Schwingen

Die Zeitreisenden: So geht es den Veranstaltern der Schwingfeste nach den Absagen

Die finanziellen Ausfälle sind tief und die Organisatoren des Weissenstein-Schwingets können auf Reserven zurückgreifen.

Die finanziellen Ausfälle sind tief und die Organisatoren des Weissenstein-Schwingets können auf Reserven zurückgreifen.

Die Coronakrise stellt die Veranstalter der Schwingfeste vor Herausforderungen, doch die meisten sind zu lösen. Aber nicht alle.

Die Schwinger werden 2021 in Matzendorf zu Zeitreisenden. Im Gabentempel geht es zurück in die Vergangenheit. «Viele Gaben sind bereits produziert und mit dem ursprünglichen Datum versehen», sagt André Brönnimann, OK-Präsident des Solothurner Kantonalfests. «Das wird zur speziellen Situation führen, dass Schwinger Preise mit nach Hause nehmen, die ein Datum tragen, das bereits mehr als ein Jahr zurückliegen wird.»

Bereits produzierte Gaben sind nur eine der zahlreichen Herausforderung, denen sich die Veranstalter stellen müssen, seit Corona das Schwingen auf den Rücken legte. Doch während fast alle Schwingfeste wie das in Matzendorf nachgeholt werden können, ist in Hägendorf alles anders.

Weil das Nordwestschweizer Schwingfest abwechselnd und nacheinander von einer Gemeinde aus den vier Mitgliederverbänden Solothurn, Basel-Landschaft, Basel und Aargau durchgeführt wird, könnte sich Hägendorf frühestens 2024 wieder bewerben.

Auf 25000 Franken beziffert der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst den Schaden der Absage. «Jetzt gilt es zu klären, ob der Kanton oder der Bund hilft», sagt der OK-Präsident des Anlasses in Hägendorf. Er selbst wird bei diesen Verhandlungen in den Ausstand treten, da er als Regierungsmitglied einem Interessenskonflikt ausgesetzt wäre.

Doch nicht nur finanziell schmerzt die Absage. «Es wurde mit sehr viel Enthusiasmus gearbeitet. Es steckt viel Herzblut und Zeit in diesem Fest», sagt Fürst. Doch der Lohn für 15 Monate Vorbereitung, also zufriedene Zuschauer und ein tolles Fest, fällt nun weg.

Die Schwingerfamilie ist treu

Darum ist man in Matzendorf froh, das Solothurner Kanto­nalschwingfest überhaupt noch durchführen zu können. Der ursprüngliche Plan einer Verschiebung in den Herbst 2020 musste zwar schon bald verworfen werden, doch auch für 2021 bleiben die Geldgeber den Veranstaltern treu.

«Nur ein Sponsor hat sich bisher nicht entschieden, ob er weitermacht. Die Schwingerfamilie ist treu», sagt Brönnimann. Damit ist die Basis für eine erfolgreiche Durchführung im nächsten Jahr gelegt. «Wir haben zwar einen Mehraufwand durch die Verschiebung. Aber der Schaden ist tief und wir sind überzeugt, dass wir die zusätzlichen Mittel generieren können.»

Brönnimann ist froh, dass ein Grossteil der bereits geleisteten Arbeit nicht vergebens war. So können viele Konzepte übernommen werden. Es ist dies ein grosser Vorteil, wie die Veranstalter des jährlich stattfindenden Bergfestes auf dem Weissenstein wissen. «Eine Website muss zum Beispiel nicht jedes Mal neu aufgebaut werden», sagt OK-Präsident Michael Guldimann. Zwar fehlen auch auf dem Weissenstein die Einnahmen, doch dank langjähriger Partnerschaften und eingespielten Abläufen ist der Ausfall tief. «Zudem haben wir, seit unser Fest 2011 auf Grund eines Unwetters abgesagt werden musste, begonnen, Reserven zu bilden. Auf diese können wir nun zurückgreifen.»

Wichtige Einnahmequelle fällt weg

Doch wie sieht es für die kleinen, regionalen Feste aus, die jährlich vom gleichen Schwingklub organisiert werden und für diese die wichtigste Einnahmequelle sind? Rolf Wuethrich, OK-Präsident des Munimatt-­Schwingets, sagt: «Natürlich sind wir von der Absage betrübt. Doch wir haben in den vergangenen Jahren sorgfältig gewirtschaftet. Die Bremsspuren in der Rechnung werden wir sehen, aber wir werden den Ausfall sicher tragen können.» Die Organisatoren haben al­len Sponsoren angeboten, ihnen das Geld zurückzuzahlen.

Die meisten haben abgelehnt, «doch gerade Restaurants, die von der aktuellen Krise ebenfalls hart getroffen wurden, waren darüber sehr dankbar. Doch für uns ist das selbstverständlich: Die Sponsoren haben die Schwingerfamilie immer unterstützt, jetzt unterstützen die Schwinger sie.»

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