Der Knall – er kommt an der ordentlichen Generalversammlung der EHC Olten AG an einem Punkt, an dem den EHCO-Aktionären bereits der Duft des Apéro riche in die Nase stieg und das Ende des formellen Teils ganz nahe war: Unter dem Traktandum 10, «Verschiedenes», verkündete EHCO-Präsident Marc Thommen dann den Paukenschlag. Irgendwie unvermittelt. Unerwartet. Überraschend. Peter Rötheli, der umtriebige EHCO-Geschäftsführer, tritt per Ende der Saison 18/19 ab. Nach 13 Jahren.

«Ich muss etwas schneller reden, ansonsten werde ich sentimental», eröffnet Peter Rötheli schmunzelnd seine kurze Rede, mit Tränen in den Augen, die immer dicker werden, als er den minutenlangen Applaus der Aktionäre entgegennimmt. Mit gebrochener Stimme fügt er an: «Dieser Verein ist mir ans Herz gewachsen. Es ist mir ein Anliegen, allen möglichen Leuten zu danken, mit denen ich auf meinem Weg zusammenarbeiten durfte. Ich habe diesen Job immer gerne ausgeübt. Ich hoffe, genauso wie ich selber auch, dass ihr alle diesem Verein verbunden bleibt. Vielen Dank für ihre Unterstützung.»

EHCO-Präsident Marc Thommen bedankt sich für die jahrelange Arbeit bei Geschäftsführer Peter Rötheli, der den Tränen nahe stand

EHCO-Präsident Marc Thommen bedankt sich für die jahrelange Arbeit bei Geschäftsführer Peter Rötheli, der den Tränen nahe stand

Nachfolger Reber kennt die Szene

Nach dem formellen Teil ist Peter Rötheli, von allen «Pesche» genannt, die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, dass der Hammerschlag, sein Rücktritt, endlich öffentlich wurde. «Ich hatte das in den vergangenen Tagen nicht gerne, dass ich mit kaum jemandem darüber sprechen konnte», sagt er.

Mit dem Entschluss, das verantwortungsvolle Amt des Geschäftsführers abzugeben, beschäftigte er sich ein erstes Mal intensiv in der Saison 16/17. Aber Rötheli wollte nicht aufgeben. Er hatte sich noch einmal aufgerafft, Motivation geholt im Zuge der beachtlichen Veränderungen im Verein der letzten Jahre – neue Führung, Bekanntgabe neuer Ziele.

Bis ihm in der vergangenen Saison – einmal mehr – wegen Doppelbelastungen die Arbeit über den Kopf gewachsen war und er kein Licht mehr sah. «Es war belastend, Tag für Tag dem Druck standhalten zu müssen», sagt er im Gespräch mit dem Oltner Tagblatt. Und so kam der Gedanke wieder auf, das Amt niederzulegen. Seinen definitiven Entschluss fasste Rötheli vor wenigen Wochen. «Ich hatte gute Gespräche mit dem Verwaltungsrat, die mir keinen Stein in den Weg legen wollten.»

Der Verwaltungsrat machte sich in der Folge auf die Suche nach einem Nachfolger und konnte mit Patrick Reber eine ideale Person für das herausfordernde Amt gewinnen. Reber kennt die Eishockeyszene bestens und ist gut vernetzt.

In seiner bisherigen Laufbahn arbeitete Reber für den SC Bern, mehrere Jahre und in verschiedenen Funktionen für den Eishockeyverband und die Eishockey-Nationalliga sowie für Ausrüster Interhockey AG. Er hat ausserdem ein MBA und ein Diplom in Sportmanagement.

Die Übergabe der Geschäftsleitung erfolgt bereits per 1. November 2018. Da Rötheli bis Ende Saison noch beim EHC Olten bleibt, kann eine geordnete Übergabe gewährleistet werden.

Übernimmt die Geschäftsführung beim EHC Olten: Patrick Reber.

Übernimmt die Geschäftsführung beim EHC Olten: Patrick Reber.

Ein Leben ohne EHC Olten kann sich Rötheli derzeit nur schwer vorstellen. «Der EHCO war mein Leben. Ich gab immer 150 Prozent Einsatz für den Verein, alles andere kam über Jahre hinweg nebenbei. Das prägt einen schon», blickt Rötheli nachdenklich zurück.

Was er ab Mai 2019 mache, stehe noch in den Sternen. «Ich bin offen für Neues», meint der ausgebildete Jurist, den keine Existenzängste plagen, habe er doch über die Jahre hinweg immer wieder Jobangebote erhalten.

Er habe vor allem in den letzten zwei Jahren gemerkt, dass es auch ein Leben neben dem EHCO gebe. «Es war mir bald klar, dass eines Tages der Moment kommen wird, an dem ich das Amt abgeben werde. Die Frage war nur, wann dies der Fall sein wird.» Er erachte den Moment nun als ideal und sei froh, dass eine geordnete Übergabe stattfinde.

Titel als fehlendes Puzzleteil

2006 übernahm Rötheli die Geschäftsführung des EHCO. Er hatte sich zwei Jahre zuvor als jahrelanger Fan quasi auf den Job aufgedrängt, in dem er an vorderster Front stand, als es darum ging, den EHCO vor dem Konkurs zu retten. Rötheli gründete mit Freunden den Verein «Pro Hockey Olten» und war massgeblich daran beteiligt, dass der EHCO überlebte.

«Wenn ich daran denke, dass wir damals keine Strukturen hatten, nicht einmal ein Jahresbudget aufstellten, macht es mich stolz, nun einen intakten Verein mit grossem Potenzial übergeben zu können», sagt Rötheli.

Nur eines fehlt: der Meistertitel. «Das wäre grossartig, wenn wir den Titel holen könnten.» Es wäre ein Abschiedsgeschenk der Superlative.