EHC Olten
Drei Punkte, viele Fragezeichen: Der 3:1-Sieg des EHCO gegen Schlusslicht Sierre sorgt für gemischte Gefühle

Der EHC Olten schafft mit einem 3:1 bei Aufsteiger Sierre den ersten Auswärtssieg, lässt viele Wünsche offen. Noch gibt es viele Baustellen im Konstrukt von Headcoach Fredrik Söderström. Zählen konnte dieser zum Glück auf den starken Schlussmann Silas Matthys.

Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
Zweiter Sieg in Folge: Der EHCO Olten gewinnt mit 3:2 gegen den HC Sierre. Riccardo Sartori macht am Schluss alles klar. Der EHCO-Spieler erzielt den dritten und letzten Treffer des Abends für seine Mannschaft.
22 Bilder
Sein Gegner ist am Schluss überraschenderweise am Zug, doch in der brisanten Schlussphase behält EHCO-Spieler Dominic Weder auf dem Eis einen kühlen Kopf.
Letztlich trägt die Druckphase der Heimmannschaft Früchte. Die Mannschaft darf den Anschlusstreffer zum 1:2 von Arnaud Montandon (2.v.r) bejubeln.
Im Schlussdrittel ist der EHCO-Schlussmann Silas Mathys gefordert. Nach Unkonzentriertheiten seiner Vorderleute muss der Torhüter mehrmals in letzter Sekunde eingreifen und sein Team retten.
Sierre ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, Thomas Devesvre (l.) liefert sich ein hart geführtes Duell mit Marco Truttmann.
Michael Rudolf (l.) lässt Remy Rimann hinter sich - für die EHCO-Fans wird dieses Duell aber eher zur Nebensache. Sie sind nun zur Sidener Kurve gepilgert, um das Spiel von dort aus zu geniessen.
Was für ein seltenes, aber umso schöneres Bild: Gemeinsam feiern die beiden Fangruppen das Spiel in der Sidener Kurve der Gäste.
Letztlich darf sich Lukas Haas (r.) freuen, während Maxime Montandon mit sich hadert. Am Ende des Mitteldrittels bleibt die 2:0-Führung trotz einiger Widrigkeiten stehen.
Trotz erneutem Führungstreffer gerät der EHCO gegen Ende des Mitteldrittels ins Stolpern. Silvan Wyss (l.) hat einen schweren Stand gegen Thomas Heinimann und den HC Sierre.
Cedric Maurer (M.) wird mit Eric Castonguay (l.) und Guillaume Asselin gleich von zwei Sierre-Spielern in Beschlag genommen.
Doch EHCO-Spieler Marco Truttmann behält die Nerven, Loic Vouardoux (r.) kann in seiner Gegenwart nicht reüssieren.
Der Kasten von EHCO-Torhüter Silas Matthys bleibt einmal mehr sauber.
Auch in das Mitteldrittel startet der EHCO rasant, in der 22. Minute erzielt Riccardo Sartori das 2:0, die Freude ist gross.
Zwei Drittel, zwei Tore: Die gesamte Mannschaft freut sich über den erfolgreich verlaufenen Start.
Nach dem ersten Drittel führt der EHCO mit 1:0, Silvan Wyss (r.) lässt Loic Yoann Massimino und Sierre keine Chance.
Auch Dion Knelsen (r.) lässt nicht mit sich spielen, Sierre-Spieler Loic Vouardoux hat hier eindeutig das Nachsehen.
Routinier Daniel Eigenmann (r.) weiss wie es geht, gekonnt lässt er seine Konkurrenz hinter sich.
Bereits nach vier Minuten darf Olten jubeln, der Torschütze Silvan Wyss (l.) freut sich mit Vorlagengeber Dion Knelsen (M.) über das 1:0.
Der Freundschaft zum Trotz schenken sich die beiden Mannschaften auf dem Feld nichts. EHCO-Spieler Keijo Weibel (l.) geht eiskalt in den Zweikampf mit Loic Privet.
Symbolischer Puckeinwurf vor dem Spiel: Wenn der EHCO gegen Sierre spielt, dann trifft er nicht nur auf Konkurrenz.
Seitdem Sierre mithilfe von Olten den drohenden Konkurs abwenden konnte, herrscht noch mehr Respekt zwischen den beiden Teams. Die Fans bedanken sich gar mit einem Plakat beim EHCO.
Swiss League, 9. Runde: HC Sierre - EHC Olten (05.10.2019)

Zweiter Sieg in Folge: Der EHCO Olten gewinnt mit 3:2 gegen den HC Sierre. Riccardo Sartori macht am Schluss alles klar. Der EHCO-Spieler erzielt den dritten und letzten Treffer des Abends für seine Mannschaft.

freshfocus

Rund um die altehrwürdige Patinoire de Graben in Sierre ging es an diesem Sonntagabend harmonisch zu und her. Die Fanlager der Walliser und des EHC Olten verbindet seit Jahren eine Freundschaft, welche durch die finanziellen Rettungsversuche der Oltner vor sechs Jahren angesichts des sich anbahnenden Konkurses der Siderser noch akzentuiert worden war.

