Swiss League
EHCO-Klubpräsident Marc Thommen über Bengt-Ake Gustafsson: "Man spürte Resignation"

EHC-Olten-Klubpräsident Marc Thommen bezieht nach der Entlassung von Trainer Bengt-Ake Gustafsson Stellung und nimmt die Spieler in die Pflicht.

Silvan Hartmann
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EHCO-Präsident Marc Thommen.

EHCO-Präsident Marc Thommen.

Bruno Kissling

Marc Thommen, der EHC Olten hat reagiert und Gustafsson freigestellt. Erst einmal: Wie steht es um die Gefühlslage eines Präsidenten, der dies zum ersten Mal erlebt.

Marc Thommen: Das sind immer Situationen, welche alles andere als schön sind. Es ist für den EHC Olten sicherlich kein Freudetag und wir bedauern, dass es soweit kommen musste. Ich hatte für mich ein Ziel gesetzt: Dass man mit jenem Trainer, der in die Saison startet, auch das Saisonende bestreitet. Leider war dies nicht möglich.

Wie hat Gustafsson darauf reagiert?

Ich hatte am Sonntagnachmittag noch ein sehr gutes, sachliches Gespräch mit ihm. Nach diesem gehe ich davon aus, dass es für ihn nicht ganz unerwartet kam. Er ist ein Vollprofi und konnte die Situation selber sehr realistisch einschätzen. Ich möchte betonen, dass wir Gustafsson als Menschen schätzen gelernt haben. Ich bin mit ihm so verblieben, dass wir uns im Sommer vielleicht mal treffen und zusammen zurückblicken. Ich will damit sagen: Wir sind im Guten auseinandergegangen. Aber: Wir sind überzeugt, dass der Entscheid für den EHC Olten richtig ist.

Ist nicht mehr Trainer von Olten: Bengt-Ake Gustafsson Bengt-Ake Gustafsson wurde beim EHC Olten entlassen.

Ist nicht mehr Trainer von Olten: Bengt-Ake Gustafsson Bengt-Ake Gustafsson wurde beim EHC Olten entlassen.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Wie kam es zu dieser Entlassung? Erzählen Sie.

Nun, wir hatten vor 14 Tagen auch nach Gesprächen mit Spielern entschieden, dass wir mit Gustafsson weiterarbeiten möchten. Wir hatten gehofft, dass wir mit einem Statement Impulse setzen können. Leider zeigte die Entscheidung keine Wirkung. Das Ziel war klar: Die Mannschaft soll aus dem Tief finden, doch vor allem die letzten zwei Spiele gegen Ajoie und auch gegen die GCK Lions haben gezeigt, dass dies absolut nicht erfüllt wurde. Man hat gemerkt, dass die Spieler das Vertrauen verloren haben. Es hat einige Situationen gegeben, in welchen wir bemerkt hatten, dass der Trainer die Spieler nicht mehr erreicht.

Hätte man am Trainer festgehalten, wenn er gegen die GCK Lions gewonnen hätte?

Das Resultat war für mich nicht immer wegweisend, entscheidend war vor allem das Auftreten der Mannschaft aber auch der Trainer. Und das hat wohl den Ausschlag gegeben: Man spürte Resignation bei Gustafsson. Er hatte die Mannschaft verloren.

Gustafsson ist ein ruhiger Typ. War er vielleicht zu introvertiert für diese Mannschaft?

Es ist schwierig für mich, eine Beurteilung dazu abzugeben, weil ich nicht täglich in der Garderobe bin. Aber es kann schon sein, dass seine ruhige Art zumindest nicht geholfen hat, um das Team wieder aus dem Tief zu reissen.

Hat er den Spielern zu viele Freiheiten gelassen?

Gustafsson ist ein absoluter Hockeypionier. Ich glaube, er war der erste Schwede, der in der NHL Fuss gefasst hatte. Er hat als Spieler wie auch als Trainer sehr viel richtig gemacht. Ja, er gibt den Spielern sehr viele Freiheiten, was aber nicht heisst, dass diese sich ausruhen können. Nimmt ein Spieler diesen Führungsstil auf die leichte Schulter, geht es einfach nicht auf. Wir müssen ehrlich sein: Vielleicht denkt einer von zehn Schweizer Spielern so wie Gustafsson, aber die restlichen brauchen hin und wieder eine Peitsche.

