Eishockey NLB

Drei Gegentore innert 23 Sekunden: der kolossale Kollaps des EHC Olten

Viel Dynamik im Spitzenkampf - Schneuwly und Eigenmann stehen symbolisch dafür.

Viel Dynamik im Spitzenkampf - Schneuwly und Eigenmann stehen symbolisch dafür.

Olten verspielt gegen den Leader in La Chaux-de-Fonds eine 4:2-Führung und verliert am Ende sogar noch in der regulären Spielzeit mit 4:6. Ein Dreierpack des Heimteams kurz vor Schluss sorgt für das bittere Resultat.

Welch ein verrücktes Ende eines unglaublichen Spektakels! Der EHC Olten ist auf dem besten Weg, Leader La Chaux-de-Fonds die erste Heimniederlage nach der regulären Spielzeit zuzufügen. Etwas mehr als eine Minute vor Schluss führen die Oltner in der Patinoire des Mélèzes mit 4:3. Doch nach einer schier unfassbaren Endphase gehen sie schliesslich mit einer 4:6-Niederlage vom Eis. Es ist ein kolossaler Kollaps der Powermäuse, der eine an und für sich gute Leistung vernichtete.

Hürlimann als tragische Figur

Was ist passiert? Das Drama beginnt damit, dass Captain Stefan Hürlimann knapp drei Minuten vor der Schlusssirene den Treffer zum 5:3 auf dem Stock hat. Er vergibt die goldene Chance zur Entscheidung – und begeht im Gegenzug ein unnötiges Foul. Mit fatalen Konsequenzen. Der Ex-Oltner Fabian Ganz nutzt das folgende Powerplay 62 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit mit seinem zweiten persönlichen Treffer des Abends zum 4:4-Ausgleich aus. Kurz vorher hat der EHC Olten gleich zweimal Pech. Erst trifft Nicolas Leonelli den linken Pfosten des (leeren) Tors der Gastgeber. Kurz darauf trifft Stefan Mäder nur die rechte Stange des Gehäuses. Wieder schrammen die Oltner zweimal haarscharf an der Entscheidung vorbei. Und es kommt noch viel schlimmer: Die euphorisierten Chaux-de-Fonniers schlagen gegen die geschockten Gäste gleich noch einmal zu. 20 Sekunden nach dem Ausgleich stochert Bonnet die Scheibe zum 5:4 ins Oltner Tor. Und keine drei (!) Sekunden später jubeln die Zuschauer im Neuenburger Jura schon wieder. Dominic Forget trickst am Bully sein Gegenüber Cédric Schneuwly aus: Er lässt ihn das Anspiel absichtlich gewinnen. Die Scheibe rutscht ungebremst ins inzwischen leere EHCO-Tor. Es ist der unglaubliche Schlusspunkt eines verrückten Spiels.

Mit drei Toren innert 23 Sekunden hatte der Leader damit eine Partie gedreht, die lange Zeit sehr gut lief für den EHC Olten. Die Powermäuse führten nach einem konzentrierten Beginn und dank einer effizienten Chancenauswertung schnell mit 2:0, danach auch noch 3:1 und 4:2. Vorne wurden die Tore gemacht, und hinten zeigte Goalie Matthias Mischler gegen die ungestüm anstürmenden Neuenburger immer wieder seine Klasse. Für ihn war die Niederlage fast am bittersten, befand Oltens Stürmer Ueli Huber, der eine ebenso starke Darbietung gezeigt hatte: «Es tut mir vor allem für Mischler leid. Wir waren ganz einfach zu blöd, das Ganze über die Zeit zu bringen. Wir sind hundert Prozent selber schuld», zeigte sich Huber selbstkritisch.

EHCO-Trainer Maurizio Mansi hatte selbstredend ebenso Mühe, den Lauf der Dinge in die richtigen Worte zu fassen. Doch auch er wusste, wo der Hund – neben dem fehlenden Glück bei den Pfostenschüssen – begraben lag: «Wir haben zu viele Strafen genommen. Damit haben wir ihnen die Chance gegeben, ins Spiel zurückzukommen. Das ist schade. Weil die Spieler hart gearbeitet haben. Und sie werden vermutlich Albträume haben wegen des leeren Tors ...»

Mansi kam jedoch nicht darum herum, den starken Gegner ebenfalls zu loben. «Sie haben viele Spieler, die Tore schiessen können. Und sie haben viel mehr Zweikämpfe gewonnen als wir. Das müssen wir verbessern.» Am Dienstag gegen Thurgau ist bereits die nächste Gelegenheit.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

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