Alles andere als ein weiterer EHCO-Triumph würde erstaunen. Dies, nachdem die Baseler Ende Januar hoch offiziell die Segel gestrichen und mit dem Ausverkauf der Spieler bekräftigt haben, dass sie null Bock mehr auf Playoffs haben. Wirtschaftliche Schadensbegrenzung einer sportlich missglückten Saison steht für die Sharks im Vordergrund.

Dem EHC Olten kann die Kapitulation der Beppis «schnurzegal» sein. «Für uns ist jeder Sieg wichtig», sagt EHCO-Stürmer Diego Schwarzenbach. So kurz vor Beginn der Playoffs am Freitag hat schliesslich niemand in Oltens Reihen Lust, mit Pleiten gegen «Frühbucher» respektive «Schwanzteams», das eigene Selbstvertrauen in Schieflage zu bringen.

Hopp und Topp

Umso mehr, als dass Olten zuletzt ein Auf und Ab gekennzeichnet hat. Sechs Siegen in Serie folgten vier Niederlagen «en suite». Seit gestern sind es wieder zwei Siege hintereinander. Für Schwarzenbach hat das Hopp und Topp durchaus einen Hintergrund. «Wir hatten sehr viele Verletzte und waren ständig gezwungen, Umstellungen vorzunehmen», sagt der 25-jährige Stürmer. Das habe für eine gewisse Destabilisierung der Automatismen gesorgt. EHCO-Coach Scott Beattie fügt dem hinzu, «dass dadurch die Belastung einiger Spieler sehr gross geworden ist.» «Zudem», so der 44-jährige Kanadier, «waren einige mit ihren Gedanken schon ein bisschen früh in den Playoffs.» Auf den Playoff-Start hin darf Olten wieder mehr oder weniger auf Vollbestand seiner Kräfte bauen.

Das Playoff-Erfolgsrezept

Wer der nächste Gegner des EHCO sein wird, entscheidet sich morgen. GC, La Chaux-de-Fonds und Visp kommen noch in Frage. «Wir wollen in den Final», sagt Schwarzenbach. Insofern müsse man gegen alle gewinnen können.

Exemplarisch für den EHCO ist dessen Heimstärke, wie das gestrige Spiel einmal mehr gezeigt hat. Kein anderes Team der Liga ist zu Hause erfolgreicher als Olten. Das offensiv beste Team der NLB hat ziemlich genau zwei Drittel seiner Tore vor heimischen Anhang erzielt und also nur ein Drittel auswärts.

Ein markant divergierender Wert, selbst wenn Scott Beattie relativiert: «So etwas kommt bei vielen Teams vor.» So krass? Diego Schwarzenbach hat eine Erklärung: «Auswärts spielen wir ein defensiveres Hockey als auf eigenem Eis, wo wir auf die Unterstützung unserer Fans zählen können.»

Die Krux dieser Auslegung ist die, dass Olten dabei auswärts nicht weniger Tore kassiert als auf eigenem Eis – im Gegenteil (2,8/home; 3,0/away). Einleuchtend also, dass dieser «Meccano» unweigerlich zu Niederlagen in der Fremde führen muss. Der Schlüssel zu starken Playoffs liegt für den EHC Olten folglich darin, entweder auswärts ebenfalls so oft zu treffen, wie im Kleinholz (durchschnittlich 5,6-mal/auswärts 3-mal) oder dann mit dem von Schwarzenbach angesprochenen, defensiveren Auswärts-System auch effektiv deutlich weniger Gegentreffer einzufangen.

Einschläfernde Ruhe

Mit rund 3500 Fans pro Heimspiel ist der EHC Olten eine Heimmacht. «Die tolle Stimmung, für die die Fans sorgen, beflügelt jeden von uns», hält Schwarzenbach fest. Eine pathetische Atmosphäre, die für Teams, die sich eine solche Fiesta gewohnt sind, in der Fremde, wenn plötzlich Tristesse regiert, schnell zum Problem werden kann. Unterbewusst könne sich dies durchaus lähmend auf die Leistung auswirken, räumt Schwarzenbach ein. «Für uns ist der Heimvorteil auf jeden Fall mehr wert als für ein GC», sagt der Stürmer. Die GCK Lions spielen heuer zu Hause vor durchschnittlich 262 Fans, Thurgau vor 644. Darum würde sich Schwarzenbach sehr auf einen «Halbfinal gegen Langenthal freuen». Auf Schoren müssen sich die Oltner vorkommen wie daheim – darum haben sie heuer wohl auch alle drei Spiele in Langenthal gewonnen.