Können Sie sich als Klubpräsident etwas vorwerfen lassen?

Man kann es nie allen recht machen. Es gibt Leute, die mir vorwerfen, dass wir vor rund zwei Wochen Gustafsson gestützt haben. Handkehrum gibt es Leute, die nun fragen, ob die Freistellung wirklich notwendig war.

Vielleicht waren Sie mit dem stützenden Entscheid zu gutgläubig.

Man muss Leuten im Leben eine Chance geben. Bei einem solchen Personalentscheid geht es immer auch um menschliche Aspekte. Natürlich hatten wir gehofft, dass danach die Wende eintritt, leider war das nicht der Fall, weshalb wir gezwungen waren, zu handeln.

Sie setzen nun auf Chris Bartolone, der noch nie Headcoach eines Teams war sowie Michael Tobler, der auch noch nicht viele Führungserfahrungen gesammelt hat.

Unser Hintergedanke ist, dass wir mit dem Trainerwechsel nicht noch eine grössere Unruhe in die Mannschaft bringen wollen. Mit einem Trainerwechsel kann man Spieler auch verunsichern und mental komplett verlieren. Die Spieler sind derzeit in einem Riesenloch, aus dem sie nun finden müssen. Und Chris kennt die Spieler, kennt die Mannschaft, kennt die Liga und hat bewiesen, dass er das Knowhow und die Fähigkeiten hat, Headcoach zu sein. Er geniesst nicht nur unser vollstes Vertrauen, sondern auch jenes der Spieler.

Chris Bartolone übernimmt von Bengt-Ake Gustafsson

Chris Bartolone übernimmt von Bengt-Ake Gustafsson

Urs Lindt/freshfocus

War ein neues Gesicht an der Bande kein Thema?

Selbstverständlich wurde diskutiert, welche Trainer verfügbar wären. Aber wir haben uns früh für diese Lösung entschieden und auch keine Gespräche mit anderen Trainern geführt, deshalb stand das auch nicht weiter zur Diskussion.

Die Frage bleibt, wie die Spieler ihr Potenzial ausschöpfen sollen.

Nun stehen die Spieler in der Pflicht, ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig, als dort Konsequenzen zu ziehen. Diese Mannschaft hat zweifellos ein grosses Potenzial, die Qualität stimmt. Nur war das Team bislang nicht in der Lage, dies aufs Eis zu bringen. Ich bin zuversichtlich, dass das bald der Fall sein wird. Es werden auch langzeitverletzte Spieler zurückkommen, die ihren Teil dazu beitragen werden.

Wie soll es weitergehen?

Das Team wird nun hart daran arbeiten, dass wir bereits am Freitag zu einer ersten Reaktion gegen Langenthal fähig sind. Anschliessend stehen auch mit Visp, Winterthur und Ticino Rockets wichtige Spiele an. Der dritte Rang ist noch möglich und wir werden alles dafür tun, diesen zurückzuholen. Primär liegt der Fokus auf einem Heimrecht-Playoffplatz, den wir zwingend holen möchten. Wir haben ein Kader, welches dieses Ziel erreichen muss. Wir gehen diesen Weg, bestreiten deshalb vor den Playoffs noch ein Trainingscamp und sind überzeugt, dass das Team rechtzeitig bereit ist.

Man hat derzeit das Gefühl, der EHC Olten würde gegen jeden Kontrahenten in den Playoffs den Kürzeren ziehen. Hat man die Saisonziele neu formuliert?

Nein, wir werden vor den Playoffs nochmals klar definieren, wohin es gehen soll. So hat das der Klub schon immer gemacht. Aber es ist klar, dass wir hohe Ansprüche und Ziele verfolgen. Mit den Playoffs fängt alles wieder von vorne an.