …

Erzählen Sie!

Die sind noch nicht spruchreif. Es dauert bestimmt noch eine Woche bis zehn Tage.

Was suchen Sie denn für Spieler?

Sicher einen Offensivspieler, der Tore schiessen kann und nach vorne arbeitet. Dazu einen eher defensiven Center. Mit Mäder haben wir einen, der beides kann, dazu Schneuwly und Feser, die eher nach vorne orientiert sind. Und wir müssen einen finden, der Wiebe ersetzen kann. Er brachte viel Power und arbeitete nach vorne, allein, er erzielte wenig Tore. Das heisst nicht, dass er schlecht war. Ich mochte ihn sehr als Spieler in seiner Rolle.

Tobias Bucher wäre ein möglicher Wiebe-Ersatz gewesen.

Genau, an dem waren wir dran. Er hat sich für Visp entschieden, das muss ich akzeptieren.

Trauern Sie dieser verpassten Chance nach?

(Energisch.) Nein, gar nicht. Ich kenne ihn in- und auswendig und hätte ihn sehr gerne genommen. Aber ich studiere keine Sekunde mehr über ihn nach.

Gibts noch genügend Alternativen?

Ja, sicher.

Auch solche, welche sich Olten leisten kann?

Sicher. Davon bin ich überzeugt.

Was suchen Sie denn? Gestandene NLA-Spieler?

Ich möchte schon einen, der Erfahrung hat und schon NLA gespielt hat. Aus der 1. Liga kommt bestimmt keiner.

Konkrete Namen?

Es sind drei Spieler, die infrage kommen. Sie alle wären bereit, bezüglich Klub, von ihrer Rolle auch, welche sie in Olten spielen könnten. Zu klären bleibt der finanzielle Aspekt.

Entmutigt es nicht ein wenig, wenn die Finanzen den Handlungsspielraum so stark einengen?

Nein, das ist Teil des Jobs. Das habe ich auch in anderen Vereinen erlebt. Wenn man einen Spieler unbedingt wollte, öffnete sich im letzten Moment vielleicht noch irgendwo ein Kässeli. Aber auch andernorts musste man sich innerhalb eines fixen Budgets bewegen.

Dieses Kässeli fehlt in Olten.

Manchmal wäre es tatsächlich praktisch, aber das macht es für mich auch interessant. Ich habe Wunschspieler, ich weiss in etwa, in welchem Bereich sie sich finanziell bewegen. Einige von ihnen müssten Einbussen in Kauf nehmen, aber sie erhalten in Olten einen dankbaren Job, welchen sie im Moment nicht haben. Da überlegt sich der eine oder andere, in Olten etwas zu bewegen, mitzuhelfen, den Kübel zu holen. Für mich ist es interessant, diese Spieler zu spüren, sie herauszufordern.

Verfügte das letztjährige Kader tatsächlich über die Qualität, den eigenen Ansprüchen gerecht werden zu können – was letztlich ja nicht gelang?

Auf alle Fälle.

Das heisst, die Mannschaft hat enttäuscht.

Nein, sie hat nicht enttäuscht, war aber auch nicht in Bestform.

Woran hat es gelegen?

Es gibt verschiedene Ansichten. Sie alle bergen ein Stückchen Wahrheit. Was am Ende ausschlaggebend war: Wir haben im entscheidenden Moment schlicht keine Tore geschossen. Unter dem Strich hat es ganz einfach nicht gepasst, anders als im letzten Jahr. Es kommen sehr viele Puzzleteile zusammen, und man kann nicht immer alles beeinflussen.

Gibt es denn etwas, das Sie sich vorwerfen müssen?

Ja. Ich hätte mit der Teamführung konkreter und härter ins Gericht gehen müssen. Die Auseinandersetzungen, welche wir führten, hätte ich härter und konsequenter führen müssen.

Welches waren denn die Problemfelder?

Es ist kein Geheimnis: Jeder Gegner konnte uns ausrechnen. Wir hatten oft keine Antwort und befanden uns wie in einem Tunnel – mit der Überzeugung, dass wir es mit unserer Klasse rumbiegen können. Wir waren auch das ganze Jahr über viel zu fehleranfällig. Manchmal konnten wir das kompensieren, manchmal nicht. Und wir hatten keinen Plan B. Diese Verantwortung liegt bei der Teamführung, da schliesse ich mich ein.

Hätte man denn früher die Notbremse ziehen müssen?

Nein, darum ging es nicht. Wir hätten vermehrt diskutieren müssen. Zwei Meinungen führen stets zu etwas Positivem. Es gab Gespräche, doch die Lösungsfindung überliess ich den Trainern. Sie haben die finale Verantwortung, sie arbeiten mit den Spielern.

Wenn man keine Entwicklung mehr sieht, muss man die Konsequenzen ziehen.

Wir haben uns intern immer zu unserem Trainer bekannt. Ich habe ihn immer gestützt und alles für ihn gemacht, war immer loyal.

Von Trainerseite kommt aber gerade der Einwand, dass man sich zuweilen habe abschotten müssen, dass Sie sich fast zu viel eingebracht hätten.

