EHC Olten
Die Zeit als Underdog droht abzulaufen

Der künftige Oltner Stefan Mäder ist mit Ajoie drauf und dran, in der Serie gegen die Dreitannenstädter die Favoritenrolle zu übernehmen.

Michael Forster
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Stefan Mäder schwingt im Duell mit seinem künftigen Arbeitgeber derzeit ganz klar obenaus.

Stefan Mäder schwingt im Duell mit seinem künftigen Arbeitgeber derzeit ganz klar obenaus.

Hansruedi Aeschbacher

Gemütliches Beisammensein nach den Heimspielen im grossen Festzelt vor der Eishalle mit dem Präsidenten und Fans oder eine gut und gerne fünfzehnminütige Spielanalyse am Tag danach beim Metzger im Städtchen Pruntrut: In der Ajoie gehören solche Sachen zum Alltag eines Eishockeyspielers. Sich Zeit zu nehmen für das Umfeld eines begeisterungsfähigen Klubs, welcher jedes Jahr wieder aufs Neue ums Überleben kämpft, dafür, ein Budget von deutlich unter drei Millionen stemmen und damit eine weitere Saison in der völlig veralteten Voyebœuf-Halle gewährleisten zu können.

Anthony Rouiller - Einer für Olten?

Der Verteidiger des HC Ajoie, welcher in der Serie gegen den EHCO als solider und treffsicherer Verteidiger auf sich aufmerksam macht, hat sich in einem Interview im «Le Quotidien Jurassien» zu seiner sportlichen Zukunft geäussert. Er sehe seine Zukunft in der NLB, so der 22-Jährige, wobei Kontakte zu zwei oder drei Teams bestünden. Erste Priorität geniesst dabei offenbar der HC Ajoie. In den Kreisen des EHC Olten will man ein Interesse an Rouiller zu diesem Zeitpunkt weder bestätigen noch dementieren. Fakt ist, dass offiziell erst fünf Verteidiger für die nächste Saison unter Vertrag stehen. Sportchef Köbi Kölliker liess aber bereits nach dem bekannt gewordenen Abgang von Fabian Ganz verlauten, dass man bezüglich Nachfolgeregelung auf gutem Wege sei. Laut dem Fanforum des EHC Visp soll auch Marc Geiger in Olten im Gespräch sein.

Zeit nimmt sich Stefan Mäder, der 25-jährige Center der Jurassier, aber nicht nur in seiner temporären Heimat in der Ajoie, wo er in Chevenez seit vier Jahren eine Art Spieler-WG bewohnt, sondern auch im Kreise seiner Familie. Immer mittwochs reist er aus dem Jura zurück nach Trubschachen, wo seine Eltern auf dem «Bären» wirten – dem ältesten «Bären» der Schweiz, notabene. Dabei legt er nicht selten in einem anderen «Bären», jenem in Niederbipp, quasi auf halber Distanz, einen Zwischenhalt ein. Hier besucht er nicht nur seinen Götti und einen Teil seiner Familie, sondern er lässt sich auch kulinarisch verwöhnen: mit einem Cordon bleu. Das hat einerseits Tradition, sei aber auch, gerade in dieser Phase, sehr willkommen, betont Mäder. «In den Playoffs ist gutes Essen besonders wichtig, denn es ist körperlich, aber auch mental eine sehr anspruchsvolle Zeit.»

Ajoie, der Underdog

Sein Entscheid, die nächsten drei Jahre in den Farben des EHC Olten aufzulaufen, sei in erster Linie ein sportlicher gewesen, so Mäder. «Sie verfolgen grosse Ziele, wollen in die NLA und sind in der Lage, eine Liga tiefer immer unter den allerbesten Teams mitzuspielen.» In der Ajoie hingegen hat er in den letzten vier Jahren ein Auf und Ab erlebt. Vor drei Jahren noch Qualifikationssieger, verpasste man im Jahr darauf doch tatsächlich die Qualifikation für die Playoffs, um via Viertelfinal-Out 2015 in diesem Jahr so richtig durchzustarten. 4:2-Erfolg im Viertelfinal gegen La Chaux-de-Fonds, und jetzt führt man gegen den Favoriten aus Olten mit Breakvorsprung 2:1. Haben damit auch die Rollen gewechselt?

