Handball
Dieser Weg wird für den TV Solothurn kein leichter sein

Der TV Solothurn startet heute Samstag um 17 Uhr im CIS gegen Kreuzlingen in die finale Phase der Meisterschaft.

Cedric Heer
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Oliver Zimmermann vom TV Solothurn letzten September im Spiel gegen BSV Bern Muri 2.

Oliver Zimmermann vom TV Solothurn letzten September im Spiel gegen BSV Bern Muri 2.

Hans Peter Schläfli

Ein Jahr ist es her, als in Solothurn eine Handballwelt zusammenbrach. Der Traum von der NLB musste vorerst aufgegeben und der Marschplan des Vereins überarbeitet werden. «Der Nichtaufstieg ist für das Team eine Katastrophe», sagte Präsident Stefan Blaser damals. Dabei sah der TV Solothurn nur sechs Tage zuvor nach dem sicheren Aufsteiger aus.

Die Liga wurde fast nach Belieben dominiert, auch in den Aufstiegsspielen blieben die Solothurner während dreier Spiele unantastbar. Dann der unerwartete Einbruch. Die Partien gegen die späteren Aufsteiger aus Pilatus und Wädenswil gingen verloren. Solothurn erreichte den undankbaren dritten Schlussrang sowie eine weitere Spielzeit in der 1. Liga.

Auf der Suche nach möglichen Gründen vernahm man von der Mannschaft, den Verantwortlichen, den Fans sowie den Journalisten einstimmig: der TV Solothurn ist mental grandios gescheitert. Die junge Truppe ohne herausragende Routiniers war dem enormen Favoritendruck nicht gewachsen und vermochte sich so selbst ein Bein zu stellen. Was niemand anzusprechen wagte: Pilatus und Wädenswil waren in den entscheidenden Momenten abgeklärter, resoluter und letztendlich einfach besser.

Drei Erfolgsphasen

Heute, ein Jahr später, befindet sich Solothurn in der exakt gleichen Ausgangslage. Der TVS startet erneut als grandioser Qualifikationssieger in die finale Meisterschaftsphase. Das ist zwar insofern bemerkenswert, als dass sich die Solothurner nach dem herben Rückschlag aufgerafft und gar weiterentwickelt haben. Nur, wenn die Nerven erneut nicht mitspielen, hilft die beste Statistik nichts.

Der Modus

Fünf Spiele trennen den TV Solothurn von der Nationalliga B. Im Modus «Alle gegen alle» treffen die Solothurner heute Samstag im heimischen CIS Sportzentrum um 17 Uhr auf Kreuzlingen. Für den Aufstieg braucht das Team erfahrungsgemäss vier Siege.

Die weiteren Spiele:
21.4. (20 Uhr) Olten – TVS
23.4 (17 Uhr) TVS – Genf
27.4. (20 Uhr) TVS – Stans
30.4. (19.30 Uhr) Seen – TVS

«Ein gewichtiger Unterschied ist, dass die Mannschaft diese Saison bereits öfters mit Rückschlägen wie Verletzungen kämpfte und lernen musste, damit umzugehen», betont Robert Buchli. Der 37-Jährige gehört zum Team des renommierten Sportpsychologen Jörg Wetzel, dessen Dienste der TVS unmittelbar nach dem verpassten Aufstieg in Anspruch genommen hat. Einfaches Ziel: Am «Tag X» bereit zu sein und die beste Leistung abrufen zu können. Dafür wurden der Trainer, der Spielerrat sowie Einzelspieler während der gesamten Spielzeit gecoacht. «In drei Phasen setzten sich die Beteiligten aktiv mit Themen wie der Rollenverteilung und Verantwortung innerhalb der Mannschaft sowie der eigenen Leistung auseinander», erklärt Buchli.

Einerseits sollten so die richtigen Schlüsse aus der vergangenen Saison gezogen werden. Andererseits wurden bereits wichtige Grundsteine gelegt, um auch in der Nationalliga B bestehen zu können. Dies wiederum erklärt beispielsweise den Zeitpunkt der Verpflichtung von Marco Kurth. Zwar steht der ehemalige Schweizer Internationale den Solothurnern als Spieler erst nächste Saison zur Verfügung, die Mannschaft begleitet er jedoch bereits seit geraumer Zeit. Damit ist Kurth nicht nur ein erfahrener Mentor, sondern war unter anderem bei der Analyse der Gegner beteiligt und konnte erste taktische Ideen einfliessen lassen.

Ähnliches gilt für Antoine Ebinger, der 454 Spiele in der höchsten Liga bestritt. Der Torhüter fungiert in den Aufstiegsspielen als dritter Torhüter und betreut das Team bereits die gesamte Saison als Goalietrainer. «Solche Vorgänge wurden hintergründig natürlich lange geplant und stellen lediglich die Spitze des Eisbergs dar», bestätigt Buchli.

Die Gegner

SG Seen Tigers: 1. Schlussrang Gruppe 1 (37 Punkte). Torverhältnis: 682:570. Grösste Stärke: Eingespielte Mannschaft. Grösste Schwäche: Fitness.

- HSC Kreuzlingen: 2. Schlussrang Gruppe 1 (28). 621:560. Stärke: Technische Linkshänder. Schwäche: Einzelspielerabhängig.

- BSV Stans: 1. Schlussrang Gruppe 2 (40). 717:546. Stärke: Torhüter. Schwäche: Verteidigung.

- SG HV Olten: 2. Schlussrang Gruppe 2 (36). 600:522. Stärke: Unberechenbarkeit. Schwäche: Unerfahrenheit.

- TV Solothurn: 1. Schlussrang Gruppe 3 (42). 668:538. Stärke: Technisch, taktisch und körperlich überlegen. Schwäche: Kopf.

- CS Chênois Genève: 2. Schlussrang Gruppe 3 (38). 651:548. Stärke: Aggressive Verteidigung. Schwäche: Stimmungsmannschaft. (che)

Fehler nicht zweimal begehen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der TV Solothurn momentan gegen jeden 1.-Liga-Gegner bestehen kann. Oder besser gesagt: bestehen muss. Denn wer über zwei Jahren während 44 Qualifikationsspielen gerade mal sieben Punkte abgibt, über derart qualitativ hochstehendes Spielermaterial verfügt und nun auch punkto Erfahrung einen Schritt weiter ist, hat in der 1.-Liga nicht viel verloren.

Aufseiten des Vereins wurden grosse Bemühungen unternommen, perfekte Rahmenbedingungen zu schaffen. Wichtig ist in Solothurn letztendlich nur, sich auch von kleineren Rückschlägen nicht verunsichern zu lassen und vollends auf das eigene Spiel zu vertrauen. Auch, und das ist der entscheidende Punkt, wenn die Gegner aus den beiden anderen Gruppen immer ein gewisses Überraschungspotenzial mit sich bringen.
«Meinen Spielern wird der gleiche Fehler nicht zweimal passieren», sagte Matthias Heger vergangenes Jahr vor der folgenschweren Auswärtspartie gegen Wädenswil. Bleibt zu hoffen, dass der Trainer in dieser Saison recht behält. Denn erneut kann sich der TV Solothurn eigentlich nur selbst im Weg stehen.

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