Ich stand täglich mit den Trainern in Kontakt und habe mich ab und zu eingebracht. Dass ich mich eingemischt hätte, das war überhaupt nicht so. Ich habe mich zwei, drei Mal mit Heikki etwas intensiver über das Spielsystem unterhalten, versuchte, eine andere Optik einzubringen, doch die Entscheidung lag immer bei ihm. Das ist auch gar kein Problem; mit diesem System hätten wir auch Meister werden können.

Versuchen Sie, in der nächsten Saison früher einzugreifen, mitzubestimmen?

Ich bestimme nicht mit. Der Trainer entscheidet, das war mit Heikki so und wird bei seinem Nachfolger nicht anders sein. Einbringen werde ich mich auch in Zukunft.

Was suchen Sie für einen Trainertyp? Einen mit einer klaren Linie, einen Selbstbewussten, …

Jeder Trainer hat ein gutes Selbstbewusstsein. Sonst wäre er nicht Trainer.

Irgendeine Konsequenz muss die letzte Saison diesbezüglich doch haben.

Nun, Heikki war ein ruhiger Typ, man konnte sich mit ihm sehr gut unterhalten, er vereinte interessante psychologische Aspekte. Heikki ist ein guter Trainer. Am Schluss brachten wir es schlicht nicht auf die Reihe. Was für einen hole ich jetzt? Ich suche sicher einen, welcher die Mannschaft mitreissen kann, einen auch, der das moderne Hockey bringt, die Mannschaft spürt und sie weiterbringen kann. Das ist das Entscheidende.

Wie viele Bewerbungen haben Sie bislang erhalten?

Anfang Woche waren es rund deren 40. Es werden laufend mehr, Stand heute ist wohl gegen 60.

Ist der Neue unter diesen 60?

Das kann ich noch nicht sagen.

Wie wäre es mit Lars Leuenberger? Was man so sieht, und was auch die Spieler über ihn sagen, scheint er seinen Job in Bern gemacht zu haben.

Durchaus, da bin ich gleicher Meinung. Jetzt ist man Feuer und Flamme für ihn. Aber vor fünf Wochen wäre das Urteil noch ganz anders ausgefallen, und da war er nicht der bessere oder schlechtere Trainer als heute. Allgemein kann ich sagen: Die Gewissheit, dass die Chemie stimmt, hat man nie. Doch ich kenne einige, welche sich beworben haben, persönlich. Dazu weiss ich jetzt ein wenig, wie die Mannschaft tickt – da kann man schon in etwa einschätzen, mit welchen Trainern es funktionieren könnte.

Bis wann wollen Sie sich entscheiden?

Wenn der Moment da ist.

Finden Sie es nicht wichtig, dass der Trainer auch ein wenig über die Zusammenstellung des Teams mitbestimmen sollte?

Im Moment könnte er noch über zwei Spieler mitbestimmen. Da bin ich eher dagegen.

Weshalb denn?

Stellen Sie sich vor, ein Trainer kann, im Extremfall, die ganze Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenstellen. Aus irgendeinem Grund scheitert das. Die Konsequenz: Man entlässt den Trainer. Dann hat man diese Spieler ein, zwei, vielleicht gar drei Jahre, und man holt einen anderen Trainer, mit einer anderen Philosophie. Meine Meinung ist, dass wir versuchen, eine gut durchmischte Mannschaft aufzubauen, welche zusammen Erfolg haben kann – und dazu den entsprechenden Trainer zu verpflichten.

Das heisst, der neue Trainer muss in erster Linie darauf eingehen, was er vorfindet, und nicht unbedingt seine eigene Philosophie verfolgen.

Doch, seine Philosophie kann und muss er einbringen. Absolut.

Fürchteten Sie selber zu irgendeinem Zeitpunkt um Ihren Job?

Nein. Wir haben die offiziellen Ziele erreicht, die Kritik beschränkte sich auf den Blätterwald. Das interessiert mich überhaupt nicht. Solange ich von Vorgesetzten keine entsprechenden Rückmeldungen bekomme, lässt mich das andere kalt.

Wünschen Sie sich in irgendeiner Beziehung Besserung, im Austausch mit dem VR beispielsweise?

Es gibt keine Wünsche. Es geht nur um das «Do it». Da sind wir dran, alles ringsum zu verbessern. Man hat gewisse Lecks entdeckt. Es sind alles Menschen, da passieren Fehler. Das ist auch kein Problem, solange man sich in die Augen schauen und Sachen verbessern kann.

Olten ist demnach ein Ort, wo Sie Ihren Job mit einer gewissen Zufriedenheit ausüben können.

Sicher, ja. Ein gutes Umfeld, ein ambitionierter, gut geführter Klub. Man hat die Bedingungen, welche man hier eben hat – und das ist auch richtig so. Es gibt andere Klubs, welche anders arbeiten. Aber deswegen möchte ich nicht unbedingt dort arbeiten. Wenngleich man dort vielleicht ein «Nötli» im Sack hätte anstatt, wie hier, nur «Münz».