Nun gab es nach einem halben Dutzend Saisons ein Wiedersehen in der Swiss League. Entsprechend wurde mit einem gemeinsamen Apéro und schliesslich mit den vereinigten Fankurven auf der Tribüne würdig gefeiert.

Dumm nur, vermochte das Geschehen auf dem Eis nur bedingt mit der wunderbaren Atmosphäre mitzuhalten. Auf der einen Seite waren dem HC Sierre die fünf Niederlagen in Serie und das Abrutschen in den Tabellenkeller anzumerken. Auf der anderen Seite schien auch der 6:2-Sieg gegen Thurgau keine besonders beruhigende Wirkung auf die Spieler des EHC Olten zu haben.

Silas Matthys hält die drei Punkte fest

So entwickelte sich ein Spiel auf sehr überschaubarem Niveau. Wobei man sich auf Seiten der Oltner durchaus die Frage stellen durfte, was denn genau der Plan war gegen diesen verunsicherten und ersatzgeschwächten Gegner. Denn das, was der EHCO vor den 2433 Zuschauern bot, das war mehrheitlich sehr magere Kost.

Dass das trotzdem zum so lange ersehnten ersten Auswärtssieg der neuen Saison reichte, war das mit Abstand Beste an diesem dürftigen Auftritt. Die Tore von Silvan Wyss (4.) und Riccardo Sartori (22.) und vor allem die Paraden des starken Silas Matthys, der erneut den Vorzug vor Stammgoalie Simon Rytz erhielt, wiesen den Weg zu den wichtigen drei Punkten.

Aber schaut man genauer hin, dann kommt man beim besten Willen nicht darum herum, festzustellen, dass es immer noch viel zu viele Baustellen gibt im Konstrukt von Headcoach Fredrik Söderström. Selbst wenn man die gewichtigen Ausfälle in Betracht zieht, so würde das die Oltner nicht dran hindern, wenigstens strukturiert und konzentriert zu Werke zu gehen.

Mit Unkonzentriertheiten in Nöte gebracht

Aber bis auf wenige, gefällige Druckphasen gelang es dem EHCO nie, einen bescheidenen Gegner zu kontrollieren. Im Gegenteil: Die Oltner brachten sich mit unzähligen Unkonzentriertheiten und Aussetzern immer wieder in Nöte. Ein Beispiel: Silvan Wyss und Philipp Rytz fassten jeweils kurz vor Drittelsende unnötige Strafen (Reklamieren/Revanchefoul) und brachten die Walliser so zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten wieder ins Spiel zurück. Bestraft wurden diese dummen Aktionen nur deshalb nicht, weil Silas Matthys einmal mehr einen Glanztag einzog.

Generell fällt auf, dass beim EHCO zu viele Passagiere mitgondeln. Besonders von einem Routinier wie Lukas Haas würde man sich mehr Impulse wünschen, wenn es hart auf hart geht. Da kommt schlicht zu wenig. Momentan fehlen Söderström die personellen Alternativen, um auch mal ein Zeichen setzen zu können.

Klar ist aber: In diesem Stil kann und darf es nicht weitergehen, wenn der EHCO seine ambitionierten Ziele erreichen will. Das lässt sich schon jetzt, bevor das Laub von den Bäumen gefallen ist, feststellen. Die Oltner haben nun fünf Tage Pause, ehe am Samstag die Reise zu Leader Ajoie auf dem Programm steht. Treten die Powermäuse auch in Pruntrut derart wirr und unkoordiniert wie in Sierre auf, dann wird es eine ordentliche Brause setzen. Ohne Feststimmung.

Telegramm

HC Sierre – EHC Olten 1:3 (0:1, 0:1, 1:1)

Graben. – 2433 Zuschauer. – SR: Erard/Staudenmann (Micheli/Steenstra). – Tore: 4. Wyss (Knelsen) 0:1. 22. Sartori (Schwarzenbach) 0:2. 58. Arnaud Montandon (Heinimann, Wyniger/Sierre ohne Goalie) 1:2. 59. Sartori (Sierre ohne Goalie). – Strafen: 2 Minuten gegen Sierre. 4-mal 2 Minuten gegen Olten.

Sierre: Giovannini; Bezina, Guebey; Wyniger, Dozin; Devesvre, Maxime Montandon; Vouardoux; Massimino, Castonguay, Asselin; Arnaud Montandon, Heinimann, Riat; Ducret, Riman, Vouillamoz; Bernazzi, Privet, Fellay.

Olten: Matthys; Philipp Rytz, Elsener; Sartori, Eigenmann; Heughebaert, Lüthi; Maurer; Wyss, Knelsen, Truttmann; Fogstad Vold, Schirjajew, Schwarzenbach; Lanz, Rudolf, Haas; Weder, Rexha, Weibel.

Bemerkungen: Olten ohne Horansky, Rouiller, Nunn, Weisskopf (alle verletzt) und Salzgeber (krank). Sierre ohne Meyrat, Kyparissis, Abreu de Nobegra, Patry und Impose (alle verletzt).

Sie haben das Spiel verpasst? Lesen Sie den Verlauf der Partie im Liveticker nach

Aktuelle Nachrichten