Rückblick

Doppeladler, Federer und der grosse Knall beim EHC Olten: ein Sportjahr voller Faszination

Sorgte 2018 für grosse Aufregung: Der Doppeladler.

Sorgte 2018 für grosse Aufregung: Der Doppeladler.

Die Schweizer Sportlerinnen und Sportler haben aufregende Monate hinter sich. Was bleibt von Olympischen Spielen oder Fussball-Weltmeisterschaft? Und welche Geschichten waren prägend für die Region und darüber hinaus?

Federers Furcht vor dem Monster

Er hatte es ja geahnt, dass es so kommen würde. Dass er sich an einem Vorbild wird messen lassen müssen, dem keiner gerecht werden kann: an sich selber, an der Saison 2017, in der zu Gold wurde, was er anfasste. Umso überraschender war, dass Roger Federer es tatsächlich schaffte, neue Superlative zu provozieren. Er gewann in Melbourne sein 20. Grand-Slam-Turnier und wurde im Februar mit 36 Jahren und 195 Tagen und nach über fünf Jahren Unterbruch noch einmal die Nummer eins der Welt.

Seine Saison war auch danach gut: es gab Titel in Stuttgart und Basel, den Halbfinal in London. Aber eben: Der Schatten des Vorjahrs lag manchmal in der Luft. «Jenes Monster, das ich erschaffen habe», wie es Federer, von dem nur Siege erwartet werden, einmal sagte. Es wird ihn auch 2019 verfolgen. Vielleicht ein letztes Mal. (sih)

Roger Federer weint Tränen des Glücks

Roger Federer weint Tränen des Glücks (29. Januar 2018)

Federer gewinnt seinen 20. Grand-Slam-Titel und ist nach dem Sieg sichtlich erleichtert und schlicht überwältigt. Federer gewinnt seinen 20. Grand-Slam-Titel und ist nach dem Sieg sichtlich erleichtert und schlicht überwältigt.

Schweizer Medaillen und eine Armee der Schönen

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea gehen in die Geschichte ein. Pyeongchang ist der Ort, an dem sich Langläufer Dario Cologna mit dem Gewinn der vierten Goldmedaille zum erfolgreichsten Schweizer Wintersportler krönt. Es ist der Ort, an dem die Schweizer Delegation so gross wie noch nie (167 Athletinnen und Athleten) und so erfolgreich wie selten zuvor (15 Medaillen) ist.

Sieben Podestplätze holen alleine die alpinen Skifahrer. Und es gibt neue goldene Schweizer Gesichter, etwa Freestyle-Skifahrerin Sarah Höfflin. Der karge und bitterkalte Ort im koreanischen Hinterland ist auch der Ort, wo die Annäherung des geteilten Koreas mit einer gemeinsamen Delegation ihren Lauf nimmt. Unvergessen die Auftritte der nordkoreanischen Cheerleader, dieser unwirklichen «Army of Beauty». (rs)

Beat Feuz widerlegt sich selbst

Beat Feuz gelingt, was er selbst nicht mehr für möglich hielt: Der 31-Jährige gewinnt im März die kleine Kristallkugel für den besten Abfahrer der Saison 2017/18. Dabei war er sich sicher: Mit seinem von zahlreichen Operationen und einem Infekt lädierten Knie wird er nie mehr eine Saison lang zu den Besten gehören – sehr wohl aber in den wichtigen Rennen.
Er irrt – und ist bei den Saisonhighlights trotzdem am besten: Im Januar siegt er am Lauberhorn in Wengen in der Abfahrt.

Er ist der erste Schweizer, der den Klassiker zweimal gewinnen kann. Schon 2012, bevor die Kniesorgen begannen, hatte er gewonnen. Eine Woche nach seinem zweiten Lauberhornsieg belegt Feuz in Kitzbühel auf der Streif Rang zwei und an den Olympischen Spielen im Februar gewinnt er Bronze in der Abfahrt und Silber im Super-G. (mpr)

Die Schweiz jubelt mit Beat Feuz

Die Schweiz jubelt mit Beat Feuz (13. Januar 2018)

Beat Feuz ist als Nummer Eins gestartet und hat die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen. Interview mit dem Schweizer Skifahrer nach seinem Sieg.

