Radsport
Dieter Runkel: Vom Gejagten zum Jäger

Der ehemalige Weltmeister ist die Attraktion am Quer und Bikecup in Wolfwil. Vor 13 Jahren hat der Neuendorfer seinen letzten Ernstkampf bestritten, heute hält sich Runkel mit zwei neuen Hobbies fit.

Daniel Weissenbrunner
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Ein Weltmeister unter den vielen Hobbyfahrern: Dieter Runkel liess seine Gegner auch in Wolfwil stehen.

Ein Weltmeister unter den vielen Hobbyfahrern: Dieter Runkel liess seine Gegner auch in Wolfwil stehen.

Daniel Weissenbrunner

«Bravo Didi!» Dieter Runkel lacht. Er nimmt die Gratulationen dankend entgegen, leicht verlegen. Er erweckt den Eindruck, als wäre es ihm unangenehm. Der mittlerweile 46-Jährige feiert in Wolfwil den vierten Sieg in der laufenden Quer- und Bikecup-Serie. Zwar nur bei den Hobbyfahrern, aber immerhin. Für den Veranstalter und die Sportart ist Runkels Anwesenheit nicht gerade Gold wert, aber eine gute Visitenkarte.

Mit dem Spitzensport hat der Neuendorfer längst abgeschlossen. 2000 bestritt er an der WM in Holland seinen letzten Ernstkampf. Manch einer seiner Kontrahenten beim Rennen auf dem morastigen Untergrund in Wolfwil war bei seinem grösstem Erfolg noch gar nicht auf der Welt. 1995 holte sich Runkel an der Heim-WM in Eschenbach den Titel. Es ist der bisher letzte Schweizer Weltmeister in einer Sportart, in der die Radgenossen – angeführt vom legendären Albert Zweifel – jahrelang den Ton angaben. Die Spuren jenes Triumphs sind bei Dieter Runkel bis heute sichtbar. Auf seinem Tenü sind die Regenbogenfarben dezent aufgedruckt. Nicht gestickt, was in seinem Fall durchaus Sinn machen würde. Dieter Runkel ist Inhaber einer Stickerei.

Tochter als Motivatorin

Dass der GP Tell-Sieger von 1992 und Tour de France-Teilnehmer nach einem längeren Unterbruch sein Quer-Rad nochmals aus der Garage geholt hat, hat weniger mit seinem persönlichen Ehrgeiz zu tun. «In meinem Alter wird das schnell einmal peinlich.» Auslöser war Runkels Tochter, die ihre ersten «Gehversuche» auf dem Bike – unter Anleitung – ihres Vaters machen wollte.

Ansonsten gibt es bei Runkel heute mit dem Radsport kaum mehr Berührungspunkte. Der Kontakt zu seinen früheren Weggefährten ist weitgehend abgebrochen. 25 Jahre, davon sieben als Profi waren genug. Sein Rücktritt fiel in eine Zeit, als der Radsport mit den Dopingskandalen erstmals heftig in die Schlagzeilen geriet. Für Runkel war es der Moment, um sich zurückzuziehen. Diesem Druck wollte er sich nicht länger aussetzen.

In Safenwil nicht dabei

Fit hält er sich heute einmal in der Woche bei den Senioren des FC Härkingen und mit seiner neuen Leidenschaft, der Jagd. Runkel hat in diesem Frühling die Ausbildung abgeschlossen und streift während der Saison per pedes durch die Wälder rund um Egerkingen. Er nennt es eine persönliche Weiterbildung. Vor allem geniesst er aber die Natur, die Stille.»

Für seine Gegner sind das erfreuliche Nachrichten: Beim nächsten Rennen in Safenwil fehlt Runkel wegen seines neuen Hobbys. Der Gejagte von einst auf dem Rad, befindet sich neu in der Rolle des Jägers.