EHC Olten - HC Ajoie (1. PO-Halbfinal-Spiel 2016)
8 Bilder
Ein konzentrierter Matthias Mischler deckt das Oltner Tor ab.
Martin Ulmer (links) feiert seinen 3:3-Ausgleichstreffer für die Dreitannenstädter.
Thimothe Tuffet erzielte den Führungstreffer zum 3:2 für die Jurassier.
Olten-Coach Heikki Leime analysiert das Spiel seiner Mannschaft.
Das erste PO-Halbfinal-Spiel zwischen dem EHC Olten und dem HC Ajoie war hart umkämpft.
Gary Sheehan feuert seine Spieler an.
Thimothe Tuffet (links) von Ajoie im Duell mit Oltens Martin Wüthrich (rechts).

EHC Olten - HC Ajoie (1. PO-Halbfinal-Spiel 2016)

Keystone

Der 1,90 m grosse Center lacht herzhaft, und irgendwie glaubt man ihm tatsächlich, wenn er die plötzliche Favoritenrolle unter Einsatz seiner ganzen Reichweite von sich und damit auch dem Team zu schieben versucht. «Wir sind der Underdog! Olten verfügt über sehr viel mehr Erfahrung, bei uns hingegen wissen die wenigsten, was es heisst, in einem Halbfinal zu stehen. Zudem verfügt Olten grundsätzlich über die grössere Breite.» Immerhin räumt der Emmentaler ein, dass man in der Serie gegen den EHCO verdient führe, ja die bessere Mannschaft gewesen sei. «Wir haben nicht etwa glücklich gewonnen, vielmehr haben wir Spiel 1 unglücklich verloren» – und spricht damit aus, was man sich auch in Olten vor Augen führen muss: Hätten die EHCO-Schützen in jenem Penaltyschiessen nicht eiserne Nerven demonstriert, Ajoie könnte morgen Freitag zu Hause bereits den ersten von drei Matchbällen ausspielen.

Stefan Mäder «Wir sind der Underdog! Olten verfügt über sehr viel mehr Erfahrung, bei uns hingegen wissen die wenigsten, was es heisst, in einem Halbfinal zu stehen. Zudem verfügt Olten grundsätzlich über die grössere Breite.»

Stefan Mäder «Wir sind der Underdog! Olten verfügt über sehr viel mehr Erfahrung, bei uns hingegen wissen die wenigsten, was es heisst, in einem Halbfinal zu stehen. Zudem verfügt Olten grundsätzlich über die grössere Breite.»

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Völlig verschiedene Systeme

Gary Sheehan hat es verstanden, die Mannschaft trotz vieler Wechsel während der Regular Season (mit mehr als 50 eingelösten Lizenzen!) auf die Playoffs perfekt einzustellen. «Er hat Olten ganz stark analysiert», lobt Mäder die Arbeit des Trainers. «Wir spielen ein sehr gutes System, jeder hat seine Rolle und nimmt sie momentan sehr gut wahr.» Zwar habe man im ersten Aufeinandertreffen noch nicht ganz das gemacht, was der Trainer verlangt habe; sobald aber jeder seine Aufgabe erfülle, habe man gute Chancen, die Oltner in der Mittelzone zu stoppen – und genau hier liegt der springende Punkt.

Das System, welches Sheehan praktiziert, ist einfach, aber äusserst effizient: Mit einem Pass durch die neutrale Zone, die Scheibe tief spielen und mit zwei, drei Mann nachsetzen. «Olten hingegen versucht es in der Mittelzone stets mit drei, vier Pässen», hat Mäder längst erkannt, «doch damit kommen sie bei uns nicht durch. Wenn es ihnen dennoch gelingt, dann wird es hingegen gefährlich.» Zwei völlig unterschiedliche Systeme also, mit (bislang) deutlichen Vorteilen für den Underdog. Wenn sich das morgen in der Ajoie nicht ändert, dann wechselt Mäder unverhofft früh die Fronten – und spielt bereits in dieser Saison beim Duell zwischen Olten und Ajoie auf einmal beim Favoriten.