Fussball-WM: Die grosse Schweizer Aufregung

Was bleibt in Erinnerung nach dieser aufwühlenden WM? Die feiernden Franzosen? Die fliegenden Kroaten? Die frischen Engländer? Die faszinierenden Belgier? Oder eben doch das frustrierende Ende der Schweiz? Die Chance war einmalig. Ein Achtelfinal gegen keinesfalls übermächtige Schweden. Zudem ein offenes Tableau, das Träume zugelassen hätte. Doch dann: Wieder nichts.

Eine uninspirierte, blutleere Leistung zur Unzeit. Die bittere Wahrheit ist, dass die Schweiz im entscheidenden Moment weiterhin nicht fähig ist, ihre Topleistung abzurufen. So, wie das später beispielsweise in der Nations League beim 5:2 gegen Belgien gelang. Zum dritten Mal in Serie ist sie an einem grossen Turnier nun im Achtelfinal ausgeschieden. Der Höhenflug war anderen vorbehalten. Russland, Kroatien, Uruguay, Schweden.

Die Gründe sind vielfältig. Und teilweise hausgemacht. Die Doppeladler-Gesten von Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner beim 2:1 gegen Serbien entfachten derart viele Nebengeräusche, dass zu viel Energie abfloss.

Die Kräfte, die nötig gewesen wären gegen die robusten Schweden, waren schon aufgebraucht. Der ernüchternde Abschluss der WM mündete direkt ins Sommer-Desaster rund um die Nati. Ein Generalsekretär, der Doppelbürger infrage stellt. Ein Nationaltrainer, der sich mit seinem Leitwolf verkracht (offiziell: missversteht) und sich plötzlich in einer Debatte um seine Person wiederfindet. Ein Verband, der sich darum von ehemaligen FCB-Erfolgsgaranten durchleuchten lässt. Mehr Aufregung war selten. Schade nur, dass die Gründe kaum sportlicher Natur waren. (ewu)

Die WM-Bilanz von Fussballverbandspräsident Gilliéron

Die WM-Bilanz von Fussballverbandspräsident Gilliéron (5. Juli 2018)

Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) ist zwar auch sehr enttäuscht über das Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft, trotzdem zieht er eine positive Bilanz. Man müsse auch die gute Qualifikation miteinbeziehen. An Trainer Vladimir Petkovic will er weiterhin festhalten.

Das Gefühl, Gold verloren zu haben

Blickt man auf das Eishockey-Jahr zurück, werden die Schweizer Silber-Helden von Kopenhagen allenthalben gerühmt. Mannschaft des Jahres wurde unsere Hockey-Nati. Patrick Fischer wurde als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Das sind alles schöne Erinnerungen. Unmittelbar nach der 2:3-Finalniederlage gegen Schweden nach Penaltyschiessen herrschte im Lager der Schweizer jedoch Weltuntergangsstimmung. Von Freude über die Silbermedaille war da nichts zu spüren. Viel mehr herrschte da das Gefühl, den ganz grossen Exploit, den Gewinn des WM-Titels, verpasst zu haben. In der Tat war noch nie eine Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft näher dran gewesen, Gold zu gewinnen. Kevin Fialas vergebene Chance in der Verlängerung taucht noch jetzt vor dem geistigen Auge auf. (ku)

Ein Berner YuBeljahr

Es waren 32 lange Jahre des Wartens. Am 28. April 2018 wird Bern erlöst. YB ist wieder Fussball-Schweizer-Meister. Nsame trifft gegen Luzern in der 93. Minute zum 2:1, es ist das Tor zum Triumph. Zuvor hält Marco Wölfli einen Penalty. Für den Oldie – in seiner Karriere häufig zweiter Sieger – ist die Genugtuung besonders gross.

Tausende Berner feiern YB-Spieler

Tausende Berner feiern YB-Spieler

In Bern stieg am 20. Mai die YB-Meisterfeier. Die Schweizer Meister liessen sich in den Gassen der Hauptstadt feiern.

