FC Grenchen
Edvaldo Della Casa: «Es war wirklich eine turbulente Zeit»

Edvaldo Della Casa (39) spricht im Interview über seinen Abschied vom FC Grenchen und erklärt, weshalb er die Flinte trotz der teilweise turbulenten Umstände seit der Winterpause nicht ins Korn geworfen hat.

Hans Peter Schläfli
Drucken
Edvaldo Della Casa liess sich beim FC Grenchen auch von den turbulenten Entwicklungen nicht beirren.

Edvaldo Della Casa liess sich beim FC Grenchen auch von den turbulenten Entwicklungen nicht beirren.

Hans Peter Schläfli

Nach einem turbulenten Jahr verlässt Edvaldo Della Casa den FC Grenchen, um beim FC Breitenrain in der 1. Liga Promotion unter professionellen Bedingungen in seiner Trainerkarriere einen Schritt weiter zu kommen. «Ich danke allen beim FCG, die mit ihrem grossen Einsatz meinen persönlichen Erfolg möglich gemacht haben», sagt der bald 40-jährige Brasilianer zum Abschied vom FC Grenchen.

Edvaldo Della Casa, wie haben Sie das turbulente Jahr beim FC Grenchen erlebt?

Edvaldo Della Casa: Während der Herbstrunde lief es eigentlich ganz normal, wenn man davon absieht, dass ich erst im letzten Moment engagiert wurde. Aber, als ich im Januar von meinen Ferien aus Brasilien zurückkehrte, lag alles in Trümmern. Es war kein Geld mehr da, die Entschädigungen für die Spieler wurden um 80 Prozent gekürzt oder ganz gestrichen. Viele Spieler wollten ganz aufhören.

Nicht weniger als 6 Stammspieler verliessen daraufhin den FCG.

Es war wirklich eine turbulente Zeit mit vielen Sitzungen und Gesprächen. Ich verstehe durchaus, dass sich die Spieler, die auf das Geld, das sie im Fussball verdienen können, angewiesen sind, eine neue Mannschaft gesucht haben.

Wie war es unter diesen Bedingungen überhaupt möglich, sportlich erfolgreich zu sein?

Eine meiner Stärken ist es, eine Gruppe zu formen, die als Einheit auftritt. Ich habe den Spielern gesagt, wenn sie schon dreimal in der Woche auf den Fussballplatz kommen und so, viel für den Sport opfern, dann sollen sie auch das Beste geben und nicht die Zeit verschwenden. Wenn wir nur halbe Sachen machen wollen, bleiben wir lieber gleich zu Hause. Das haben alle verstanden. Die Spieler, die geblieben sind, haben die Herausforderung akzeptiert und in den drei Monaten der Frühlingsrunde Tolles geleistet.

Warum haben Sie nicht die Flinte ins Korn geworfen?

Das entspricht nicht meinem Naturell. In der Krise wird man stärker. Ich habe die Herausforderung angenommen, um daraus zu lernen und ein besserer Trainer zu werden. Ich wollte aus der schwierigen Situation mit einem viel zu kleinen Kader das Beste herauszuholen. Das ist gelungen und so konnten wir bis drei, vier Runden vor Schluss sogar noch hoffen, die Aufstiegsspiele zu erreichen. Ich denke, auch das hat den Verantwortlichen beim FC Breitenrain gefallen. Dass am Ende ein gewisser Einbruch zu sehen war, ist erklärbar. Wir kamen an unsere Limiten und als klar war, dass wir uns nicht mehr für die Aufstiegsspiele qualifizieren konnten, ging uns die Luft aus.

Welchen Eindruck haben Sie von der Investorengruppe, die jetzt den FC Grenchen retten will?

Ich verstehe, dass der FC Grenchen in der jetzigen Situation jede Hand ergreifen muss, die ihn vielleicht vor dem Fall in den Abgrund retten kann. Ich weiss aber zu wenig über diese Investorengruppe und kann deshalb dazu nichts sagen.

Vor rund 20 Jahren kamen Sie erstmals in die Schweiz, um beim FC Grenchen zu spielen. Seither haben Sie im Schweizer Fussball viele Stationen durchlaufen. Mit welchen Gefühlen verlassen Sie nun den FCG?

Der FCG befand sich damals in einer schwierigen Situation und ist es noch heute. Ich bin den Leuten hier und ganz besonders den jetzigen Spielern sehr dankbar. Sie alle haben mit ihrem Einsatz und ihrem guten Willen auch mir dabei geholfen, dass ich im Fussball vorwärtsgekommen bin.

Aktuelle Nachrichten