Schwimmen

Durch eine Verletzung wurde Sheena Cameron zur goldenen Brustschwimmerin

Sheena Cameron unterwegs zum Sieg über 100 m Brust an den Schweizermeisterschaften in Genf.

Sheena Cameron unterwegs zum Sieg über 100 m Brust an den Schweizermeisterschaften in Genf.

Gold über 200 und 100 m Brust, Gold mit der 4-mal-200-m-Crawl- und 4-mal- 100-m-Lagen-Staffel der Zürcher Limmat Sharks sowie Silber über 400 m Lagen – dies die stolze Ausbeute von Sheena Cameron an der Schweizer Meisterschaft jüngst in Genf.

Bis vor besagten Titelkämpfen stand die 20-Jährige aus Küttigkofen noch nie zuoberst auf einem SM-Podest. Und nun also dieser Quantensprung und erst noch in einer «neuen» Disziplin. In noch jüngeren Jahren als heute hat die Studentin der Gesundheitswissenschaften an der ETH Zürich, die unter der Woche in einer WG in der Limmatstadt lebt, nämlich vorab auf den Delfin- und Lagenstrecken kräftig Medaillen eingeheimst. So war sie mehrfache Schweizer Jugend-Meisterin.

Noch heute sagt sie: «Wenn man mal an eine Disziplin sein Herz verloren hat, bleibt man immer mit ihr verbunden. Darum will ich auch in Zukunft nicht auf Delfin- und Lagenrennen verzichten.» Allein schon, um sich nicht zu sehr auf eine Stilart zu fixieren und gegebenenfalls, so es denn mal harzen sollte, zu arg zu verkrampfen. Sheena Camerons Liebe zu den 200 m Delfin ist diesbezüglich aussergewöhnlich. Notabene eine Strecke, die auf der Beliebtheitsskala vieler Schwimmer einen ähnlichen Platz einnimmt, wie bei Kindern Fenchel mit Ingwer an einer Honig-Senf-Dill-Sauce auf dem Speiseplan. Die 200 m Delfin sind pickelhart. So hart, dass da schon manch einer das Japsen in anaerober Vollendung erfahren hat.

Eltern sei dank

Grund dafür, dass Sheena Cameron zuletzt mehr auf die Bruststrecke fokussiert hat, ist auch ein Bandscheibenvorfall im Jahr 2010. Zeitweise konnte sie damals kaum noch laufen. «Ich wusste nicht, ob ich je wieder würde schwimmen können», erinnert sie sich. Woher die Schmerzen seinerzeit plötzlich herrührten, kann sie nicht sagen. «Jeder Sportler hat seine Schwachstelle – bei mir ist es offenbar der Rücken.» Massgeblich «schuld» daran, dass die vierfache Meisterin heute fast wieder frei von Beschwerden trainieren und Sport treiben kann, sind Sheenas Eltern. Beide stammen aus dem Schwimmsport – Mutter Ildiko war viele Jahre Trainerin bei Eichholz Gerlafingen und der Regionalauswahl, Vater Ewen ist Orthopäde mit Praxis in Solothurn und war lange Mannschaftsarzt der Nationalmannschaft. Dieses geballte «Know-how» innerhalb der Familie hat dazu geführt, «dass man rasch die richtige Diagnose stellen und die richtigen Therapiemassnahmen einleiten konnte», erzählt Sheena Cameron. Mit viel Physiotherapie und einem adaptierten Wassertraining hat man so ein abruptes Karriereende – «so, wie ich es nie gewollte hätte» – schliesslich abwenden können.

Mit mehr Genuss im Wasser

«Ich habe durch diesen Vorfall sicher vermehrt zum Brustschwimmen gefunden», sagt Sheena. Einerseits, um den Rücken durch weniger ungünstige Unterwasserphasen zu entlasten; andererseits aber auch, weil sie in dieser Disziplin gar nie wirklich schlecht war. 2012 hatte sie sich an der SM über
200 m bereits auf Rang 5 klassiert.

Heute jedenfalls sieht die sportliche Zukunft von Sheena Cameron wieder ausgesprochen rosig aus. «Es ist ein tolles Gefühl, Schweizer Meisterin zu sein», sagt sie. «Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass das heute so ist, hätte ich das nie für möglich gehalten.» Der Küttigkoferin, die es angesichts ihrer Geschichte umso mehr geniesst, überhaupt noch Spitzensport treiben zu können, ist freilich klar, dass die Titel künftig nichts gratis einbringen. Harte Arbeit, um weitere Ziele zu erreichen, bleibt ihr durch die Goldmedaillen nicht erspart. Ziele, die für eine Schweizer Meisterin, die seit September bei einem der stärksten Teams des Landes trainiert, nur internationale Titelkämpfe sein können.

Universiade im Visier

Ihre Bestzeiten über 200 und 100 m Brust hat Sheena Cameron an der SM förmlich pulverisiert. Um mehr als 6 Sekunden war sie auf der langen Bruststrecke schneller als je zuvor. Auf der kurzen waren es gute 2 Sekunden. Mit den 2:34,89 respektive den 1:12,66 ist sie jetzt top im Land. Was die internationalen Pools angeht, gehört sie damit an die Spitze der NLB. Die Limite für die Universiade im Juli hat die leidenschaftliche Sportlerin über 100 m Brust in Genf aber nur um eine Sekunde verpasst. Bis im Juni hat sie die Chance, den Richtwert bei einem weiteren Versuch zu knacken. «Ich werde es bestimmt versuchen – wo und wann weiss ich aber noch nicht», sagt sie. Nun, wenn sich Bewusst- und Unterbewusstsein erst einmal an die Metamorphose zur Meisterin sprich zum neuen Fähigkeits-Niveau gewöhnt haben, liegt so eine Sekunde bald drin.

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