Dass YB den FC Basel als Liga-Krösus ablöst, hat viele Gründe. Der Baumeister des Erfolgs heisst Christoph Spycher. Dem Sportchef gelingt es, eine homogene Mannschaft zusammenzustellen und zu halten. Trainer Adi Hütter impft dem Team eine Winner-Mentalität ein. Er hinterlässt beim Abgang nach Frankfurt ein solides Fundament. Mit Nachfolger Gerardo Seoane qualifiziert sich YB gar erstmals für die Champions League. Dazu scheint der nächste Meistertitel Formsache. (ewu)

Lea Sprunger liefert und Pascal Mancini ist geliefert

Die grosse Schweizer Delegation (52 Sportlerinnen und Sportler) bietet an den Europameisterschaften in Berlin tolle Leichtathletik-Kost. Allen voran die Westschweizer Hürdenläuferin Lea Sprunger. Sie behält die Nerven und wird ihrer Favoritenrolle gerecht. Neben Sprungers Sturmlauf zu Gold werden auch die Leistungen von Steeplerin Fabienne Schlumpf und Marathonmann Tadesse Abraham mit Silber sowie von Sprinter Alex Wilson mit Bronze belohnt.

Mit gemischten Gefühlen an Berlin erinnert sich hingegen Mujinga Kambundji. Sie durchbricht 2018 über 100 m die Schallmauer von 11 Sekunden (10,95), geht an der EM mit drei vierten Plätzen, aber leer aus. Gar nicht dabei ist Sprinter Pascal Mancini. Der Freiburger wird wegen Facebook-Posts mit rechtsextremem Hintergrund aus dem Team verbannt. (rs)

Nach der Entlassung der Playoff-Finaleinzug

Am 4. Februar 2018 kommt es im Kleinholz zum grossen Knall: Der EHC Olten entlässt den renommierten Eishockey-Trainer Bengt-Ake Gustafsson nach nur einem Jahr: «Der Verwaltungsrat ist nach dem punkt- und torlosen Wochenende zum Schluss gekommen, dass mit Gustafsson die Klubziele diese Saison nicht mehr zu erreichen sind.» Es passierte, nachdem die beiden Spiele gegen Ajoie und die GCK Lions 0:2 verloren gingen.

EHC-Olten-Trainer muss per sofort gehen

EHC-Olten-Trainer muss per sofort gehen (5. Februar 2018)

Olten steckt tief in der Krise. Nach einem Tor- und Punktlosen Wochenende trennt sich der Eishockeyclub nun per sofort von Bengt-Ake Gustafsson.

Zwei Wochen zuvor hielten die EHCO-Verantwortlichen mit einem klaren Statement noch an Gustafsson fest, obwohl die Powermäuse ohne Spielwitz, ja ohne Kampfgeist aus den vorherigen 15 Spielen nur 5 Mal als Sieger hervorgingen. Schliesslich erwies sich der Trainerwechsel – Assistenztrainer Chris Bartolone wurde zum Headcoach befördert – als notwendiger Schritt.

Der 48-jährige Italo-Kanadier, der sich als Spielerversteher und Antreiber einen Namen gemacht hatte, schloss die Qualifikation mit seinem Team nach wenigen, kleinen Korrekturen doch noch auf dem dritten Rang ab. In den Playoffs folgte der Höhenflug. Erst eliminierte der EHC Olten den HC Thurgau mit 4:2 Siegen. Im Halbfinal trat der EHCO noch dominanter auf und wies Erzrivale Langenthal nach nur fünf Spielen in die Schranken. Es kam zum grossen Playoff-Final gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

Doch die Auftritte gegen Thurgau und Langenthal erwiesen sich als zu kräfteraubend. Nur ein Heimsieg resultierte aus der Affiche gegen den späteren Aufsteiger, die zermürbenden Lakers. Tränen flossen. Und dennoch: Der EHCO stand wieder einmal in einem PlayoffFinal, der in der laufenden Saison als das grosse Klubziel gewonnen werden soll.

Auch im Sommer blieb es nicht ruhig. Der zurückgetretene EHCO-Spieler Marc Grieder wurde zum Sportchef ernannt. Viel bewirken konnte er in der kurzen Zeit noch nicht. Und trotz neuerlicher Achterbahnfahrt mit Höhenflügen und Mini-Krise tut der EHC Olten in der neuen Saison gut daran, den Qualifikationssieg oder Platz 2 anzupeilen. Um Anlauf zu holen für den ganz grossen Erfolg im Jahr 2019: den Meistertitel in der Swiss League. (sha)

Die Krönung im Hexenkessel

Man könnte meinen, dass der Gewinn eines siebten WM-Titels bei einem Athleten keine grosse Gefühlsregung mehr provoziert. Nino Schurter hat in seiner Karriere schon so viel gewonnen – neben besagten WM-Titeln auch noch Olympia-Gold –, dass man ihm eine gewissen Abgeklärtheit nicht übel nehmen würde.

