NLB
EHC Oltens langer Weg auf den Thron

Nach der verrückten Partie vom Freitag (9:4) führen die Oltner in der Playoff-Serie gegen Visp mit 3:2 Siegen – und reisen voller Selbstvertrauen ins Oberwallis.

Fabian Soland
Drucken
Teilen
War mit seinen zwei Treffern am Freitag massgeblich am 9:4-Sieg der Oltner beteiligt: Captain Stefan Hürlimann.

War mit seinen zwei Treffern am Freitag massgeblich am 9:4-Sieg der Oltner beteiligt: Captain Stefan Hürlimann.

Hansruedi Aeschbacher

Zuerst muss nun der vierte Sieg gesichert werden. Aber dann ist alles möglich – auch der Titel», meinte ein in Ekstase geratener Olten-Fan nach dem unglaublichen 9:4-Sieg am Freitagabend im heimischen Kleinholz-Stadion. Die Euphorie war nachvollziehbar. Denn was die 5043 Zuschauer zuvor zu Gesicht bekommen hatten, gehörte zum Besten und Spannendsten dieser Saison. Einzig im zweiten Drittel schien die Mannschaft von Trainer Heikki Leime kurzzeitig mit sich selbst zu hadern – und handelte sich einen zwischenzeitlichen 3:4-Rückstand ein.

«Typisch Olten» meinten gar einige Zuschauer nach dem vergebenen 3:0-Vorsprung nach dem zweiten Drittel. Doch das war rasch Geschichte. Kobach, Hürlimann, Schneuwly, Romanenghi, Feser und schliesslich Hirt erlegten den Visper Löwen endgültig und verwandelten die Oltner Eishalle in eine grosse Festhütte. «Der Hänger im zweiten Drittel war menschlich. Wir wurden nervös und dann ist es schwierig, aus dem Spiel heraus die Fehler abzustellen. Zum Glück kam dann bald die Pause. Aber man kann auch sagen, das letzte Drittel war typisch Olten», meinte Hürlimann mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Es scheint, als würden die Oltner rund um Captain Stefan Hürlimann dem zweiten Drittel nicht gross nachtrauern. Das ist auch richtig so – und dies nicht nur wegen des fulminanten Schlussdrittels. Schliesslich gilt es heute den Fokus voll auf Spiel Nummer sechs zu setzen. Denn nun haben die Dreitannenstädter zwei Möglichkeiten, die Serie definitiv zu entscheiden. Ob der hohe Sieg gegen die Oberwalliser zu einem psychologischen Vorteil für die Powermäuse führen wird, überlässt Hürlimann den Sternen, bemüht jedoch postwendend eine alte Playoff-Weisheit: «Der vierte Sieg ist immer der schwierigste. Wir dürfen uns nicht aus dem Konzept bringen lassen.»

Klar ist auf jeden Fall, dass Visp in dieser Serie nichts mehr zu verlieren hat. Vor heimischem Publikum wird die Mannschaft von Ex-EHCO-Trainer Scott Beattie aus der Kabine kommen wie die Feuerwehr und mit allen Mitteln versuchen, eine «Belle» zu erzwingen. Hürlimann ist sich dessen bewusst, erwidert jedoch selbstbewusst: «Wir müssen dagegenhalten. Visp soll kommen. Wir sind bereit.» Er spricht mit einer Überzeugung und Entschlossenheit, die man zuletzt in Spiel Nummer drei und vier auf dem Eis vermisst hat. Heute gilt es nun, diese Worte in Taten umzusetzen. Wenn dies gelingt, sollte einem Halbfinal-Einzug nicht mehr allzu viel im Wege stehen, denn über die bisherigen fünf Spiele gesehen, waren die Dreitannenstädter spielerisch klar die bessere Mannschaft.

Dies haben die Oltner am Freitag eindrücklich im letzten Drittel bewiesen, als sie mit den Vispern Katz und Maus – oder passender ausgedrückt Löwe und Maus – spielten. Diese überzeugenden 20 Minuten muss sich die Mannschaft von Heikki Leime als Massstab nehmen, wenn sie sich für höhere Aufgaben empfehlen will.

Doch anders als die Fans wagt Stefan Hürlimann noch nicht, vom Meistertitel zu träumen: «Klar, das ist das grosse Ziel. Aber wir nehmen Spiel für Spiel und arbeiten jeden Tag hart dafür. Fakt ist: Vom Titel sind wir noch neun Siege entfernt.» Neun Siege. Das ist noch ein langer Weg. Ein sehr
langer sogar. Aber wer hätte letzten Freitag nach dem zweiten Drittel schon gedacht, dass am Schluss die Zahl neun auf dem überdimensional grossen Videowürfel im Kleinholz aufleuchten würde?

Aktuelle Nachrichten