Auf die Frage «Wie fühlt es sich als Schwingerprinz an?» sagt Philipp Roth jedem dasselbe: «Immer noch wunderbar.» Der 17-jährige Konstrukteur-Lehrling aus Biberist holte sich den Titel am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag in Hasle-Entlebuch im Jahrgang 1995. Das Kalb, das der Vertreter des SK Aarberg wie die anderen Prinzen für seinen Sieg erhalten hat, hat er zu Geld gemacht. «Ich habe es auf mein Schwingerkonto eingezahlt», so Roth. Es war der bislang wertvollste Preis für den stolzen Besitzer von 135 Zweigen.

Kränze gibt es erst bei den Grossen und von denen hat der Seeländer heuer am Mittelländischen in Kirchdorf seinen ersten erkämpft. Drei weitere Male hat er heuer in einem sechsten Gang ums Eichenlaub gemacht. «Besonders gefreut hat mich, dass dies am Schwarzsee der Fall war», so Roth. Den entscheidenden Hoselupf in den Freiburger Voralpen verlor er indessen gegen den Innerschweizer Thorsten Betschart. Kann Roth nächste Saison seine diesjährige Leistung bestätigen, «was mein Ziel ist», dann ist die Chance gross, dass sich der kräftige Nachwuchsmann fürs «Eidgenössische» 2013 in Burgdorf qualifizieren wird.

Auch die Gitarre im Griff

Auf dem Weg in den Olymp der Sägemehl-Gladiatoren übt Philipp Roth oft mit dem Seeländer-Hünen Christian Stucki. «Er ist mein grosses Vorbild.» Nicht allein der Erfolge wegen: «Mir imponiert seine Art.» Stucki, der sanfte Riese, der trotz enormer Masse und tierischer Kraft stets eine gewisse Souplesse ausstrahlt. Wenn die beiden trainieren, verläuft der Kampf in der Regel «sehr einseitig», gibt Roth ohne Rot zu werden zu.

Schliesslich ist Stucki mit knapp zwei Metern Grösse und 140 Kilogramm Gewicht noch 10 cm und 10 kg grösser und schwerer als sein aufstrebender Teilverbandskollege. Ein musischer Kamerad notabene. Philipp Roth spielt Gitarre und singt auch dazu. Einen Song über seinen Prinzentitel zu schreiben hat er indes nicht vor. Schliesslich soll das ja nur eine Strophe einer noch langen, erfolgreichen Geschichte sein. Und: «Ich fühle mich als Schwinger in der Arena doch noch wesentlich wohler, als als Sänger», so der Prinz von Biberist.

Kalb zu Roller gemacht

Der Prinz von Alchenstorf heisst Remo Käser. Auf den 16-Jährigen trifft die Bezeichnung Prinz jetzt in doppeltem Sinne zu. Als Sohn von Adrian Käser, dem Schwingerkönig von 1989 in Stans, ist Remo, aus schwingfamiliärer Optik, schon seit Geburt ein Prinz. Seit seinem Sieg in Hasle-Entlebuch im Jahrgang 1996, ist er dies nun auch auf sportlichem Parkett. «Aber ich werde im Geschäft und unter Kollegen immer noch mit meinen normalen Namen angeredet», schmunzelt er. Prinz oder Königliche Hoheit hat noch nie jemand zu ihm gesagt. Würde auch etwas gar doof tönen. Reaktionen auf seinen Sieg hat der Oberaargauer logisch sehr viele erhalten. «Alle Freundschaftsanfragen auf Facebook konnte und wollte ich aber nicht annehmen», sagt er. Man könnte ja sonst leicht die Übersicht verlieren.

Ansonsten hat sich im Leben des talentierten, athletischen Schwingers nach seiner Beförderung in den Adelsstand nichts Grundlegendes verändert. Abgesehen davon, dass der Spengler-Lehrling bald schneller ins Geschäft, ins Training und wieder zurück nach Hause kommen wird. Auch Käser hat sein Kalb, das er als Prinz gewonnen hat, dem Züchter noch auf dem Platz zurückverkauft. Da er bald Roller fahren dürfe, möchte er sich einen anschaffen, sagt er.

Reicht das Geld fürs Kalb dafür? «Ich habe mir einfach einen billigen Roller ausgesucht, dafür sollte das Geld fürs Kalb reichen», bringt er den Deal «Aus Kalb mach Roller» auf den Punkt. Auch für Remo Käser ist klar, dass er nächste Saison seinen ersten Kranz, den er heuer am Emmentalischen gewonnen hat, bestätigen und sich fürs Eidgenössische qualifizieren möchte. Am Sonntag aber gilt es für ihn vorerst auf der Lueg noch einmal ernst. Der SK Kirchberg, sein Klub also, liegt vor der letzten Station im Lueg-Cup in Führung.