In Lenzerheide war im September aber alles etwas anders. Er hatte praktisch vor seiner Haustüre mit 25 000 frenetischen Fans am Streckenrand triumphiert. Da konnte Schurter gar nicht anders, als nach seiner Zieldurchfahrt so zu jubeln, als hätte er eben seinen ersten WM-Titel errungen. Wie sehr dieser Triumph in der ganzen Schweiz nachhallte, zeigte sich zwei Monate später. Im Dezember wurde der Bündner verdientermassen als Schweizer Sportler des Jahres ausgezeichnet. (ku)

Ryf und Schurter sind die Sportler des Jahres

Ryf und Schurter sind die Sportler des Jahres

Ein Perfektionist am Königsgerät

Am Königsgerät gelingt Oliver Hegi die beste Leistung seiner Karriere. An der EM im August in Glasgow holt der 25-Jährige Gold am Reck. Zudem gewinnt der Aargauer Bronze am Barren. Hegi ist erst der zweite Schweizer Kunstturner nach Ernst Fivian im Jahr 1959, der zwei Einzelmedaillen an einer EM gewinnt. Und erst zwei Schweizer vor ihm (Jack Günthardt 1957 und Pablo Brägger 2017) holten EM-Gold am Reck.

Während Hegi einen Höhepunkt erlebt, hat Giulia Steingruber Pech. Im Juli reisst sich die erfolgreichste Schweizer Kunstturnerin der Geschichte das Kreuzband. Aufgeben kommt für die 24-Jährige aber nicht infrage: «So will ich nicht zurücktreten», sagte sie und arbeitet am Comeback. Ihr Fernziel sind die Sommerspiele 2020. Den Traum von Tokio lebt sie gemeinsam mit Hegi. (mpr)

Taube Arme, starke Beine

Für Aussenstehende ist schon so schwer vorstellbar, was es bedeutet, das zu tun, was Daniela Ryf tut: Ironman Hawaii, eine der härtesten Ausdauerprüfungen der Welt. 3,86 km Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Fahrrad und 42,125 km Rennen.

Ryf hatte das Rennen die letzten drei Mal gewonnen. Doch es entbehrt jeglicher Vorstellungskraft, wie sie das ein viertes Mal schaffen konnte. Vor dem Start kommt sie mit einer Feuerqualle in Kontakt. Die Arme taub, die Schmerzen höllisch. Aufgeben? «Ist keine Option», sagt Ryf. Ihr Ziel: das Ziel. Die 31-Jährige verlässt das Wasser zwar mit Rückstand, doch ihre Beine sind stärker denn je. Ryf stellt auf dem Rad und im Laufen neue Bestzeiten auf, unterbietet ihren Streckenrekord um 18 Minuten und läuft in 8:26:16 Stunden im Ziel ein. Nicht einmal eine Qualle kann Ryf bremsen (sih)

Spott, Intrigen und ein Rückschritt

«Null Punkte». Tom Lüthi, 32, ist beim Versuch gescheitert, sich in der «Königsklasse» unter den letzten wahren Kerlen dieser Welt zu behaupten. Der Spott ist statistisch berechtigt. Er ist der erste Neuling der MotoGP-Klasse, der in seiner ersten Saison ohne WM-Punkte (Klassierungen unter den ersten 15) geblieben ist. Logisch also, dass es seine einzige Saison bleibt. 2019 kehrt er in die Moto2-WM zurück. Das ist die polemische Analyse. Tatsächlich ist dieses Scheitern ein Lehrstück, wie zerbrechlich das Glück in diesem Sport ist. Es hängt von zu vielen Faktoren ab, die der talentierteste Pilot nicht beeinflussen kann: der Technik und dem Zusammenhalt des Teams. Als Lüthis Team vor Saison-Halbzeit durch Intrigen und Wirren um verschwundene Millionen auseinanderbrach, war er chancenlos. (kza)

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