Kanu
Durch weniger stürmische Gewässer Richtung Olympische Spiele

Die 20-jährige Solothurnerin Melanie Mathys will an die Olympischen Spiele und wechselt darum das Gewässer. Seit Oktober paddelt sie vorwiegend auf stillem Wasser.

Michael Schenk
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Melanie Mathys paddelt Richtung Olympische Spiele 2016. zvg

Melanie Mathys paddelt Richtung Olympische Spiele 2016. zvg

Im Wildwasser gehört sie in ihrem Kajak zu den Besten der Welt. 2013 war sie Vizeweltmeistertitel im Sprint, 2012 Jugend-Europameisterin im Sprint und klassischen Bewerb. Jetzt aber hat sich Melanie Mathys entschieden, es künftig ruhiger angehen zu lassen.

Zumindest was den Wellengang unter ihrem Boot angeht. Als Regatta-Kanutin will sie sich einen Traum erfüllen und an den Olympischen Spiele 2016 dabei sein. «Ich wurde angefragt, ob ich Lust hätte, in einem Vierer-Projekt mitzumachen.»

Und: «Natürlich wäre es cool, in Rio dabei zu sein.» Also paddelt die Maturandin seit Oktober nun vorab auf stillem Wasser geradeaus. 200 m und 500 m sind bei den Frauen olympisch. Da sie zu Beginn ihrer Laufbahn schon Regatten gefahren ist, sei ihr die Umstellung auf das kippeligere Boot mit Besatzung nicht so schwer gefallen. Inzwischen hat sie Takt und die Balance gefunden.

Kein wirkliches Quartett

Weil olympisch und damit gefördert, trainieren die Regatta-Kanuten und -Kanutinnen viel öfters zusammen in Trainingslagern als die diesbezüglich auf sich gestellten Wildwasser-Sportler. Im Verlauf der letzten sechs Monate hat Melanie Mathys so bereits «fünf oder sechs Trainingslager» absolviert. In Tenero, in Portugal oder in Italien.

Das nächste steht diese Woche an. Danach gehts zum ersten Wettkampf im italienischen Mantua. Ob sie da jedoch im Vierer startet, ist noch offen. Grund: Eine Frau aus dem Rio-Projekt-Quartett bringt deutlich weniger Power ins Boot, als die anderen drei. «So macht es keinen Sinn, etwas zu versuchen», sagt Mathys. Weil: Die anderen müssten sich ja quasi auf das Niveau der Schwächsten runterbremsen, damit «Harmonie» und Rhythmus passen.

Es gibt Momente , da macht es keinen Sinn, sich dem schwächsten Glied einer Kette anzupassen – dies ist so einer. Also steht die Option, Olympia in Rio als Zweier- oder Einer-Team zu erobern, auch zur Debatte. Zeit, um der Weisheit letzten Schluss bezüglich Bootsklasse zu finden, bleibt genug.

Wenig finanzielle Unterstützung

Melanie Mathys macht beruflich derzeit ein Zwischenjahr, während dem sie sich voll auf den Sport fokussiert. Wenn sie nicht am Trainieren ist, bessert die Spitzensportlerin ihre Kasse mit Nachhilfe-Unterricht und Hütediensten auf. Finanziell wird die Solothurnerin weder von Swiss Olympic noch vom Verband unterstützt. Allein von der Stadt Solothurn erhält sie einen Förderbeitrag. Den Rest indes muss die sie selber berappen. Auch jetzt, da sie eine Saison rund 15 000 Franken kostet. Viel mehr als vorher im wilden Wasser. Aber was tut man nicht alles, um einen Traum wahr zu machen.