Faustball
Diese beiden sind Kollegen, aber nicht wenn sie auf dem Feld gegeneinander antreten

Am Samstag, 18. August, kommt es in der zweitletzten Qualifikationsrunde zum wegweisenden NLA-Derby zwischen Neuendorf und Olten. Beide sind im Abstiegskampf und zwingend auf Punkte angewiesen: Marco Campigotto und Kevin Nützi.

Fabio Baranzini
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Kevin Nützi (Neuendorf, links) und Marco Campigotto (Olten) vor dem NLA-Derby.

Kevin Nützi (Neuendorf, links) und Marco Campigotto (Olten) vor dem NLA-Derby.

Fabio Baranzini

«Hey, schaust du ernst?», fragt Kevin Nützi beim Fotoshooting, lehnt sich nach vorne und schaut um den Pfeiler zu Marco Campigotto. «Logisch, es geht ja ums Derby», erwidert dieser. Beide lachen. Es ist eine Szene, welche die Beziehung der beiden perfekt widerspiegelt. Auf dem Spielfeld sind sie Konkurrenten, neben dem Platz Kollegen, die im Ausgang gerne auch mal gemeinsam ein Bier trinken.

Marco Campigotto spielt beim TV Olten, Kevin Nützi beim Erzrivalen Neuendorf. Die beiden sind fast gleich alt, haben praktisch zur selben Zeit mit dem Faustballsport begonnen und spielen auf derselben Position (Zuspiel). Die ersten Duelle lieferten sie sich bereits vor mehr als zehn Jahren bei den U15-Junioren. An eine Direktbegegnung aus der Juniorenzeit können sich die beiden noch immer erinnern, als wäre es gestern gewesen. «Das war bei den U18-Junioren. Wir haben in der Halle in Alpnach gespielt. Das Finale lautete Olten gegen Neuendorf, und ein Kurzsatz auf fünf Punkte musste entscheiden, wer den Titel gewinnt», so Campigotto. «Genau, den Satz haben wir mit 5:4 gewonnen», ergänzt Nützi. «Leider ja.»

Zu spät ins Nati-Training

Kurz nach diesem Finalspiel waren Nützi und Campigotto dann für einmal gemeinsam unterwegs. Beide waren ins erweiterte U18-Kader berufen worden und durften an einen Zusammenzug in Jona. «Es war für beide das erste Aufgebot. Wir hatten eine Riesenfreude und entschieden uns, gemeinsam mit dem Zug anzureisen. Wir haben dann aber in Zürich nicht den richtigen Zug nach Jona erwischt und in Jona fanden wir die Halle nicht», erinnert sich Nützi. «Das war noch vor der Smartphone-Zeit. Wir konnten also weder den Weg zur Halle googeln, noch den Trainer anrufen», so Campigotto. Und so begann das erste Nati-Training für die beiden mit einem «Zusammenschiss» des Trainers, weil sie viel zu spät eingetroffen sind.

Marco Campigotto sagt: «Alle Matches sind wichtig, aber diejenigen gegen Neuendorf sind wichtiger. So wurden wir von der älteren Generation in unserem Verein erzogen.»     

Marco Campigotto sagt: «Alle Matches sind wichtig, aber diejenigen gegen Neuendorf sind wichtiger. So wurden wir von der älteren Generation in unserem Verein erzogen.»     

Fabio Baranzini

Es ist eine von vielen Geschichten aus vergangenen Zeiten, die Campigotto und Nützi verbindet. Die meisten stehen jedoch im Zusammenhang mit den Derbys. Für beide sind die Direktduelle zwischen Neuendorf und Olten jeweils der Höhepunkt der Faustballsaison. «Alle Matches sind wichtig, aber diejenigen gegen Neuendorf sind wichtiger. So wurden wir von der älteren Generation in unserem Verein erzogen», erinnert sich Campigotto. «Das ist bei uns nicht anders. Die Derbys gegen Olten wollen wir immer um jeden Preis gewinnen. Auf diese Duelle fiebern wir immer hin. Das sind absolute Highlights», sagt Nützi.

Seit mehr als zehn Jahren stehen sich Marco Campigotto und Kevin Nützi auf dem Faustballplatz gegenüber. Über die Jahre sind sie Kollegen geworden. Doch die persönliche Beziehung muss hinten anstehen, wenn es zum Derby kommt. «Wir verstehen uns super und hatten nie ein Problem. Aber wenn wir gegeneinander antreten, spielt das alles keine Rolle mehr. Dann zählt nur der Sieg», sagt Nützi.

Es steht viel auf dem Spiel

Am Samstag, 18. August, ist es wieder soweit: In Neuendorf steht das nächste Solothurner Derby zwischen Neuendorf und Olten auf dem Programm. Es ist erst das zweite Mal überhaupt, dass sich die beiden Teams in der Nationalliga A gegenüberstehen. Beim ersten Kräftemessen im Frühling gewann Neuendorf, obwohl Olten zwischenzeitlich mit 2:1-Sätzen geführt hatte. Ein Umstand, der Marco Campigotto auch knapp drei Monate später noch den Kopf schütteln lässt. Kevin Nützi dagegen erinnert sich mit einem Lächeln.

Beim zweiten NLA-Derby der Saison geht es für beide Teams um viel. Die Oltner müssen zwingend gewinnen, wenn sie den direkten Abstieg noch abwenden wollen. Die Neuendörfer ihrerseits könnten mit einem Sieg die Gefahr des direkten Abstiegs endgültig verbannen – auf Kosten von Olten. Für Spannung im Solothurner Derby ist also gesorgt. Und wer gewinnt? «3:1 für Olten», gibt sich Marco Campigotto zuversichtlich. Nützi erwidert: «Ich tippe genau dasselbe Resultat – aber natürlich für Neuendorf.»

Faustball NLA

7. Runde:
Samstag, ab 15.00:

Neuendorf - Olten.

Olten - Diepoldsau.

Neuendorf - Diepoldsau

(alle Neuendorf, Sportplatz MZH)

Rangliste:
1. Diepoldsau 12/22 (33:10)

2. Wigoltingen 12/22 (35:8)

3. Widnau 12/18 (32:16)

4. Elgg-Ettenhausen 12/14 (22:23)

5. Jona 12/12 (23:22)

6. Oberentfelden 12/10 (19:24)

7. Walzenhausen 12/6 (17:27)

8. Neuendorf 12/4 (10:33)

9. Olten 12/0 (8:36).

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