Was gibt es Schöneres, zumal bei den aktuell herrschenden Temperaturen, als sich mit dem Rad oder Bike in eine Abfahrt zu stürzen. Den Fahrtwind zu geniessen, herunterzufahren – den Berg einerseits, den Puls, nach dem vorausgegangenen Aufstieg andererseits. Bergab ist auch die bevorzugte Richtung von Dominik Betschart, doch der 31-jährige Balsthaler fährt in der Regel nicht (zuerst) hoch, sondern nur runter.

Downhill nennt sich diese Sparte des Mountainbikesports, und sie ist nur für die ganz Wilden unter den Bikern gedacht. «Verrückter Hund passt ganz gut», grinst Betschart gut gelaunt, «doch für uns ist das ganz normal. Wir machen das gerne, es ist unsere Leidenschaft.»

Bedingungen fürs Weitermachen

Dass Downhill gewiss zu den risikoreicheren Sportarten gehört, diese Erfahrung musste auch Betschart machen. Nach fünf Jahren praktisch ohne Sport und einer ersten Saison mit regelmässigen Renneinsätzen passierte es in Disentis: Sturz im Training und Saisonende. Kreuzbänder, Aussenband, Meniskus – alles, was im Knie kaputt gehen konnte, war gerissen oder beschädigt.

Erst in der letzten Saison kehrte er auf die Wettkampfbühne zurück, knüpfte ein Weitermachen aber an gewisse Bedingungen. «Wenn ich mich nur im Mittelfeld klassiere oder gar noch weiter hinten, dann ist Schluss», sagte er sich vor dem Bike Attack auf der Lenzerheide.

Weit über 700 Athleten schrieben sich für den populären Downhill-Anlass ein, und Betschart beendete die Qualifikation auf Rang 19. Doch die gute Startposition nützte ihm wenig: Am nächsten Tag erwischte er im Massenstart ein Drahtseil und schied mit einem Plattfuss aus. Dafür schlug er an drei Rennen im Europacup (EC) zu und klassierte sich dreimal unter den Ersten 10. Damit war klar, dass er auch 2013 weitermachen würde.

Lange vor seinem Einstieg in den Downhill-Sport gehörte der Thaler zu den besten Junioren des Landes, und zwar im Cross Country. Dank starker Leistungen an den nationalen Rennen schaffte er es damals gar in die Junioren-Nati, beendete seine «1. Karriere» aber dann aufgrund anhaltender Rückenprobleme.

Weite Wege fürs Training

Um zu Trainingsgelegenheiten und Renneinsätzen zu kommen, muss man als Downhiller aus unserer Region weite Wege gehen. Die bekannten Strecken befinden sich in der Westschweiz, im Wallis oder im Bündnerland, allenfalls im süddeutschen Todtnau.

«Schnelle technische Trails sind cool», meint Betschart über seine Vorzüge, «also zum Beispiel jene in Crans Montana und Verbier oder Champéry», so Betschart. «Weil man auf diesen Trails nicht sämtliche Elemente vorfindet, konzentriert man sich auf die Details. So wird zum Beispiel versucht, eine Kurve immer noch schneller zu fahren.»

In diesem Bereich, nebst den Sprüngen, entstehe denn auch am schnellsten die Differenz zu den absoluten Könnern ihres Fachs: «Die Profis fahren viel schneller in eine Steilwandkurve.» Zudem ist es ein Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man die Strecke abfährt: «Im Training ist man selten im Renntempo unterwegs, was im Rennen einen grossen Unterschied ausmacht.»

Bisher lief es nicht nach Wunsch

Die bisherige Saison verlief nur bedingt nach seinen Vorstellungen. Nach einer langen Winterpause verkam der erste EC-Auftritt in Leogang zum Test, dabei resultierte Rang 26. Nachdem er sich in den letzten Wochen vor allem mit längeren Ausfahrten auf der Strasse und etlichen Höhenmetern (bergauf!) in Form brachte, schliff er die letzten 14 Tage in Champéry an seiner Downhill-Form.

Und damit stiegen auch die Erwartungen an die bevorstehenden Rennen: «Am Europacup an diesem Wochenende wäre ein Top-20-Platz cool», und dann dürfe es ruhig in den Bereich der Besten 10 gehen – bevor am nächsten Wochenende die Rückkehr auf die Lenzerheide ans Bike Attack ansteht. «In der Quali wieder unter die Top  20 zu kommen, das ist das Ziel», so Betschart.